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Trump stark unter Druck – die Wall Street demnächst auch?

Ein mögliches Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Donald Trump belastet die Börse. Hoffnung gibt es beim US-Handelskonflikt mit China. Trump muss bei den neuen Gesprächen zur Schlichtung am 10. Oktober „liefern“, sonst droht eine Rezession im Jahr 2020. Viele Anleger fragen sich, ob es einen Oktober-Crash aufgrund der zunehmenden Unsicherheiten geben könnte. Die Notenbanken haben geliefert, aber reicht das aus? Gold und Silber notieren seitwärts. Der Bitcoin gab zuletzt stark nach. Die Moskauer Börse bleibt aber einer der Top-Performer unter den Weltbörsen. „Red Chips“ aus Russland performen bisher besser als westliche „Blue Chips“.

Trump droht wegen der Ukraine-Affäre ein Amtsenthebungsverfahren durch die Demokraten

US-Präsident Donald Trump droht ein von den Demokraten eingeleitetes Amtsenthebungsverfahren, weil er in einem Telefonat den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyi aufgefordert haben soll, neue Ermittlungen gegen seinen Widersacher Joe Biden vorzunehmen. John Biden hatte Anfang 2015 den damaligen ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko unter Druck gesetzt, den damaligen Generalstaatsanwalt Wiktor Schokin abzuziehen, da dieser gegen das Erdgasunternehmen Burisma ermittelte, in dem Bidens Sohn Hunter Biden im Verwaltungsrat saß. Hunter Biden hatte keinerlei Kenntnisse im Erdgasgeschäft und wurde dort nur über die Beziehungen seines Vaters in den Verwaltungsrat von Burisma berufen. Hunter Biden gilt als das „schwarze Schaf“ der Familie, dem Sex- und Drogeneskapaden nachgesagt werden.

Was ist die Geschichte hinter der Geschichte?

Auf Druck von Joe Biden wurden hernach die Ermittlungen gegen das Energieunternehmen Burisma eingestellt, er drohte Poroschenko damals, Milliarden-Kredite an Ukraine zu stoppen. Der damalige Generalstaatsanwalt Schokin wurde auch durch Poroschenko abgesetzt. Auch das dürfte in der Tat ein Fall des Amtsmissbrauchs durch Biden gewesen sein, denn dieser war damals immerhin schon Vize-Präsident hinter Barack Obama. Nun aber muss sich Trump zunächst verantworten, dass er keinen Machtmissbrauch in dem besagten Telefonat mit Selenskyi im Juli betrieben und auch keinen Druck ausgeübt habe.

Belauscht der CIA Trump?

Noch unklar ist, wer der Whistleblower war. In jedem Fall war die Abhörung illegal. Angeblich war es ein CIA-Agent, der seine Identität nicht preisgegen will. Trumps Sondergesandter für die Ukraine Kurt Volker trat bereits zurück. Trump spricht von einer ungeheuren Hexenjagd gegen sich. In einer Video-Botschaft appellierte er an seine Wähler, das unredliche Vorgehen der Demokraten gegen ihn entsprechend zu schmähen.

Trump droht China erneut im Handelsstreit

Neben dem möglichen Amtsenthebungsverfahren steht Trump am 10. Oktober 2019 unter Druck, bei US-Handelsstreit mit China endlich zu positiven Ergebnissen zu kommen, da es sonst zu einem starken wirtschaftlichen Abschwung im nächsten Jahr in den USA kommen könnte und dies will er in seinem Wahljahr tunlichst vermeiden. Trump droht, chinesische Unternehmen von der New Yorker Börse zu verdammen, obwohl er hierzu gar nicht die Befugnis hat. Eskalierte der Handelsstreit mit China erneut, könnten auch die Kurse an der Wall Street einbrechen. Zudem würde der Ölpreis dann stark fallen, ebenso wie Industriemetalle.

Notenbanken haben geliefert, aber reicht das?

Die Notenbanken der USA und Europas, Fed und EZB, haben zwar zuletzt im September wie erwartet geliefert, indem beide die Zinsen weiter senkten. Dabei bleiben die erhöhten Minus-Zinsen der EZB sehr umstritten, weil die europäischen Banken darunter sehr leiden. Aber die Aktienmärkte nahmen dies zunächst positiv auf.

US-Notenbank Fed verhindert fast unbemerkt ein Finanzbeben

Dennoch wurde in den letzten Tagen ein Finanzbeben an der Wall Street verhindert, indem die Fed täglich 75 Milliarden US-Dollar in den Markt pumpte, um ein starkes Ansteigen der Repo-Sätze der Notenbank im Zaum zu halten. Repo-Geschäfte sind Rückkaufvereinbarungen für US-Staatsanleihen, bei denen Wertpapiere gegen Liquidität verkauft werden, mit der Vereinbarung, dass dies zu einem bestimmten Zeitpunkt zurückgekauft wird. Meistens sind dies Übernachtgeschäfte der Banken. Die Zinssätze waren am 24./25. September auf über 10 Prozent nach oben geschossen. Die Repo-Sätze waren stark gestiegen, weil es kaum Nachfrage nach US-amerikanischen Staatsanleihen gab. Dies war das erste Mal seit mehr als 10 Jahren, dass die Fed in dem Volumen von 75 Milliarden US-Dollar Geld in den Markt pumpte, um einen Anleihen-Crash zu verhindern. Zudem droht mancherorts schon wieder einen Immobilienkrise in den USA.

Iran-Krise und Brexit traten in den Hintergrund, blieben aber eine Gefahr

Durch das Amtsenthebungsverfahren gegen Trump gerieten die Iran-Krise und das bis 31. Oktober geplante Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union in den Hintergrund. Doch auch hier bedarf es einer Lösung. Trotz all dieser Unsicherheitsfaktoren hielten sich die Aktienmärkte bisher noch sehr stabil. Der deutsche Leitindex Dax verharrte stabil bei 12.330 Indexpunkten und der Dow-Jones-Index an der Wall Street lag bei 26.820 Indexpunkten, was nur etwa 500 Punkte vom Allzeithoch entfernt ist. Dennoch fragen sich jetzt viele Anleger, ob es im Oktober zu einem Crash kommen könnte, wenn die Unsicherheiten und Problem sich noch verschärften sollten.

Moskauer Börse bleibt ein Outperformer

Einer der Top-Performer unter allen Weltbörsen blieb die Moskauer Börse mit einem Plus von über 30 Prozent beim RDX-Index, einem Kunstprodukt der Wiener Börse für russische Aktien. Neben den dividendenstarken Aktien wie Gazprom überzeugten zuletzt insbesondere russischen Goldaktien wie Polyus Gold, da auch der Goldpreis in diesem Jahr stark anstieg. Auch der Rubel war in diesem Jahr sehr stark zum Euro, zuletzt bei 70,5 EUR/RUB mit neuem Jahreshoch. Der US-Dollar stieg zum Euro auf den neuen Jahreshoch von 1,09 EUR/USD.

Bukarester Börse bleibt top

Viel Freude in Osteuropa macht weiterhin der Aktienmarkt aus Rumänien. Der ROTX-Index, ein Kunstprodukt der Wiener Börse für rumänische Aktien, stieg bereits um 27 Prozent in diesem Jahr und damit weit mehr als die Indices an der Wall Street oder als der Dax.

NorNickel profitiert von stark steigenden Nickel- und Palladiumpreisen

Der Goldpreis fiel am Freitag, 27. September 2019, wieder unter 1.500 USD/Unze und der Silberpreis unter 18 USD/Unze. Am meisten stiegen in diesem Jahr die Rohstoffe Nickel (plus 65 Prozent) und Palladium (plus 25 Prozent), wovon der größte Nickel- und Palladiumproduzent NorNickel profitierte. NorNickel stieg auf ein neues Jahreshoch von 23,4 Euro. Aber auch die Ölaktie Surgutneftegas überzeugte mit einem Kursprung von über 30 Prozent bei den Stammaktien, wobei die Dividende bei den Vorzügen verfünffacht wurde.

Ölpreis gibt trotz ungelöster Iran-Krise nach

Der Brentölpreis gab zuletzt von 66 auf 61 USD/Barrel nach, nachdem es einen Iran-Krieg wohl so bald nicht geben wird. Dennoch bleibt die Lage im Nahen Osten angespannt, nachdem die größte Raffinerie von Saudi Aramco in Saudi-Arabien durch Drohnen stark beschädigt wurde. Die USA machen den Iran dafür verantwortlich. Der Bitcoinpreis brach im September hingegen brutal von 9.500 auf 7.500 Euro ein. Zu Jahresbeginn waren es aber unter 4.000 Euro, sodass sich der Kurs immer noch verdoppelte.

Jetzt kommen die „goldigen“ Zeiten!

Der Goldpreis stieg in diesem Jahr bereits um 16 Prozent, in Euro sogar um 22 Prozent. Russland ist der drittgrößte Goldproduzent der Welt und die russische Notenbank kauft so viel Gold auf wie kein anderes Land der Welt. Hier hat der Präsident Putin jetzt einen wahren Goldschatz angelegt, was auch als Festung dienen soll, falls es weitere unnötige US-Sanktionen beschlossen werden. Russland ist mit nur 12 Prozent vom Bruttosozialprodukt wesentlich geringer verschuldet als westliche Industrieländer und kann daher die nächste Krise besser überstehen als so manches westliches Industrieland. Aber abgesehen davon sind die russischen Aktien immer noch die preiswertesten Aktien mit den höchsten Dividendenrenditen auf der Welt.

Blick nach Osteuropa

2018 zählten schon wieder 10 Aktienmärkte in Osteuropa zu den besten performenden Aktienmärkten der Welt, die alle den Dax und auch den US-Aktienmarkt klar outperformen konnten. Nun ist die Moskauer Börse schon wieder der klare Outperformer unter allen Weltbörsen mit einem Plus von über 30 Prozent in Euro. Aber auch die Bukarester Börse (Rumänien) stieg schon um fast 28 Prozent. Die Aktienmärkte in Südosteuropa und auch in den baltischen Ländern blieben sehr stabil im Plus (Kroatien plus 13 Prozent). Es lohnt sich also weiterhin ein Blick über den Tellerand nach Osteuropa.

(Andreas Männicke)


 


 

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