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Wahlsieg in Frankreich – die Weltbörsen atmen auf

Die Franzosen haben für Europa gestimmt: Am 7. Mai 2017 wählten sie erwartungsgemäß Emmanuel Macron in der Stichwahl vor Marine Le Pen mit großer Mehrheit zum neuen französischen Präsidenten. Dadurch wurde der „Schwarze Schwan“ in die Schranken verwiesen und ein Chaos in Europa vermieden, denn Le Pen wollte raus aus der EU und raus aus dem Euro. Die Weltbörsen atmen auf. Der Goldpreis bewegt sich trotz zunehmender Unsicherheiten nur seitwärts. Bitcoins hingehen erreichen ein neues Allzeithoch.

Die Europa-Politiker waren über den glasklaren Wahlsieg am 7. Mai hocherfreut und sie gratulierten alle dem parteilosen Macron zum Wahlsieg. Denn ein Wahlsieg der rechtspopulistischen Le Pen („Front National“) hätte zur Spaltung in Europa führen können. Auch ein Hackerangriff auf die E-Mail-Konten von Macron konnte den deutlichen Wahlsieg nicht verhindern, wobei hier wiederum russische Hacker vermutet werden, was der russische Präsident Wladimir Putin jedoch von sich weist. In der Hauptstadt Paris wählten sogar mehr als 90 Prozent der Wähler Macron zum Präsidenten.

Dennoch steht Macron jetzt vor großen Herausforderungen und es ist nicht sicher, ob er den hohen Erwartungen gerecht werden kann. Zunächst muss Macron eine Regierung bilden, hinter der dann das Parlament steht. Dann muss er seine Bewegung „En Marche“ zu einer Partei formieren, um auch bei den Parlamentswahlen im Juni eine Mehrheit zu bekommen. Nach der Wahl ist für Macron also vor der Wahl, nämlich der Parlamentswahl im Juni, wo er ein weiteres Mal mit seiner dann neu geschaffenen Partei überzeugen muss.

„Demokratische Revolution“ in Frankreich

Früher gab es bei den Franzosen nur die Wahl zwischen den Konservativen und den Sozialisten. Eine Große Koalition“ wie in Deutschland zwischen den beiden Volksparteien CDU/CSU und SPD wäre in Frankreich undenkbar. Aber schon die Tatsache, dass es kein Vertreter dieser Parteien bei der Präsidentschaftswahl in die Stichwahl am 7. Mai schaffte, ist wie eine „demokratischen Revolution“ der mit der Politik mehrheitlich unzufriedenen Bevölkerung in Frankreich.

Das Land ist – übrigens ebenso wie in den USA – gespalten in ein Lager der unzufriedenen Anti-Europäer und ein Lager der unzufriedenen Pro-Europäer, wobei die unzufriedenen Pro-Europäer die Wahl nun klar gewonnen haben. Aber unzufrieden sind die meisten Franzosen mit den „etablierten Politikern der etablieren Parteien“ bzw. mit dem „Establishment“. Das gleiche Phänomen gibt es jetzt in vielen Ländern der Welt – in den USA ebenfalls. Das stellt auch neue Herausforderungen für die etablierten Parteien in den gestandenen westlichen Demokratien.

Macron will ein anderes Europa als manche deutsche Politiker

Neben der großen Herausforderung, sich politisch in Frankreich durchzusetzen, muss Macron den nicht ganz einfachen Dialog mit Deutschland aufnehmen. Spannungen und unterschiedliche Auffassungen von einem gemeinsamen Europa sind hier vorprogrammiert, zumindest wenn er sein Wahlprogramm umsetzen will. Denn Macron ist für eine Vergemeinschaftung der Schulden in Europa und für einen europäischen Finanzminister, der das Sagen über den Haushalt hat. Das aber will kaum einer in der deutschen Bundesregierung. Zudem muss er seine Bewegung „En Marche“ nun zu einer Partei machen und eigene Kandidaten für die Parlamentswahl im Juni aufstellen. Die rechtspopulistische AfD in Deutschland macht gerade durch, wie schwierig es ist, verschieden denkende Lager zusammenzubringen. So kann es gut sein, dass Macron ab Juni eine sehr starke Opposition haben wird, zu der dann auch der „Front National“ um Le Pen zählt. Kann Macron das gespaltene Land dann einen?

Macron muss schon bald „liefern“, aber wie?

Das wichtigste für Frankreich und für Europa ist, dass Macron seine wirtschaftlichen und sozialen Hausaufgaben macht und das wird schwierig genug sein. Für Frankreich wird in diesem Jahr ein Wachstum des Bruttosozialprodukts (BSP) von 1,4 Prozent erwartet. Aber die Staatsverschuldung ist mit 96 Prozent des BSP schon viel zu hoch, sodass es kaum Spielraim für kostenintensive Konjunkturprogramme oder höhere Staatsausgaben gibt. Dennoch will er mehr Geld für die innere Sicherheit, vor allem die Polizei, und für die Bildung. Nur wie soll das finanziert werden? Hier wird Macron schon bald vor ähnlichen Problemen stehen wie Donald Trump in den USA bei seiner gewagten Steuerreform.

Die wirtschaftliche Komponente hängt auch stark zusammen mit der sozialen Komponente. So ist die Arbeitslosenquote in Frankreich mit 10 Prozent viel zu hoch. In Deutschland beträgt sie nur 5,6 Prozent. Die Jugendarbeitslosquote beträgt sogar 25 Prozent. Das Migrationsproblem ist in Frankreich auch ohne die neue Einwanderungswelle durch die Flüchtlinge infolge des Syrien-Irak-Kriegs wesentlich größer als in Deutschland. In einigen Vororten von Großstädten, die von Ausländern dominiert werden, trauen sich kaum mehr „weiße Franzosen“ und es gibt dort immer mehr bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen mit der Polizei, auch am Wahlabend.

Tickende Zeitbomben erschweren das Savoir-vivre – auch nach dem Wahlsieg

Zudem ist Frankreich immer noch ein großes Agrarland und hier können besonders die Milcherzeuger kaum von den Einnahmen leben. Es herrscht also vielerorts ein Überlebenskampf in der „Grand Nation“, wo das Savoir-vivre – die Kunst, das Leben zu genießen – schwer fällt. Auch hier kann Macron so schnell keine Wunder vollbringen. Zudem sind die Lohnstückkosten in Frankreich viel höher als in Deutschland, womit die Industrie nicht mehr so wettbewerbsfähig ist. Wenn aber das Experiment „Macron“ nicht gelingt, wird sich „Le Pen“ wieder melden und dann mit mehr Macht und Schwung als je zuvor. Fazit: Für Macron ticken in Zukunft im Hintergrund drei Zeitbomben: erstens die zu hohe Staatsverschuldung, zweitens die zu hohe Jugendarbeitslosigkeit und drittens das Migrationsproblem und damit verbunden auch die anhaltende Terrorgefahr in Frankreich.

Börsen reagieren erleichtert auf Macrons Wahlsieg

Die Börsen haben den Wahlsieg von Macron mit Erleichterung aufgenommen. Ein Wahlsieg von Le Pen wäre ein Schwarzer Schwan (Black swan) für die Weltbörsen gewesen. Dennoch gaben die Kurse am 8. Mai in Deutschland und auch an der Wall Street leicht nach – nach dem Motto „sell on good news“. Auf den Wahlsieg von Macron wurde jedoch schon in der Vorwoche erfolgreich gewettet, wie die steigenden Kurse sowohl in Deutschland als auch an der Wall Street neue Allzeithochs erreicht haben. Der deutsche Leitindex Dax konnte seit Jahresbeginn schon mehr als 10 Prozent zulegen, was aber auch mit der „Erleichterungsrallye“ nach dem guten Abschneiden von Macron schon am ersten Wahltag im April zusammenhing.

Warschauer Börse besser als der Dax

Noch besser als der Dax schnitten die Aktien an der Warschauer Börse mit einem Plus von mehr als 20 Prozent in diesem Jahr ab, wobei auch dort die Kurse am 8. Mai etwas nachgaben. So kam es aber am 8. Mai zu leichten Gewinnmitnahmen bei den meisten Weltbörsen. Nur die Moskauer Börse konnte an dem Tag etwas zulegen. Allerdings gehörte sie in der Vorwoche aufgrund des stark gefallenen Ölpreises zu den Verlierern.

Bitcoins teurer als Gold

Gold konnte von den ganzen politischen Unsicherheiten nicht sonderlich profitieren. Gold tendierte am 8. Mai nur seitwärts bei 1.227 US-Dollar/Feinunze, nachdem dem es in den beiden Vorwochen erheblich an Wert verlor. Innerhalb eines Jahres gab der Goldpreis um 3,4 Prozent, in drei Jahren um 5,2 Prozent und in fünf Jahren sogar um 24 Prozent nach. Dafür stieg der Wert von Bitcoins um mehr als 30 Prozent in einem Monat auf ein neues Allzeithoch von 1.470 Euro. Damit sind Bitcoins jetzt wesentlich mehr wert sind als Gold. Die Kurse dieser Kryptowährung schwanken jedoch sehr.

(Andreas Männicke)


 


 

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