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Wall Street: größter Kurseinbruch nach dem Brexit

In den USA sind Anleger verunsichert, Zinsängste sorgen für Kurskorrekturen an der Börse. Der Dow Jones Industrial Index (DJI) erlitt mit minus 2,26 Prozent den größten Kurseinbruch nach dem Brexit. Die Notenbanken sind derzeit ratlos. Jetzt beginnt der „heiße Herbst“. Die Moskauer Börse bleibt top.

An der Börse ist es nicht immer einfach, die Wendepunkte von Trends rechtzeitig zu erkennen. Aber es gibt berechtigte Sorgen, dass der 9. September einen Wendepunkt an der Wall Street einläuten könnte. Anlass für den Kurseinbruch war eine Kleinigkeit, nämlich die Äußerung des regionalen Notenbankers von Boston, Eric Rosengren, der vor einer zu langsamen Straffung der geldpolitischen Entscheidungen warnte. Zudem wurde negativ aufgenommen, dass die Europäische Zentralbank EZB keine weiteren Maßnahmen am 8. September beschlossen hatte und die Zinsen unverändert bei null beließ. In Deutschland schlugen auch die schwachen Exportdaten auf die Stimmung.

So gab der Dow Jones Industrial Index (DJI) am 9. September um 2,13 Prozent auf 10.885 Indexpunkte nach und der X-Dax nachbörslich um 1,82 Prozent auf 10.486 Indexpunkte. Da die Aktienkurse jetzt demnächst in ein chart-technisches Loch fallen, kann es in den nächsten Wochen sogar zu einem Mini-Crash kommen, sobald der Dax 10.400 Indexpunkte unterschritten hat bzw. der DJI 18.000 Indexpunkte.

Der Anfang vom Ende der Aktienrallye?

Nachdem die Kurse an der Wall Street seit über einem Monat keine neuen Höchstkurse mehr erreicht haben und die Kurse auch im August nur seitwärts tendierten, fragen sich die Anleger, ob sich der fünfjährige Bullenmarkt nun dem Ende entgegen neigt. Die Börsenexperten George Soros und Marc Faber warnen sogar, dass die expansive Geldpolitik der Notenbanken und die Zinsmanipulation zu Blasenbildungen und einen Börsen-Crash noch in diesem Jahr führen könnten. Die Monate September und Oktober waren schon oft der Ausgangspunkt für stärkere Kurseinbrüche an der Börse. War der 9. September also der Anfang vom Ende des Bullenmarkts? Die Marktechnik ist jetzt brisant und es gibt eine Reihe kritische Marken und „rote Linien“, die Anleger beachten sollten.

Der Anfang vom Ende der glaubhaften Notenbankpolitik?

Sind die Notenbanken jetzt also mit ihrem Latein am Ende? Die US-Notenbank Fed will die Zinsen erhöhen, die Europäischen Zentralbank EZB und die japanische Notenbank wollen die Zinsen lange Zeit niedrig halten; die englische Notenbank will die Zinsen senken. Was aber können die Notenbanken damit bewirken? Das Inflationsziel von 2 Prozent wurde trotz jahrelangen Gelddruckens von keiner dieser Notenbanken erreicht. Das Fed-Mitglied John Williams, Notenbankchef aus San Francisco, fordert jetzt schon ein Inflationsziel von 4 Prozent, damit überhaupt etwas in diese Richtung passiere. In den USA, Japan und Europa liegen die Inflationsraten alle unter 1 Prozent, in Europa bei 0,2 Prozent.

Es scheint so, dass die Geldpolitik der Notenbanken zwar bisher eine Depression und weltweite Rezession verhindert hat, aber auch keine strukturellen Probleme gelöst hat. Das Wachstum ist in den USA, Japan und in Europa weiterhin weit unterdurchschnittlich, die Verschuldung aber weit überdurchschnittlich. Als Ultima Ratio könnten Fed und EZB noch Aktien kaufen. Das würde allerdings auch nur eine weitere Manipulation der Märkte bedeuten, die letztendlich im Eklat enden wird.

Es stellt sich ohnehin die Frage: Wer kontrolliert die Notenbanken und dürfen Notenbank wirklich alles machen? Die Folgen der expansiven Bevölkerung wird irgendwann die Bevölkerung zu tragen haben, wobei die Ursache kritik-immune Notenbank-Bürokraten sind, die auch nicht immer wissen, was ratsam ist.

Klar ist, dass wir eine gewaltige Anleihen-Blase haben und zwar nicht nur bei Staatsanleihen, sondern auch bei Unternehmensanleihen. Zunächst ist aber klar erkennbar, dass die Ausgabe von Anleihen mit negativen Zinsen, was für sich betrachtet schon eine Absurdität ist, nicht nur Banken, Bausparkassen, Versicherungen und Pensionskassen früher oder später in den Ruin führen wird, sondern dass es irgendwann auch zu einem gewaltigen Anleihen-Crash kommen wird, wenn die Inflationsraten dann tatsächlich kräftig ansteigen sollten oder die Notenbanken ihre extrem expansive und anormale Geldpolitik aufgeben. Sprich: Der Schritt „back to the roots“, also die Aufgabe der Drogenpolitik der Notenbanken mit gedopten und manipulierten Märkten bzw. der Schritt zur Normalität, den die Fed gerade versucht zu gehen, ist extrem gefährlich und hat auch Risiken und Nebenwirkungen. Wie darauf die Weltbörsen reagieren werden, kann man nur erahnen.

Die Notenbanken spielen ohnehin nur auf Zeit und hoffen auf strukturelle Reformen der Politiker, die dann auch nachhaltiges Wachstum bringen. Es wird jetzt wohl wieder die Zeit der Konjunkturprogramme kommen (müssen), die dann allerdings wiederum die Verschuldung weiter erhöhen werden. Ein Teufelskreis.

Der Anfang vom Ende der Demokratien und stabilen Regierungen?

Die Anleger sind nicht nur besorgt um die wirtschaftliche Verfassung, sondern auch um die Stimmung im Land, die „Elite-Politiker“ und die Demokratien. So kommt es in vielen Ländern immer mehr zu Zweiteilungen und Spaltungsprozessen. In den USA gibt es schon lange keinen prosperierenden Mittelstand mehr so wie in Deutschland. Es gibt nur einige Großkonzerne und Global Player, denen es noch ganz gut geht und die über Aktien-Rückkaufprogramme den Aktienmarkt künstlich oben halten, aber wie lange noch? Die politischen Eliten werden reihenweise abgestraft durch eine Zunahme unzufriedener Bürger, wobei die Gründe für die Unzufriedenheit vielfältig sind. In Europa bekommen rechtspopulistische Parteien immer mehr Zulauf und Unterstützung.

In letzter Konsequenz kann dies dazu führen, dass es keine starken Autoritäten und Führungspersönlichkeiten mehr gibt, die das Volk hinter sich bringen können. Es kann auch zu Patt-Situationen kommen, die ein Land unregierbar machen – wie zurzeit in Spanien. Wenn viele kleine Parteien in das Parlament kommen, droht die Gefahr der Zersplitterung und schwierigen Koalition-Bildungen. Dies kann in Anbetracht der großen Herausforderungen, vor denen wir stehen, sehr gefährlich sein und in letzter Instanz auch zum Krieg oder dem Ruf nach einem starken Mann führen, was auch ein Weltkrieg bedeuten kann. Über die Hälfte der Bevölkerung wird nicht mitgenommen, was gefährlich ist. Dabei geht es den Unternehmen in Deutschland recht gut, was aber kaum wahrgenommen und ignoriert wird, weil dies „unten“ beim kleinen Mann nicht ankommt. Das Problem der Altersarmut ist schon jetzt evident.

Der Anfang vom Ende der Vision Europa?

Ist dies der Anfang vom Ende der europäischen Vision? Dies fragte man sich schon nach dem Brexit, wobei der Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union noch nicht einmal formell beantragt wurde. Unverkennbar sind aber die Zerfallprozesse in Europa, wobei die Migrationswelle nur ein wesentlicher Faktor ist. Schon gibt es Gerüchte, dass die Migrationswelle in Europa von den USA ganz gezielt als „Waffe“ zur Schwächung Europas imitiert wurde. Osteuropa lehnt deutlich erkennbar die Aufnahme arabischer Flüchtlinge ab. Und dabei wird es auch bleiben, denn dort ist die Angst vor einer Islamisierung der Gesellschaft besonders ausgeprägt, obwohl der Anteil der Moslems dort noch sehr gering ist, ebenso wie in Ost-Deutschland.

Aber nicht nur die drohende Islamsierung wird zunehmend zu einem europäischen Thema, sondern auch die strukturelle Arbeitslosigkeit von Jugendlichen in südeuropäischen Ländern. Schließlich ist auch die Arbeits- und Hoffnungslosigkeit jugendlicher Moslems ein möglicher Auslöser, zum IS-Krieger zu werden, womit die Terrorgefahr zunimmt.

Alles das, was Frankreich – relativ erfolglos – hinter sich hat, hat Deutschland nun vor sich. Die Integration von hunderttausenden arabischen Jugendlichen, oft mit geringer Ausbildung, wird eine Herkulesaufgabe, die nur dann zu schaffen ist, wenn es der Wirtschaft weiterhin sehr gut geht und sehr viel mehr Geld in die Hand genommen wird. Im Falle einer Rezession werden sich die Probleme verschärfen, was Jugendkriminalität, Macho-Gehabe und sexuelle Übergriffe der männlichen arabischen Jugendlichen angeht.

Der Anfang vom Ende Angela Merkels als Bundeskanzlerin?

Ist dies der Anfang vom Ende der  Kanzlerschaft von Angela Merkel? Dies fragt man sich (nicht erst) seit dem Wahlsieg der AfD in Mecklenburg-Vorpommern, wo die rechtspopulistische Partei erstmals mehr Stimmen erzielte als die CDU. Die CSU macht jetzt ordentlich Druck, damit Angela Merkel mehr auf das Volk hört. Wer aber ist das Volk? Eine Mehrheit hat die AfD nirgendwo. Auch hier ist Angela Merkel wegen der Flüchtlingspolitik auf dem absteigenden Ast, der bald zu brechen droht. Es besteht auch hier die Gefahr, dass bei der nächsten Bundestagswahl im nächsten Jahr 6 bis 7 Parteien in den Bundestag kommen, also CDU und CSU (als eigenständige bundesweite Partei?), SPD, die Linken, die Grünen, die FDP (?) und die AfD, die mit nur knappen Mehrheiten eine mehrfarbige unstabile Regierungskoalition bilden könnten. Dies würde dann erschweren, wichtige Reformen schnell durchzuführen. Das Schlimmste wäre eine dauerhafte Patt-Situationen wie in Spanien oder italienische Chaos-Verhältnisse oder gar Weimarer Verhältnisse, wobei wir alle noch wissen, was daraus wurde. Die etablierten Parteien verlieren in vielen Ländern an Stimmen und die stimmlosen unzufriedenen Protestwähler nehmen weiter zu. Dies kann in einer Demokratie-Krise enden, denn ein Großteil des Volkes fühlt sich in der Regierung und auch in der eigenen Partei nicht mehr vertreten.


 


 

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