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Auswanderermuseum Hamburg

Ballinstadt: feierliche Wiedereröffnung nach Umbau

Nach mehrwöchigem Umbau wurde das Auswanderermuseum Ballinstadt Hamburg am 14. Mai 2016 mit neuem Ausstellungskonzept wiedereröffnet. Rund 200 Vertreter aus Kultur, Wirtschaft und Politik feierten am Vorabend die gelungene Weiterentwicklung des Museums auf der Elbinsel Veddel. Prominente Gastredner waren Staatsministerin Aydan Özoğuz und der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg Olaf Scholz.

Die Aussicht auf Arbeit und Lohn und die Hoffnung auf ein besseres Leben sind seit Jahrhunderten Gründe für Menschen, ihre Heimat verlassen. Die neue Hauptausstellung des Museums zeigt die europäische Ein- und Auswandergeschichte über vier Epochen hinweg und schlägt eine Brücke zur aktuellen Thematik der Migration. „Das Auswanderermuseum Ballinstadt hat mit ‚Welt in Bewegung‘ ein kluges und mutiges Konzept gewählt. Orte wie dieses Museum sind wichtig für das Verständnis von historischen Entwicklungen, Identitäten und dem, was Heimat genannt wird“, sagte Olaf Scholz in seiner Eröffnungsrede.

Im Anschluss sprach Staatsministerin Aydan Özoğuz über Migration als Normalfall der Geschichte. Deutschland sei fast immer Aus- und Einwanderungsland gewesen. „Noch nie hat Migration das deutsche Staatsgebilde in seinem Grundwesen erschüttert. Im Gegenteil: Staat, Wirtschaft und Gesellschaft haben von Migration und Einwanderung profitiert. Und wenn man das auf heute bezieht, kann man sagen: Wir haben keinen Grund ängstlich zu sein.“

Die Neukonzipierung der Ausstellung erläuterte Jens Nitschke, Direktor der Ballinstadt. Für diese hatte die Ballinstadt in den vergangenen Jahren mit Partnern weltweit geforscht und zusammengearbeitet. So war auch das Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) durch Dr. Ulrike Hamann vertreten. Ihr Kurzvortragsthema war die Bedeutung von Migration als Motor für das Wachstum von Städten. Prof. Dr. Jochen Oltmer sprach für das Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien der Universität Osnabrück. Er erinnerte daran, dass Migration hierzulande erst seit wenigen Jahren gesellschaftlich diskutiert werde. Die Migrationsforschung in Deutschland könne man im Vergleich zu anderen Ländern als „schwach“ bezeichnen. Umso wichtiger sei wiederum die Forschung in der Ballinstadt. Als für Vertreter der Sponsoren hielt Ulf Bauer, Vice President Corporate Communications & External Affairs bei der Aurubis AG die Grußworte.

BallinStadt als öffentlich-private Partnerschaft

Seit der Eröffnung des auf einer öffentlich-privaten Partnerschaft basierenden Auswanderermuseums im Juli 2007 kamen etwa 900.000 Besucher. Das sei eine Erfolgsgeschichte, sagte Volker Reimers, Geschäftsführer der Ballinstadt. Bereits seit einigen Jahren habe es die Idee der Weiterentwicklung der Ausstellungsinhalte gegeben. Anfang 2016 wurde der zwischen der Stadt Hamburg und der Betriebsgesellschaft Ballinstadt bestehende Betreibervertrag um weitere 10 Jahre verlängert und die Weichen für den Umbau waren gestellt. Insgesamt hat sich die Ausstellung von 2.000 Quadratmeter auf 2.500 Quadratmeter vergrößert. Die Investitionskosten für die Erweiterung lagen bei rund 900.000 Euro. Die Stadt Hamburg hat davon 500.000 Euro übernommen. Die Restsumme von insgesamt 400.000 Euro haben die privaten Sponsoren Aurubis AG, Hamburger Feuerkasse und ancestry.de sowie die Muttergesellschaft der Ballinstadt, die Leisureworkgroup beigesteuert. In nur fünf Wochen Umbauzeit wurde die Ausstellung erneuert.

Aufbruch, Träume, Hoffnung

Über die Auswandererstadt sind zwischen 1850 und 1939 etwa fünf Millionen Menschen emigriert. Das war bis zum Umbau thematischer Schwerpunkt des Museums. Die drei Auswandererhallen, originalgetreu rekonstruierte Wohn- und Schlafpavillons auf dem Gelände der historischen Stätte, haben sich, von außen betrachtet, mit dem Umbau nicht verändert. In den Backsteinhallen tauchen die Museumsbesucher nun neu ein in vier Epochen globaler Migrationsgeschichte. Sie begleiten auswandernde Menschen mit all ihren Wünschen und Träumen, die diese auf ihren Weg in eine neue Heimat mitnahmen. „Für unsere neue Ausstellung haben wir viele hunderte Briefe und Zitate von Auswanderern, die uns von Partnern weltweit zur Verfügung gestellt wurden, gelesen. Und dabei ist deutlich geworden: Über die Jahrhunderte ist allen Träumen und Hoffnungen eines gemeinsam – sie sind zeitlos“, so Jens Nitschke, Direktor der Ballinstadt.

„Menschen wandern, seitdem sie leben“ ist in der  Hauptausstellung in Haus 2 zu lesen. Die Ausstellungsstelen führen in die Geschichte der Migration vom 16. Jahrhundert bis heute ein. Das ist zugleich der rote Faden der umfangreichen Ausstellung zur Geschichte der „Welt in Bewegung“, die auch eine Welt des Unbekannten ist. Ob als britischer Pilger im Amerika des 17. Jahrhunderts, als indischer Vertragsarbeiter im Afrika des 19. Jahrhunderts, oder als türkischer „Gastarbeiter“ im Deutschland der Nachkriegszeit – ein unbekanntes Land mit unbekannten Menschen fordert Mut und Tatendrang der Auswanderer. In 14 Themenräumen der Hauptausstellung sind die Museumsbesucher eingeladen, diese Begegnungen mit dem Unbekannten nachzuvollziehen und sich von Hoffnungen und Träumen mitnehmen zu lassen.

In Haus 3 des Museums begegnen die Besucher persönlichen und berührenden Geschichten von Ein- und Auswanderern aus der Vergangenheit und Gegenwart. Die „Lebenslinien“-Ausstellung umfasst zehn biographische Auszüge, darunter das Schicksal einer Frau, die in den 1980er- und 90er-Jahren von Afghanistan über Russland nach Deutschland flüchtete. Ein Blick in die Zukunft erlaubt der nachfolgende Projektraum zur Stadtentwicklung und Megacities, der etwa aktuelle Trends zu Bevölkerungsentwicklungen und die grundsätzliche Bedeutung von Migration für Städte thematisiert.

Familienforschung im Auswanderermuseum

Wo kommen wir her? Wer sind unsere Vorfahren? Diese Fragen beschäftigen viele Menschen. Wer mehr über die Emigrationsgeschichte der eigenen Familie herausfinden möchte, kann im Ancestry-Familienforschungszentrum der Ballinstadt kostenlos an Computerarbeitsplätzen in dem weltweit führenden Netzwerk genealogischer Datenbestände von Ancestry recherchieren. Dort stehen unter anderem die Hamburger Passagierlisten der Schiffe von 1850 bis 1934 zur Verfügung. Dank der damals üblichen Registrierung etwa von Geburtsort, Wohnort und Beruf der Emigranten steht ein großer Schatz für die Familienforschung zur Verfügung. In jahrelanger Arbeit hat das Staatsarchiv Hamburg die Daten digitalisiert und indexiert. Insgesamt wurden dabei 270.000 Images erstellt, die circa fünf Millionen Namenseinträge enthalten.

Die Nutzung des Familienforschungszentrums ist unabhängig von einem Besuch der Ballinstadt-Ausstellung. Umfangreichere Recherchen können vorab in Auftrag gegeben werden. Sponsor des frei zugängigen Forschungsbereichs ist das Portal ancestry.de. Genealogisch geschultes Personal hilft bei der Recherche und Stammbaumerstellung.

Ballinstadt – Das Auswanderermuseum Hamburg, Veddeler Bogen 2, 20539 Hamburg, Öffnungszeiten: April bis Oktober täglich 10 bis 18 Uhr, November bis März täglich 10 bis 16.30 Uhr. Eintrittspreise: Erwachsene 12,50 Euro (ermäßigt 10 Euro), Kinder (5-12 Jahre) 7 Euro, Familienkarte 26 Euro.

Mit der S-Bahn 3/31 ist die Ballinstadt vom Hauptbahnhof Hamburg bis zur Station „Veddel – BallinStadt“ in fünf Minuten zu erreichen. Wer den Museumsbesuch mit einer Hafenrundfahrt verbinden möchte, kann fahrplanmäßig mit der Barkasse der Maritime Circle Line ab Landungsbrücke 10 fahren und am Anleger Ballinstadt ein- und aussteigen.

(Redaktion)


 


 

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