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  • 10.11.2020, 08:48 Uhr
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  • Hamburg
Billbrookkreis

Wenn Konzepte auf der Strecke bleiben

Vor etwa fünf Jahren erstellte die Stadt Hamburg ein Handlungskonzept für das Industriegebiet Billbrook/Rothenburgsort. Es beinhaltete eine deutliche Umstrukturierung des zweitwichtigsten Wirtschaftsraums nach dem Hamburger Hafen. Was ist seitdem passiert? Bernhard Jurasch und Robert Meyer, Vorstände des Billbrookkreises, haben sich auf Spurensuche begeben: die Versprechen und die Fakten.

Oberstes Ziel des Handlungskonzepts war es, das Industrie- und Gewerbegebiet in wirtschaftlicher und ökologischer Hinsicht zukunftsfähig zu machen. Unter anderem sollte die optische Attraktivität des Quartiers erheblich verbessert werden, um bei neuen Firmen und Branchen für den Wirtschaftsraum unternehmerisches Interesse zu wecken und hochqualifizierte Arbeitskräfte anzuziehen. Prozesse und Abläufe sollten wirtschaftlicher und ökologischer praktiziert werden. Es sollten zudem Verbesserungen der Verkehrswege auf den Straßen- und Wasserwegen angestrebt werden. Eine Vielzahl an ansässigen Betrieben hat zu der Konzeption beigetragen. Bei vielen Unternehmen wurden hoffnungsvolle Erwartungen geweckt! Anlässlich eines Treffens des Billbrookkreises verkündete der damalige Senator für Inneres, Michael Neumann, dass die für die Transformation notwendigen finanziellen Mittel über einen längeren Zeitraum fließen würden. Sollte Hamburg seinerzeit die Olympischen Spiele nicht ausrichten, kämen diese Mittel umso früher zum Einsatz.

BILLBROOKKREIS
Der Billbrookkreis e. V. ist ein Zusammenschluss von Unternehmern am Industriestandort Billbrook/Rothenburgsort. Der 1997 gegründete Verein versteht sich als Initiative zur Förderung guter Nachbarschaft von Geschäftsleuten und Interessenvertretung der Mitgliedsunternehmen. Ziel ist es, Impulse für den Industriestandort zu setzen, um diesen attraktiv und modern für die Unternehmen zu erhalten bzw. zu erneuern. Dabei steht der Billbrookkreis im kontinuierlichen Austausch mit Politik, Behörden und Verbänden. Weitere Information: www.billbrookreis.de

Was ist aus diesen Plänen geworden?

Seitens des Vorstands hat es eine Vielzahl an Gesprächen mit Vertretern der Stadt gegeben. Gegenüber den Behörden kann sich der Vorstand über wohlwollende Unterstützung nicht beklagen. Der Billbrookkreis wurde wiederholt dazu aufgefordert, Druck auf die politischen Entscheidungsträger auszuüben. Am 3. Februar 2020, kurz vor der Hamburger Landtagswahl, hatte der Billbrookkreis alle im Parlament vertretenen Parteien zu einer politischen Diskussion im Hotel Böttcherhof eingeladen. Ziel der Veranstaltung war es, die Wünsche der Mitglieder und des Vorstands des Billbrookkreises mit den politischen Vertretern zu diskutieren und zu erörtern. Zumindest findet sich das Gebiet Billbrook im neuen Koalitionsvertrag der rot-grünen Koalition wieder.

Es fanden intensive Gespräche und Diskussionen unter anderem mit dem ehemaligen Staatsrat und Industriekoordinator Dr. Torsten Sevecke statt. Dieser versprach etwa konsequentes Vorgehen insbesondere in der Billstraße. Leider ist aus diesen Zusagen nichts geworden. Seinen Posten hat mit der neuen Legislaturperiode der vormals langjährige Verkehrsstaatsrat Andreas Riekhof übernommen. Es bleibt zu hoffen, dass Riekhof sich verstärkt für die Belange der Unternehmen im Industriegebiet einsetzt. Das wird auch in Zukunft eines der wichtigsten Anliegen des Billbrookkreises sein.

Mit den zuständigen Fachabteilungen aus dem Bezirk Mitte des Bezirksamtsleiters Falko Droßmann sind diesbezüglich mehrfach Gespräche geführt worden. Auch hier warten wir noch auf den „großen Wurf“ für das Industriegebiet. Der Billbrookkreis-Vorstand hat im August und September dieses Jahres mit den Fraktionsvorsitzenden der SPD, der CDU und den Grünen Gespräche über den Industriestandort geführt. Die anderen Fraktionen beziehungsweise Parteien in der Bürgerschaft haben auf unsere Gesprächsanfragen nicht reagiert.

Dirk Kienscherf, SPD-Fraktionschef, hat sich alle bekannten und erneut vorgetragenen Wünsche und Forderungen des Billbrookkreises in einem langen Gespräch angehört und diskutiert. Hierbei war das „Handlungskonzept Billbrook“ von großer Bedeutung. Von Seiten der SPD kamen gezielte Nachfragen zu einzelnen Gesprächsfeldern. Ein weiteres Treffen Anfang nächsten Jahres wurde mit Herrn Kienscherf vereinbart, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen.

Dennis Thering, CDU-Fraktionschef, hat sich genügend Zeit genommen, um sich aufzeigen zu lassen, wo die Problemstellungen im Industriegebiet liegen. Das „Handlungskonzept Billbrook“, was fertig ist, aber noch nicht vom Senat verabschiedet, war auch in diesem Gespräch ein wesentliches Thema.

„Das Handlungskonzept soll als Leitlinie dienen für mögliche Maßnahmen.“
Robert Meyer, Vorstand Billbrookkreis

Ein umfangreiches und konstruktives Gespräch gab es mit Dominik Lorenzen, Fraktionschef der Grünen. Die vielschichtigen Aufgabenstellungen im Industriegebiet wurden intensiv erörtert und konkret nach Lösungsansätzen gesucht und diskutiert. Eine weitere Gesprächsrunde wurde vereinbart, um mögliche Maßnahmen aus dem aktuellen Sachstand zu ergreifen. Das vorhandene Handlungskonzept für den Industriestandort soll eine Leitlinie dafür sein.

Allen Fraktionen verdeutlichte der Vorstand des Billbrookkreises, dass selbst die bemühtesten Mitarbeiter in den Fachabteilungen der verschiedenen Behörden an ihre Grenzen stoßen, wenn die politischen Entscheidungsträger nicht den politischen Auftrag und Willen in die zuständigen Behörden geben.

Die damaligen politischen Entscheidungsträger haben offensichtlich die Dringlichkeit von notwendigen Umstrukturierungen des Gebietes erkannt. Es beschleicht einen jedoch das Gefühl, dass es an der Bereitschaft zur Umsetzung fehlt. Zwar hat mit der Installierung von Ioki im Nahverkehr die Anbindung an den öffentlichen Verkehr eine Verbesserung ergeben, jedoch beschränken sich anscheinend alle weiteren Verbesserungen nur auf die Errichtung von Velorouten.

Die bekannte Tri-Modalität (Straße, Schiene, Wasser), mit der ökologisch und ökonomisch ein guter Einklang gefunden werden kann, wird extrem vernachlässigt. Der Moorfleeter Kanal beispielsweise verschlickt immer mehr. Vor zwanzig Jahren zuletzt ausgebaggert, bietet er den Kanalnutzern in absehbarer Zeit keine Möglichkeit mehr, Roh- und Fertigware per Schiff zu transportieren. Auch hier war der Billbrookkreis in die Gespräche mit der zuständigen Fachbehörde involviert. Die Position der Fachbehörde ist, um es freundlich auszudrücken, jedoch unverständlich.

„Es beschleicht einen das Gefühl, dass es an der Bereitschaft zur Umsetzung fehlt.“
Bernhard Jurasch, Erster Vorsitzender des Billbrookkreises

Ein Gesprächsangebot an die betroffenen Unternehmen und die zuständigen Behörden, bei dem versucht werden soll, eine machbare Lösung zu finden, fand nicht statt. Seit rund zwei Jahren existiert ein Kanalkonzept für Billbrook, das noch immer nicht final verabschiedet wurde und daher nicht öffentlich ist. Dabei könnte das Kanalkonzept möglicherweise eine Lösung für das Problem sein.

Wir wünschen uns politisch mutige Entscheidungen für den Industriestandort, denn nur so kann Billbrook/Rothenburgsort im digitalen Zeitalter zukunftsfähig und wettbewerbsfähig für die nächsten Jahrzehnte mit neuen und vorhandenen Industrien werden. So weitermachen? Das wird nicht reichen!

Der Beitrag ist erschienen in „der billbrooker 2020-02“, der Stadtteilzeitung von Billbrooker Unternehmen für Billbrooker Unternehmer. Die Redaktion von Business-on.de Hamburg dankt dem Billbrookkreis für diese Artikel-Übernahme.

(Bernhard Jurasch / Robert Meyer)


 


 

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