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Via Negativa – oder die Kunst des Weglassens

Dem Leitsatz „weniger ist mehr“ sollten wir alle wieder mehr Beachtung schenken, denn erst wenn Sie sich vom Überflüssigen befreit haben, können Sie durchstarten.

Viele Unternehmen, aber auch Mitarbeiter geht es gleich an: Sie rackern sich ab, sehen aber nicht den gewünschten Erfolg. Die Folge? Tag für Tag rennen sie schneller in ihrem Hamsterrad. Sie arbeiten länger, erhöhen die Termindichte und Anzahl der Projekte. Wohin soll das führen? Mehr Aufwand und mehr Ausgaben gleich mehr Erfolg? Falsch! Profis wissen: Nicht mehr, sondern weniger ist das Zauberwort. Die Kunst ist es, Unnötiges wegzulassen. Wie?

Gekonntes Nicht-tun

Michelangelo wurde der Sage nach gefragt, wie er es geschafft habe, den beeindruckenden David aus einem Marmorblock zu erschaffen. Seine überlieferte Antwort: „Ich habe alles, was nicht zu David gehört, weggeschlagen.“ Mark Twain war ähnlich abgeklärt: „Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Wörter weglassen.“
Dann ist ja alles klar, oder? Eben nicht! Weglassen klingt zwar leicht. Ist es aber nicht. Das weiß jeder, der schon mal einen Lebenslauf oder ein Unternehmensprofil geschrieben hat. Da heißt es: Diese Weiterbildung noch anfügen. Jene Qualifikation erwähnen. Vielleicht auch Grundschule oder Nebenprojekte? Sicher ist sicher! Schon ist das Schreiben überladen. Personaler oder Kunde schlagen die Hände über dem Kopf zusammen. Der Erfolg bleibt aus.

Wer aufsteigen will, muss Ballast abwerfen

Dem Leitsatz „weniger ist mehr“ sollten wir alle wieder mehr Beachtung schenken. Besonders im Marketing. Die Kunst, weniger – und nur das Richtige – zu tun, unterscheidet den blinden Aktionisten vom gelassenen Erfolgsmenschen. „Wir tun jetzt was … irgendwas.“ Diese Idee erscheint oft als letzter Ausweg. Ich behaupte: Weitergebracht hat sie noch keinen. Also, nehmen Sie sich Zeit, um zu entscheiden, was nicht getan werden muss: „Via Negativa“. 

Denken Sie zum Beispiel an Ihre Positionierung. Was macht Ihr Unternehmen aus? Was ist der Kern? Warum haben Sie es gegründet oder arbeiten dort? Und ganz wichtig: Was macht Ihr Produkt oder Ihre Dienstleitung für den Kunden interessant? Ein Maler mit „tollen Farben“? Reizt niemanden. Aber ein Maler, der einem die komplette Rechnung erlässt, sollte er nur einen Klecks hinterlassen! Das ist ein Gespräch am Stammtisch und einen genauen Blick wert. Erwähnter Maler hat alleine auf seine „Sauberkeitsgarantie“ gesetzt – keine Flyer, keine Akquise, keine Anzeigen, keine Plakatwände. Er hat alles weggelassen, was ihn nicht zum Erfolg geführt hat. Also: Finden Sie Ihre Sauberkeitsgarantie. Und lassen Sie alles andere weg.

„Aber das hab ich schon immer so gemacht!“

Doch die Via Negativa funktioniert nicht nur nach außen. Sondern auch nach innen. Gehen Sie Ihren Alltag Schritt für Schritt durch: Ist diese und jene Tätigkeit wirklich zielbringend? Ist meine Arbeitsweise nicht längst überholt? Gibt es eine Innovation, die diese Arbeit erleichtern kann? „Aber das hab ich schon immer so gemacht!“ Vorsicht! Dieser Satz ist Ihr neuer Feind. Seien Sie gnadenlos! Alles, was nicht effektiv ist, fliegt raus! Nehmen Sie sich Zeit dafür. Denn schon die Indianer wussten: Wenn dein Pferd tot ist, steig‘ ab! Da hilft weder eine stärkere Peitsche noch ein anderer Reiter.

Und das hilft wie?

Fällt das Unwichtige weg, ist der Blick auf das Wesentliche frei. Wie beim unbeliebten Bauchfett und dem Sixpack. Noch ein Beispiel gefällig? Nehmen wir moderne Erfolgsstorys: Mark Zuckerberg schaffte den Durchbruch mit einem digitalen Verzeichnis: „facebook“. Klarer Name, eindeutige Message, keine Schnörkel. Es wurden keine Anzeigen geschaltet, Nicht-Studenten waren anfangs nicht zugelassen. Das Produkt im Mittelpunkt. Boom. 

Auch Apple und dessen Mitbegründer Steve Jobs haben sich diesem Minimalismus verschrieben. Schwarzer Rollkragenpulli kombiniert mit Jeans wurde zum Markenzeichen des Visionärs. Keine Ablenkung. Konzentration auf das Wesentliche. Die Produkte von Apple zeichnen sich durch cleanes Design und intuitive usability aus. Keine Sticker auf der Hardware, keine komplizierten Wege in der Software. Darum schlagen sie ein. 

Von der Präsentation bis zum Design: Keine Grenzen beim Weglassen
Ich verspreche Ihnen: Verschlanken können Sie immer und überall! Ich zum Beispiel nutze bei meinen Präsentationen kein PowerPoint. Dafür werde ich oft komisch angeschaut. Vielleicht wäre es mit einfacher. Ohne dieses „betreute Lesen“ bin ich jedoch näher an meinen Zuhörern. Ich bekomme mehr Aufmerksamkeit von ihnen – und sie von mir. Der Effekt ist größer, weil ich das unnötige Drumherum weglasse.

Edle Möbeldesigns sind ein weiteres Erfolgsbeispiel. Je schlichter das Möbelstück, desto vielseitiger ist es. Die Designs der Eames sind legendär. Beliebt seit mehr als 50 Jahren. Weil sie den Fokus auf das Wesentliche gesetzt haben! Schlicht, hochqualitativ, elegant! Auf den Punkt. So viel wie nötig, so wenig wie möglich. 

Finden Sie zu Ihrer Via Negativa! 

Erst wenn Sie sich vom Überflüssigen befreit haben, können Sie durchstarten. Also überlegen Sie sich gründlich, was Sie im Alltag nach vorne bringt und was Sie abbremst. Letzterem wird der Gnadenschuss gegeben. Was bleibt, ist die volle Energie für Dinge, die Sie nach vorne katapultieren. Zu den Erfolgsmenschen!

(Roger Rankel)


 


 

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