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Erwarten wir noch einen Crash oder war er das schon?

Bewegung an den Weltbörsen: Die China-Abwertung und schwache Konjunkturaussichten in China machen Sorgen. Alexis Tsipras‘ Rücktritt macht den Weg frei für Neuwahlen am 20. September in Griechenland. Rohstoffe befinden sich im freien Fall. Der Dax bricht ein. Flash Crash auch in den USA. Gold hat sich nach einem Kurseinbruch nur leicht erholt.

Die Kurse an den Weltbörsen purzeln im August fast ohne Unterbrechung, so dass die Kursgewinne des Jahres dahinschmolzen. Nachdem das leidige Thema Griechenlandkrise in den Hintergrund trat, dominieren nun die Wachstumsaussichten in China die Weltbörsen. Die zweimalige Abwertung der chinesischen Währung Yuan (Renmimbi) um insgesamt 3 Prozent brachte den Stein ins Rollen. Am 21. August 2015 wurden bei vielen großen Weltbörsen wichtige Chartmarken nachhaltig durchbrochen, was den Kursabschwung verstärkte. Nun stellt sich die Frage. War das schon der Crash oder kommt der „richtige“ Crash noch?

Seit 2008 außergewöhnliche Maßnahmen der Notenbanken und Ausnamezustand im Finanzsektor

Ein Blick zurück auf das Jahr 2008: Erst rettete nach der Lehman-Brothers-Pleite, wo wir schon kurz vor einem System-Crash standen, der Staat die Banken und Versicherungen, was die Staatsverschuldung vieler Länder enorm erhöhte, dann retteten von 2009 bis jetzt die Notenbanken den Staat, indem sie Anleihen aufkauften. Diese teuflische Symbiose zwischen Staat und Banken besteht weiterhin. Beide können nicht ohne den Gegenpart auskommen, was nun auch wieder bei dem mehr politisch gewollten, aber ökonomisch unvernünftigen Griechenland-Deal zu beobachten war.

2008 war ein großer Schnitt in der Finanzwirtschaft. Die angekündigte erhöhte Kontrolle von Schattenbanken und Hedgefonds fand zwar bisher noch nicht statt; aber es gab eine neue „Drogenpolitik“ der Notenbanken, in die zuletzt auch der Chef der europäischen Zentralbank Mario Draghi mit Anleihenkäufen im Volumen von 70 Milliarden Euro im Monat einstieg. Draghi unterstütze außerdem die griechischen Banken mit Notkrediten im Volumen von mehr als 80 Milliarden Euro.

Griechenlandhilfe: null – Finanzhilfe für den europäischen Finanzsektor: 86 Milliarden Euro

Von der jetzt beschlossenen „Griechenlandhilfe“ der Europäischen Union (EU) im Volumen von 86 Milliarden Euro , bei der Internationale Währungsfonds ( IWF ) wegen der fehlenden Schuldentragfähigkeit Griechenlands nicht mehr mitmachen will, bekommt der griechische Bürger auf der Straße so gut wie gar nichts. Es ist ein Skandal, dass es keinen Investitionsfonds im Volumen von 86 Milliarden Euro gibt, sondern wieder nur eine „Kredithilfe“, die nur der Finanzwirtschaft dient und den Grexit in die Zukunft verschiebt. So etwas nennt man dann auch Konkursverschleppung auf hohem Niveau. Es ist ein Armutszeugnis für Europa.

Von den 86 Milliarden Euro sollen 54,1 Milliarden. Euro für den Schuldendienst, also den Tilgung- und Zinsverpflichtungen aufgewendet werden, 7 Milliarden Euro sind für weitere Zahlungsrückstände gedacht, weitere 7 Milliarden Euro dienen dem Aufbau von Reserven und 25 Milliarden Euro zur Rekapitalisierung der Banken. Aber wo bitte ist da Geld für die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit und für Investitionen bzw. Investitionshilfen? Sprich Griechenlandhilfe = null. Hilfe für die europäischen Finanzwirtschaft = 86 Milliarden Euro! Das ist ein Skandal, der einmal offen ausgesprochen und auch kritisiert werden muss. Dadurch erhöht sich die Verschuldung Griechenlands auf 200 Prozent des Bruttosozialprodukts (BSP), was ein weiterer Skandal ist. Es ist ganz klar, dass nun ein Schuldenschnitt für Griechenland bald folgen muss, den Finanzminister Schäuble aber gerne anders benannt haben will (mit Schuldenstreckung, keine Zinszahlung für viele Jahre, was einem Schuldenschnitt gleichkommt).

Mit dieser Verbalakrobatik befasst sich im Moment die Bundesregierung, was leider kein Sommertheater, sondern Realität ist. Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras eröffnet nun nach seinem formellen Rücktritt die Chance für Neuwahlen im Land am 20. September 2015. Man darf gespannt sein, wer dann so ein überschuldetes Griechenland weiter in eine rosige Zukunft führen möchte. Ich nehme an, es wird weiterhin Tsipras sein, wenn ihm auch schon 25 Parteimitglieder weggelaufen sind.

Fortsetzung der Drogenpolitik der Notenbanken kann zur Monsterwelle führen

Seit 2008 leben wir in dem unnormalen Zustand der außergewöhnlichen Maßnahmen der Notenbanken, die noch nicht beendet sind. Sie führten dazu, dass es 2009 zu keiner Depression und Weltwirtschaftskrise kam, aber der Zustand der Staaten sich durch die enorme Verschuldungen auch enorm verschlechtert hat. So muss man sich fragen, was die Notenbanken und Staaten beim nächsten großen Börsencrash und einer Weltwirtschaftskrise machen können. Einige Weltuntergangspropheten rechnen dann auch mit einem System-Crash, also mit einer Pleitewelle bei Banken und Großunternehmen oder sogar Staaten und dass dann nichts mehr geht und nichts mehr hilft. Es kann gut sein, dass nun eine zerstörerische Monsterwelle fast unbemerkt auf uns zukommen wird.

Im Januar 1990 brach der japanische Aktien-Index Nikkei 225 um fast die Hälfte von 40.000 auf 20.000 Indexpunkte ein und hat sich seitdem nur wieder auf etwa 20.000 Indexpunkte erholt. Er ist noch fast 50 Prozent von seinem Allzeit-Hoch entfernt. Dies zeigt, dass es nach einem Crash nicht immer zu einer Werterholung zum letzten Hoch kommen muss, wie es aber beim deutschen Aktien-Index Dax und den amerikanischen Aktien-Indices in den Jahren 2014/15 geschah. Am 21. August 2015 gab der Nikkei-Index besonders stark um 3,37 Prozent auf 19.019 Indexpunkte nach. Aber auch der Dax brach um 2,58 Prozent auf 10.000 Indexpunkte ein, die jetzt als wichtige Unterstützungslinie dienen. Gibt der Dax unter 10.000 Indexpunkte nach, kann der Dax schnell auf 9.500 Indexpunkte fallen, was dann schon in die Kategorie „Salami-Crash“ gehört. Für Charttechniker bedeutsam ist, dass damit auch die 200-Tageslinien klar durchbrochen wurden, was ein Verkaufssignal auslöste.

Aktienrückkaufprogramme und Firmenübernahmen stützen die Kurse in den USA künstlich

Die Kurse an der Wall Street wurden durch Aktienrückkaufprogramme im Volumen von mehr als 700 Milliarden US-Dollar lange Zeit künstlich oben gehalten. Im vergangenen Jahr betrug ihr Volumen sogar über 1 Billion US-Dollar. Alleine Apple hat ein Aktienrückkaufprogramm von 90 Milliarden US-Dollar angekündigt. Diese Maßnahmen halten zwar künstlich die Kurse oben und „schönen“ den Gewinn pro Aktie , also das Kurs-Gewinn-Verhältnis (jetzt bei 19 in den USA), aber das geht zu Lasten von Innovationen und realen Investitionen, die wiederum für nachhaltiges Wachstum wichtig sind.

Auch das Volumen der Firmenübernahmen hat mit 4,5 Billionen US-Dollar schon fast wieder das Niveau von 2007 erreicht, was alles Warnsignale sind. Wenn nun die amerikanische Notenbank Fed die Zinsen im Herbst/Winter tatsächlich erhöhen sollte, könnte dies ähnlich fatale Folgen haben wie die Zinsanhebung der Fed im Oktober 1987 nach mehrjähriger Zinspause. Der Nobelpreisträger und US-Ökonom Paul Krugman, der die Sparpolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel scharf kritisiert, glaubt im Fall einer Zinsanhebung in den USA an eine 10-jährige Rezession in den USA. Es gibt einige Anzeichen, dass sich die Situation wie 1987 und 2008 jetzt ähnelt auch der Kursanstieg beim Dax um 100 Prozent seit 2011, aber auch die Markttechnik.


 


 

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