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Erwarten wir noch einen Crash oder war er das schon?

Börsen-Crash in China, Griechenland und bei Metallen als Vorboten

Einen Börsen-Crash gab es schon zuvor in China beim chinesischen Aktien-Index Shanghai Composite Index mit einer Kursdrittelung von mehr als 5.000 auf nunmehr etwa 3.500 Indexpunkten seit dem 12. Juni 2015 und an der Athener Börse um über 20 Prozent nach der Wiedereröffnung nach fünfwöchiger Börsenschließung wegen der Kapitalflucht, der Kapitalverkehrskontrollen und der Grexit-Gefahren, also der Gefahr des Austritts Griechenlands aus dem Euro. Eine Baisse gibt es auch schon seit 2012 an den Rohstoffmärkten. Auch in diesem Jahr sind vor allem die Industriemetalle im Preis um 20 bis 40 Prozent in einem Jahr eingebrochen, was mehr an eine Deflation als eine Inflation erinnert. Der Bärmarkt bei den Rohstoffen setzt sich also fort. Allein der Brentölpreis brach seit Anfang Juni von 62 auf nunmehr 45 US-Dollar/ Barrel ein, was aber wie eine Steuersenkung wirkt, so dass der Konsum davon weltweit profitieren dürfte.

Gold nach Fünfjahrestief nur leicht erholt

Gold stieg zwar seit dem Fünfjahrestief von 1986 am 20. Juli nunmehr wieder auf 1.161 US-Dollar/Feinunze, befindet sich immer noch in einem intakten Abwärtstrend der vergangenen 3 Jahre, ebenso Silber, das sich seit Anfang August nur leicht von 14,4 auf 15,3 US-Dollar/Unze erholen konnte. Gold verlor seit August 2011 um 42 Prozent in der Spitze an Wert und Silber sogar über 70 Prozent, trotz aller Krisen, die es zwischenzeitlich gab. Eine der wichtigsten Gründe für den Wertverfall in US-Dollar sind die niedrigen Zinsen (teilweise negative Realzinsen) und die deflationären Tendenzen im Rohstoffsektor sowie der starke US-Dollar. Es gab zwar in diesem Jahr bei Goldmünzen starke Zukäufe vor allem in Deutschland und den USA (weniger in Frankeich), aber auch immer wieder starke Abflüsse bei den Gold-ETF (= Exchange Traded Funds) und auch Verkäufe über die Terminmärkte, was den Goldpreis drückte. Insgesamt ist die Goldpreisentwicklung in diesem Jahr in Anbetracht der vielen Krisen bisher enttäuschend. So konnte der Dax auch nach dem Mini-Crash am 21. August 2015 Gold in den vergangenen drei Jahren klar outperformen.

Kurseinbruch von 3 Prozent ist außergewöhnlich hoch, geschieht aber relativ oft

Ein Kurseinbruch von 3 Prozent an einem Tag wie auch am 21. August 2015, ist zwar außergewöhnlich hoch, geschieht aber dennoch immer wieder mal. Ich würde das bisher lieber als Flash-Crash bezeichnen, aber es kann jetzt ein Salami-Crash und auch ein „richtiger“ Weltbörsen-Crash werden. So gab es auch einen Flash-Crash bei Gold am 20. Juli 2015, wo der Goldpreis in wenigen Sekunden um 50 US-Dollar/Unze bzw. um 3 Prozent einbrach, was außergewöhnlich ist. Am 20. Juli brach der Goldpreis genau von 1.150 auf 1.086 US-Dollar/Feinunze ein, was auch ein neues Fünfjahrestief bedeutete. Dafür reichte schon eine außergewöhnlich große Order, wo Gold im Wert von 2,7 Milliarden US-Dollar verkauft wurde. Jetzt gelang in den vergangenen Tagen wieder die Kurserholung auf 1.161 US-Dollar/Feinunze.

Kettenreaktionen nach der Währungsabwertung in China bei Schwellenländern

Die Börsenkurse sind am 21. August 2015 sind an vielen Weltbörsen um etwa 3 Prozent eingebrochen, ebenso übrigens wie zu die chinesische Währung Yuan, die für den „Crash“ mitverantwortlich gemacht wird. Die Abwertung des Yuan führte zu einer Kettenreaktion von Abwertungen bei Schwellländerwährungen, am meisten bei der kasachischen Tenge um 20 Prozent, aber auch beim russischen Rubel um 8 Prozent, beim malaiischen Ringgit um 5,6 Prozent, beim mexikanischen Peso um 4,3 Prozent und der türkischen Lira um 4,5 Prozent, um nur einige zu nennen. Verstärkt wurde der Abwertungsdruck durch den starken gefallenen Ölpreis, der sich besonders negativ für Länder wie Russland, Kasachstan und Malaysia als Öl-Exporteure auswirkte.

Börsen-Crash am 21. August 2015 nicht vergleichbar mit früheren Börsen-Crashs, doch der „richtige“ Crash kann noch kommen

Von panikartigen Verkäufen konnte am 21. August (noch) nicht die Rede sein. Es war eher so, dass die Flash boys, also die Hochfrequenzhändler, aus London, Chicago und New York beim Unterschreiten von wichtigen Chartmarken den Kursabschwung mit großen Volumen über den Terminmarkt verstärkten. Mit dem Börsencrash von 1927, 1987, 1998, 2008, die viele noch in Erinnerung haben, hat dieser „Börsencrash“ am 21. August nichts zu tun, schon eher mit dem Flash Crash, aber er könnte ein wichtiger Vorbote für einen „richtigen Crash“ werden.

Gewisse Parallelen zu 1987 und 2008 erkennbar: Angst vor Zinserhöhung der Fed nimmt zu

Die Gründe für einen Börsen-Crash sind vielfältig, aber meistens geht dem Crash immer ein starker Kursanstieg in den Vorjahren voraus. Zudem kommt es zu einem Crash bei wichtigen Wirtschaftsdaten, die dann die Weltbörsen dominieren. 1987 waren es die Haushalts- und Handelsbilanzdefizite der USA, die immer größer wurden. Jetzt sind es die Währungsabwertungen in China und die Angst um Chinas zukünftiges Wachstum, wobei sich Daten hier noch verschlechtern können. Meistens kommt dann auch ein geopolitisches Ereignis von Bedeutung hinzu.

Im Moment droht gerade mal wieder Nord-Korea seinem Nachbarn Süd-Korea mit einem Krieg. Aber auch in der Ost-Ukraine kann es jederzeit wieder losgehen, wobei dann die Konfrontation zwischen den USA und Russland noch stärker werden könnte (Stichwort: „Kalter Krieg“). Schließlich gab es meistens auch einen wichtigen Zinsschritt der Fed nach oben nach einer langen Zinserhöhungspause so wie im Jahr 1987. Ob und wann die Fed die Zinsen erhöhen wird, ist noch unklar. Aber so ein Schritt könnte große Auswirkungen und Dominoeffekte haben wie zuletzt die Abwertung der chinesischen Währung um 3 Prozent.

Jeder Anleger sollte sich gegenwärtigen, dass fast jedes Industrieland überschuldet ist und steigende Zinsen zur Wachstumsbremse und Rezession führen können. Es gibt also gewisse Parallelen zu den Crashs 1987 und 2008 (Immobilienblase USA), aber bisher war der Crash auch vorher erkennbar. Vorwarnungen gab es schon durch den Crash in China und den Crash in Griechenland, sowie dem Bärmarkt an den Rohstoff-Märkten. Auch der Flash-Crash beim Bund-Future im Mai/Juni 2015 von 160 auf unter 150 war eine Vorwarnung.

Weitere „rote Linien“ jetzt genau beachten!

Der amerikanische Aktien-Index Dow Jones Industrial Index (DJI) brach am 21. August 2015 um 500 Indexpunkte ein, so wie es auch im Jahr 1987 passierte, nur ist der DJI in diesem Jahr wesentlich höher. Das war absehbar. Die Anleger können also durchaus von so einem Crash oder auch Mini-Crash profitieren. Weiter wichtige Chartmarken wie der Dax bei 10.000 Indexpunkten oder Dow Jones bei 16.300 Indexpunkten müssen nicht unbedingt halten. Dann werden wir noch wesentlich tiefere Kurse sehen. Rein charttechnisch hängt jetzt alles am seidenen Faden.

Es ticken einige Zeitbomben: die Kriegsandrohung von Nord-Korea, ein fortgesetzter Krieg in der Ost-Ukraine, Cyberkriege, Konfrontation der USA mit China und Russland, weitere Abwertungen der chinesischen Währung, schwache Konjunkturdaten aus den USA und China, deflationäre Tendenzen an den Rohstoffmärkten, aber auch eine Zinsanhebung der Fed sowie Schieflagen bei Schattenbanken und Hedgefonds. Somit kann der „richtige“ Crash oder eine nachhaltige Baisse noch bevorstehen, obwohl es auch zuvor zu deutlichen Kurserholungen kommen kann.

„Richtiger“ Börsen-Crash im Spätsommer/Herbst 2015?

Nach dem US-Investmentexperten Martin Armstrong kommt der große Staatsanleihen-Crash im Oktober 2015. Nach seinem Modell kommt es alle 8,6 Jahre zu einem Börsen-Crash. Nun endet auch das Sabbat-Jahr am 13. September 2015. Das vorherige Sabbat-Jahr endete am 29. September 2008. An dem Tag kam es zu dem größten Kurseinbruch beim DJI mit 777,7 Indexpunkten – nicht prozentual, sondern in Indexpunkten. Im Oktober 2008 brach die Wall Street infolge der Lehman-Brothers-Pleite noch mehr ein und die anderen Weltbörsen ebenfalls. Es herrschte ein Finanz-Chaos sondergleichen, von dem wir uns bis heute nicht richtig erholt haben.

Krise als Chance zum Neubeginn

Die Welt ist ohnedies aus den Fugen geraten. Ein neue tiefgreifende Krise, die noch größer sein könnte als die im Jahr 2008, kann auch eine Chance für einen Neubeginn sein. Sind Sie darauf gut vorbereitet?

Mein Credo ist: Weg von den Schulden (Bankenkrediten = Fremdkapital), hin zu Aktien (= Eigenkapital ) als bewertbares Risikokapital. Da müssen wir hinkommen – nach dem nächsten Anleihen-Crash, der kommen wird. Hier müssen hernach Venture-Capital- und Private-Equity-Gesellschaften steuerlich begünstigt werden, aber auch Langfrist-Anleger und Business Angel.

Staatsschulden sind neu zu bewerten und nicht mehr so risikolos wie zuvor angenommen. Die Risikoprämien müssen hier deutlich erhöht werden, sonst ist etwas faul im Finanzsystem. Mein Rat: Gehen Sie zunächst voll in Liquidität (oder short, in Osteuropa durch Cross- Hedging ) und später auf Schnäppchenjagd in Osteuropa.

(Redaktion)


 


 

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