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Branchen-Umfrage

Deutsche ITK-Branche setzt auf Industrie 4.0

Wie stark deutsche ITK-Unternehmen auf Industrie 4.0 setzen, zeigt eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, die auf der Cebit in Hannover vorgestellt wurde. Demnach arbeiten sechs von zehn Unternehmen an Angeboten für die digitalisierte Produktion. Jedes fünfte ITK-Unternehmen erwartet steigende Umsätze durch Industrie-4.0-Anwendungen. Der Digitalverband legt politische Handlungsempfehlungen vor.

Im Februar 2015 wurden 318 deutsche Unternehmen aus der Informationstechnologie- und Telekommunikationsbranche (ITK) ab drei Mitarbeitern hinsichtlich ihrer Entwicklung in Richtung Industrie 4.0 befragt. Dem Umfrage-Ergebnis zufolge bietet bereits knapp ein Drittel (31 Prozent) der deutschen ITK-Unternehmen Dienstleistungen und Produkte für Industrie 4.0 an. Ein weiteres Drittel (31 Prozent) plant solche Angebote. Insgesamt sechs von zehn ITK-Unternehmen (62 Prozent) arbeiten also an Industrie-4.0-Lösungen.

Bei einer ähnlichen Befragung vor zwei Jahren erklärten erst 10 Prozent der ITK-Unternehmen, dass sie bereits Industrie-4.0-Anwendungen im Portfolio haben, 13 Prozent hatten entsprechende Pläne. Die ITK-Unternehmen haben damit ihre Aktivitäten im Bereich Industrie 4.0 innerhalb von zwei Jahren fast verdreifacht. „Vor gerade einmal zwei Jahren war Industrie 4.0 für viele Unternehmen noch eine Zukunftsvision, jetzt ist das Thema im Geschäftsalltag angekommen“, sagte Martina Koederitz vom Bitkom-Präsidium. Rund jedes dritte Unternehmen mit eigenen Angeboten rund um Industrie 4.0 (31 Prozent) erhofft sich demnach von seinem Engagement steigende Umsätze, mehr als zwei Drittel (68 Prozent) gehen davon aus, die Umsätze dadurch halten zu können.

Der Begriff Industrie 4.0 steht für die vierte industrielle Revolution, in deren Verlauf die klassische Produktion mit dem Internet zusammenwächst. Dieser Prozess kann einer Studie des Digitalverbands zufolge in sechs volkswirtschaftlich zentralen Branchen – darunter Maschinen- und Anlagenbau, Elektrotechnik und chemische Industrie – bis 2025 für Produktivitätssteigerungen von 78,5 Milliarden Euro sorgen. ITK-Unternehmen leisten dazu einen wichtigen Beitrag: Sie liefern die Infrastruktur, das Prozess-Know-how, softwareintensive, eingebettete Systeme sowie Sicherheitslösungen für Industrie 4.0.

Entsprechend hoch schätzen die befragten Unternehmen die Bedeutung des Themas ein: 39 Prozent sind der Ansicht, dass Industrie 4.0 bereits ein wichtiges Geschäftsfeld für die ITK-Branche ist. 31 Prozent gehen davon aus, dass es in ein bis zwei Jahren relevant wird, 27 Prozent sagen, dass es drei bis vier Jahre dauert. „Industrie 4.0 hat sich zu einem zentralen Geschäftsfeld für die ITK-Branche entwickelt“, so Koederitz. Die Mehrheit der befragten Unternehmen (54 Prozent) ist zudem der Meinung, dass Deutschland international gut beim Thema Industrie 4.0 aufgestellt ist: 50 Prozent verorten die Bundesrepublik in der Spitzengruppe, 4 Prozent halten sie sogar für weltweit führend.

Öffentliche Förderung nicht ausreichend

Die ITK-Unternehmen sehen aber auch Herausforderungen: Neun von zehn (91 Prozent) halten die öffentliche Förderung für unzureichend. 82 Prozent finden, es mangelt an interdisziplinär ausgebildeten Fachkräften. Sechs von zehn Befragten (59 Prozent) sind der Ansicht, dass viele Fertigungsbetriebe noch zu zögerlich sind, was die Umsetzung von Industrie 4.0 angeht. Jeweils gut die Hälfte sagen, dass der unzureichende Breitbandausbau (55 Prozent) beziehungsweise die Angst vor Cyberspionage und Cyberattacken (51 Prozent) die Entwicklung von Industrie 4.0 bremsen. „Industrie 4.0 ist auf einem guten Weg, aber es gibt keinen Grund, sich auf dem Erreichten auszuruhen“, so Koederitz.

Politische Handlungsempfehlungen des Branchenverbands

Die wichtigsten Herausforderungen hat der Digitalverband in einem Papier mit politischen Handlungsempfehlungen zusammengefasst. Hohe Priorität haben dabei schnelle und verlässliche Internetverbindungen. „Für Industrie 4.0 brauchen wir ein flächendeckendes breitbandiges Internet mit einer hohen Verbindungsstabilität und geringen Latenzzeiten“, so Koederitz. Deshalb müsse der Gesetzgeber qualitätsgesicherte Netzwerkdienste ermöglichen. Zudem fordert der Verband einen modernen und international anschlussfähigen Ordnungsrahmen, in dem drängende Fragen rund um die Behandlung von Daten geklärt werden. Auch die Ausbildung von geeigneten Fachkräften müsse vorangetrieben werden, etwa durch die Einrichtung von Hybridstudiengängen.

(Redaktion)


 


 

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