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In Hamburg begegnet: Magdalena Kundtmann wünscht sich mehr Respekt für Bekleidung

Die Mode- und Bekleidungsbranche kennt Magdalena Kundtmann in allen Facetten. Sie berät Produzenten von der Idee bis zur Auslieferung, führt mit Dokk 4 ihre eigene Kollektion und hat ein spezielles Blusenmodell für Frauen nach der Brustkrebsoperation entwickelt. Als Dozentin lehrt sie „Respekt vor der Bekleidung“.

Am Pinnasberg, gleich über dem traditionsreichen Restaurant Fischerhaus, hat die Modeagentur und Handelsvermittlung Kundtmann ihren Sitz. Die Gewerberäume und die weitläufige Terrasse teilt sie sich mit einem Architekturbüro und einem gemeinnützigen Verein. Vor ihrer Eingangstür laden ein runder Tisch, zwei Stühle und große Töpfe mit bunten Sommerblumen zum Verweilen ein. Vom Hafen tönt jenes geschäftige Treiben herauf, bei dem sich wohl die meisten Hamburger sofort zu Hause fühlen.

Kollektionen für Kunden und eine eigene Modelinie

Magdalena Kundtmann ist eine lebhafte Frau, freimütig und gut vorbereitet im Gespräch. Von Hamburg aus begleitet die diplomierte Bekleidungsingenieurin mit ihrem Team Modeproduzenten und Produktdesigner in allen Phasen der Entstehung von textilen Produkten: „Wir beraten und betreuen von der Idee zum Entwurf über die Muster- oder Prototypherstellung bis zur Produktion und Logistik.“ Ihre Bandbreite umfasst Damen-, Herren- und Kinderbekleidung, hochwertige Berufsbekleidung, Accessoires sowie textile Produkte in Verbindung mit anderen Materialen wie Holz oder recyceltes Segeltuch.

Neben den Auftragsproduktionen führt Magdalena Kundtmann eine eigene Modelinie: Dokk 4, benannt nach dem Standort in der Hansestadt (www.dokk4.com). Mit dieser Kollektion will sie selbstbewusste Frauen mit Sinn für Qualität ansprechen, die eine auf traditionellen Werten beruhende moderne Schneiderkunst schätzen.

Bewusste Entscheidung für europäische Produktionsstätten

Die Unternehmerin setzt sich für Nachhaltigkeit in der Textilbranche ein und lebt sie selbst, wo immer möglich. „Seit vielen Jahren arbeite ich mit Materialherstellern in Deutschland, Schweiz, Belgien und Österreich zusammen“, sagt sie. „Sämtliche Produkte werden in Europa hergestellt.“ Mit 15 Fabriken, vor allem in Italien und in ihrem Heimatland Polen, arbeitet die gebürtige Posenerin zusammen, die als Auszubildende in Hamburg ein Praktikum absolvierte und dann der Liebe wegen in der Hansestadt blieb.

Wenn sie sich etwas wünschen dürfe, wäre das „mehr Respekt vor Bekleidung“. Das ist auch die Botschaft, die Magdalena Kundtmann ihren Studenten, die sie als freiberufliche Dozentin für Modemanagement an der Modeakademie JAK unterrichtet, vermitteln will. „Die jungen Leute wissen oft gar nicht mehr, welche Auswirkungen der gedankenlose Konsum von Billigmode hat.“

Dokk 4 Fortuna – Blusenkollektion für eine besondere Lebenssituation

Ein Herzensprojekt ist ihr die Linie „Dokk 4 Fortuna“, eine ab 2010 speziell für Frauen nach der Brustoperation entwickelte Blusenkollektion. Der Wunsch nach solch einem Kleidungsstück sei oft an sie herangetragen worden, sagt Magdalena Kundtmann. Nach einer Brust-OP oder -Amputation ist die Haut in der oberen Brustregion und im Achselbereich überaus empfindlich. Die Bekleidungsingenieurin und Perfektionistin steckte viel Zeit, Geld und Wissen in die Entwicklung einer ausgefeilten Schnittführung und in die Materialauswahl. Dabei arbeitete sie intensiv mit betroffenen Frauen zusammen.

Laura, Alberta und Sita heißen die Blusenmodelle, die ohne Unterarmnähte auskommen und sich durch pflegeleichte, hochwertige Stoffe und besondere Verarbeitung auszeichnen. Die Blusen sind bis ins Detail durchdacht, damit sie gut sitzen, toll aussehen und leicht anzuziehen sind. „Alberta“ ist zudem eine Kapuzenbluse, die innen mit weichem Jersey gefüttert ist und eng am Kopf anliegt. „Damit haben die Frauen nach der Chemotherapie eine modische und gut sitzende Alternative zu anderen Kopfbedeckungen.“

Schwieriger Vertrieb trotz erkennbarem Bedarf

Viel Zeit und Energie steckte die 56-Jährige auch ins Marketing. 2012 schrieb sie zum Beispiel Dutzende Kliniken, nahezu sämtliche zertifizierte Brustzentren in Deutschland und jede Menge Frauenzeitschriften an. Wie zum Beweis blättert Magdalena Kundtmann einen dicken Ordner mit den Adressen durch. Resonanz: nahezu null. Auf Nachfrage habe es immer geheißen, dass noch ausreichend von ihrem Informationsmaterial verfügbar sei. „Selbst Sanitätshäuser konnten sich leider nicht entschließen, Blusen nicht in Kommission zu nehmen.“ Sie erklärt sich diese Reaktionen damit, dass Brustkrebs noch immer ein Tabu-Thema sei. Auch von den betroffenen Frauen, die mit ihr die Grundschnitte erarbeitet hätten, war kaum eine bereit, sich als Fotomodell zur Verfügung zu stellen.

Was soll man da noch sagen? Außer: Wer jetzt Interesse an Informationen hat oder Blusenmodelle anschauen möchte, nimmt am besten gleich Kontakt mit Magdalena Kundtmann auf: www.kundtmann.com

(Brigitte Muschiol)


 


 

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