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In Hamburg begegnet: Susanne Faerber hütet das Panoptikum

Udo Lindenberg guckt mit gewohnter Lässigkeit auf den Spielbudenplatz. Madonna ist kurz zur Reparatur und Otto Waalkes bringt einen sogar noch als Wachsfigur zum Lachen. Das Panoptikum in St. Pauli ist höchst lebendig und Susanne Faerber aus der Gründerfamilie will dafür sorgen, dass das noch lange so bleibt.

Susanne Faerber ist praktisch im Hamburger Panoptikum groß geworden. In dem staatlich anerkannten Museum erzählen heute mehr als 120 künstlerisch und authentisch gestaltete Wachsfiguren aus Politik, Sport, Kunst und der Welt des Glamours aus ihrem Leben und aus ihrer Zeit. Auch die Geschichtsgalerie, das anatomische Kabinett sowie eine Gruselecke als Hommage an den Ursprung der Wachsfigurenkabinette ziehen die Besucher in ihren Bann. Im letzten Jahr kamen rund 200.000 Menschen, darunter viele Schulklassen, zu den Berühmtheiten und Kuriositäten.

Unternehmensführung in Familienhand

Über viele Jahre hatte Susanne Faerbers Mutter Beate das Familienunternehmen ihres Mannes Dr. Hayo Faerber, ein Internist, zu ihrer Herzensangelegenheit gemacht und sich auch ehrenamtlich im Stadtteil St. Pauli engagiert. Ihre Tochter nahm sie deshalb schon als Baby häufig mit in den Betrieb. „Als Kind habe ich oft auf dem Schoß einer Mitarbeiterin gesessen und beim Ticketverkauf geholfen“, erinnert sich die junge Frau. Als ihre Mutter 2006 starb, gab ihr Vater seine Praxis auf. Er versprach seiner damals 15-jährigen Tochter, den Betrieb im Sinne der Mutter weiterzuführen und ihr den Platz in der Nachfolge zu bewahren. „Für mich stand schon immer fest, dass ich die Familientradition fortführen will“, sagt Susanne Faerber. Seit zwei Jahren führt die studierte Betriebswirtin nun das Panoptikum in fünfter Generation, gemeinsam mit ihrem Vater.

Das Wachsfigurenkabinett der Familie Faerber wurde 1879 gegründet und ist das älteste seiner Art in Deutschland. Es hat viel erlebt und überlebt, etwa das Aufkommen des Films Anfang des 20. Jahrhunderts, das für die meisten Wachsfigurenkabinette das Aus bedeutete. 1943 zerstörten Brandbomben das Gebäude und die meisten der Figuren. Seit 1959 ist das Panoptikum da zu Hause, wo nur wenige Meter entfernt alles begann: am Spielbudenplatz 3.

Jetzt erfährt die traditionsreiche Kunst ausgerechnet im digitalen Zeitalter eine neue Wertschätzung – den Selfies sei Dank. „Die Jugendlichen finden es spannend, ihre Idole aus der Online-Welt bei uns dreidimensional zu erleben und gemeinsame Fotos an ihre Freunde zu schicken“, hat Susanne Faerber beobachtet.

Aufwendiger künstlerischer Entstehungsprozess

Die Unternehmerin geht gern mit Zahlen und Fakten um und trifft wirtschaftliche Entscheidungen mit hanseatisch-kühlem Kopf. Wie sehr sie auch die künstlerische Seite des Panoptikums liebt, wird bei ihren lebhaften Schilderungen auf einem Rundgang durch die vier Etagen des Museums deutlich. Seit rund 20 Jahren arbeitet die Familie bei der Fertigung der Figuren mit denselben zwei bis drei Holzbildhauern ihres Vertrauens zusammen. Die Künstler studieren die ausgewählten Prominenten auf Fotos gründlich von allen Seiten und Winkeln, vermessen sie und modellieren dann in monatelanger Feinarbeit einen Tonkopf als Grundlage für den späteren Wachskopf. „Manchmal kommen die Stars auch persönlich zu uns und lassen sich vermessen“, erzählt Susanne Faerber. Wie die Komikerlegende Otto Waalkes oder die Dragqueen Olivia Jones, die direkt gegenüber vom Panoptikum ihre „Kieztouren“ anbietet.

In den Wachskopf werden echte, für Menschen gefertigte Glasaugen eingearbeitet. Die Zahnprothese stellt ein Zahntechniker her. Das Echthaar wird einzeln von Hand eingestochen, die Haut von Hand koloriert. Bei der Kleidung handelt sich oft um aufwendige Sonderanfertigungen. Manchmal stellen Stars auch leihweise Originalkleidung zur Verfügung. So wie der ehemalige Boxweltmeister Vitali Klitschko, dessen Figur mit zweijähriger Fertigungszeit zu den besonders aufwendigen Werken zählt. Der Grund: Für seine Fighter-Pose im Kampfdress mit kurzen Hosen mussten auch wächserne Beine modelliert werden, mit vielen einzeln gesetzten Härchen.

Feiern unter Prominenten

Zur modernen Vermarktungsstrategie des Panoptikums gehört die Öffnung der Räumlichkeit für verschiedene Anlässe von Privatkunden und Firmen wie Jubiläen, Produktvorstellungen, Empfänge, Pressekonferenzen, Kindergeburtstage oder als Kulisse für Filmaufnahmen.

Die nächsten Neuzugänge im illustren Kreis der wächsernen Berühmtheiten stehen bereits fest: Queen Elizabeth von England und Schlagerstar Helene Fischer. Kommen Sie doch spätestens dann auf einen Besuch vorbei und machen Sie Ihre Freunde mit einem Promi-Selfie so richtig neidisch!

(Brigitte Muschiol)


 


 

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