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Gesund bleiben, Erlöse steigern: Vital-Faktor „Mitarbeitergesundheit“

Gesunde Mitarbeiter sind ein Gewinn für das Unternehmen. Doch wer ein leistungsfähiges Team möchte, muss es gesundheitlich fördern. Dem entgegen laufen Trends, die durch unseren Lebensstil verursacht sind und die uns immer unbeweglicher und bequemer machen - Prof. Dr. med. Stephan Martin, Diabetologe und Chefarzt im Verbund Katholischer Kliniken Düsseldorf (VKKD).

Auf Dauer beschere das den Unternehmen hohe Lohnnebenkosten. Muss nicht sein, so der Mediziner, wenn die „Gesundheitsvorsorge“ Chefsache wird. business-on befragte den Chefarzt dazu.

business-on: Herr Prof. Martin, Sie haben mit der Firma Boehringer Ingelheim das Programm „Fit im Leben - fit im Beruf“ durchgeführt. Mit welchem Ergebnis?

Prof. Martin: Alle Mitarbeiter der Firma Boehringer Ingelheim ab dem 40. Lebensjahr werden alle drei bis fünf Jahre zu umfangreichen Gesundheitsuntersuchungen eingeladen. Dieses Angebot wird über 90 Prozent angenommen. Wir haben die erhobenen Daten wissenschaftlich ausgewertet und dabei ist aufgefallen, dass ca. 40 Prozent der Probanden übergewichtig und 18 Prozent adipös waren. Wenn wir uns in dieser Querschnittsstudie anschauen, wie häufig Bluthochdruck oder Arterienverkalkungen vorliegen, so steigt diese Rate dramatisch mit steigendem Gewicht an. Allein durch die Messung des Gewichtes kann man somit Risikogruppen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erkennen.

business-on: Gesundheitsrisiken sehen Sie vor allem im Lebensstil begründet. Sind wir zu bequem geworden, uns gesund zu erhalten?

Prof. Martin: Das genau ist der Kern des Problems. In den vergangenen Jahren hat sich das Ernährungs- und Bewegungsverhalten in den westlichen Ländern deutlich verändert. Wir essen zu kalorien- bzw. kohlenhydratreich und bewegen uns zu selten. Bereits ab dem 35. Lebensjahr ist die Hälfte der Männer übergewichtig. Frauen ziehen ab dem 50.Lebensjahr nach. Das heißt in der Langzeitbeobachtung: mehr Kosten für die Behandlung schwerwiegender Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes mit all ihren Konsequenzen - und damit hohe Lohnnebenkosten für Betriebe durch krankheitsbedingte Ausfälle von Mitarbeitern.

business-on: Wie hoch ist das Ausmaß für Düsseldorf und was können Unternehmen dagegen tun?

Prof. Martin: Allein für Düsseldorf mit 580.000 Einwohnern haben wir bei einer Erwerbsquote von 45 Prozent zusätzlich Lohnnebenkosten durch den Typ-2 Diabetes von mehr als 120 Mio. Euro jährlich berechnet. Dadurch, dass diese Lebensstil-bedingten Erkrankungen bereits im jüngeren Lebensalter auftreten, wird es langfristig weiter mehr Herz-Kreislauf-Erkrankungen geben. Die Antwort darauf wäre ein abgestimmtes Vorsorgeprogramm, wie ein Frühwarnsystem - um bei gesundheitlichen Problemen von Mitarbeitern sofort reagieren zu können.

business-on: Wie sieht so ein Programm aus und wie lässt es sich in den Arbeitsalltag einfügen?

Prof. Martin: Am Anfang steht ein gründliches Check-Up, bei dem die körperliche Verfassung ermittelt wird. Nach medizinisch anerkannten Verfahren werden Blut- und Ultraschalluntersuchungen wie auch Lungenfunktionsprüfungen und Belastungs-EKG durchgeführt. Stellen wir Handlungsbedarf fest, können wir am Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrum (WDGZ) zusammen mit dem Deutschen Institut für Telemedizin und Gesundheitsförderung (DITG) ein telemedizinisches Lifestyle-Programm anbieten.

business-on: Das sieht wie aus?

Prof. Martin: Im Grunde handelt es sich um ein Lifestyle-Coaching. Über eine IT-Schnittstelle, ähnlich einem Smartphone, werden Lebensstilparameter wie Schritte und Gewicht an die Datenbank bei uns übermittelt. Es ist für die Teilnehmer kein Internetzugang notwendig, denn die Übertragung der Werte erfolgt mit einer separaten SIM-Karte. Die Teilnehmer werden von ihrem „Gesundheits-Coach“ in Abständen angerufen und die Werte werden besprochen. Wir konnten nachweisen, dass dieser Personenkreis drei Mal mehr Gewicht abgenommen hat als Personen ohne Coaching. Auch die Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Blutzucker, Blutdruck und Blutfette hatten sich merklich verbessert.

business-on: Gibt es bereits Umsetzungen in Unternehmen und wo können sich Interessenten anmelden?

Prof. Martin: Bisherige Teilnehmer des Programms sind die Ärztekammer Nordrhein, die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein, die Firma Eickhoff in Bochum und seit Kurzem auch die Provinzial Versicherung. Interessierte Betriebe können sich direkt an uns oder das Deutsche Institut für Telemedizin http://www.ditg.eu/ wenden.

(Redaktion)


 


 

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