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Buy & Hold-Strategie ein Auslaufmodell

Kaufen und einfach liegen lassen, war zwar erfolgreich, ist aber zunehmend umstritten – Die Internationalisierung der Investments verlangt eine flexiblere Strategie. Macht Buy & Hold überhaupt noch Sinn? Eine durchaus provokante Frage in Anbetracht ihrer prominenten Vertreter. Können Investmentgurus, Buchautoren und Selfmade-Millionäre wie Benjamin Graham, Warren Buffett und André Kostolany in dieser Hinsicht irren?

Im Folgenden werde ich darstellen, warum wir aufgrund einschlägiger Entwicklungen und veränderter Rahmenbedingungen am Anfang eines neuen Trends – weg vom klassischen Buy & Hold, hin zu einem aktiveren Management – stehen. Ich bin der Überzeugung, dass diese Veränderung jeden Investor – egal, ob professionell oder privat, nachhaltig betreffen wird.

Trügerische Sicherheit mit Buy & Hold

Die Frage nach der Anwendbarkeit einer Buy & Hold-Strategie in der heutigen Zeit ist nicht einfach zu beantworten.

Einerseits konnte man bewiesenermaßen in der Vergangenheit Geld mit dieser Vorgehensweise verdienen und lange Bewegungen optimal ausnutzen. Andererseits ist es bereits in den letzten Jahren sehr viel schwieriger geworden, auf diese Art positive bzw. hohe Renditen zu erzielen. Ich will nicht das Ende dieser Investmentstrategie unterstellen, sondern möchte Ihnen alte und neue Risiken aufzeigen sowie Denkanstöße geben, um einer veränderten Situation gerecht zu werden und von ihr profitieren zu können.

Buy & Hold ist sicherlich die bekannteste und gleichzeitig auch gesellschaftlich anerkannteste Art zu investieren. So viele prominente Vertreter können eigentlich nicht irren. Ein weiterer Vorteil, abgesehen von der Orientierung am Gros der Investoren, ist der verhältnismäßig geringe Aufwand. Nach einer mehr oder weniger gründlichen Analyse der Ausgangssituation trifft der Investor seine Entscheidung bezüglich des Einstiegs. Seine Arbeit ist damit im Wesentlichen erledigt. „Kaufen, liegen lassen und schlafen“ laut André Kostolany. Auch bei penibler Prüfung des jeweiligen Unternehmens ist es jedoch eine trügerische Sicherheit, derer man sich hingibt.

Hätten Sie Anfang 2008 gedacht oder gar gewusst, dass ein amerikanisches Traditionsunternehmen (gegründet 1850) mit einem Jahresumsatz 2007 von über 59 Mrd. US-Dollar Mitte September 2008 Insolvenz anmelden muss? Wahrscheinlich nicht. Hinweise dafuür wären sicherlich nicht in der Bilanz aufgetaucht. Zukunftsaussichten für Banken sind doch eigentlich immer rosig. Sie sind es doch, die das Schmiermittel liefern, welches der wirtschaftliche Motor so dringend benötigt. Die Aktie von Lehman Brothers stand 2007 in der Spitze bei über 85 USDollar, Ende Januar 2009 notierte sie bei 0,0435 US-Dollar. Sicherlich ein extremes Beispiel, jedoch sind hohe Verluste aktuell die Regel – nicht die Ausnahme.

Problematisch bei einer Buy & HoldStrategie ist somit immer das Timing – zum einen der Zeitpunkt des Einstiegs, zum anderen der des Ausstieges. Konventionelle Börsenweisheiten wie „buy low, sell high“ sind wenig zielfürend und helfen nicht weiter. Hätten Sie vor zehn Jahren einen Teil Ihres Geldes in vermeintlich „sichere“ Blue Chips investiert und bräuchten heute das Geld aus dieser Investition, Sie müssten sehr wahrscheinlich deutliche Verluste realisieren.

Negativ ist, dass diese Strategie sehr wenig Flexibilität gestattet, um nicht zu sagen keine. Gerade in Zeiten, in denen sich die Rahmenbedingungen für Investitionen verändert haben, ist dies nicht nur ein klares Manko, sondern vor allem auch eine Gefahr für Ihr Portfolio.

Globalisierung wirkt sich aus

In den vergangenen Jahren ist es zu einer zunehmenden Internationalisierung des Investmentkapitals gekommen. Während früher primär Amerikaner, Japaner und Europäer das Geschehen an den Märkten bestimmten, sind nun einige neue, mächtige Akteure hinzugekommen. Investoren aus Indien, China und Russland unterscheiden sich in ihrer Art zu in vestieren deutlich von den ursprünglich dominanten Marktteilnehmern.

Gleichzeitig verändert sich unsere Welt durch eine immer weiter voranschreitende Globalisierung und ruft immer neue Konkurrenten auf den Plan. Während früher die Konkurrenz nur aus den USA, Europa oder Japan kommen konnte, kann heute aufgrund verbesserter Technologien und einer immer enger werdenden Vernetzung die Konkurrenz aus praktisch allen Teilen der Welt stammen. Dies bedeutet mehr Investoren und damit mehr individuelle Persönlichkeiten, die ihrer Mentalität entsprechend handeln und investieren.

Zusätzlich kommen immer neue „innovative“, jedoch wenig transparente Finanzprodukte auf den Markt. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor sind auch die Private Equity Gesellschaften, bei denen sich nur selten eine klare Absicht erkennen lässt. Kaufen diese sich nur ein, um Gewinne zu realisieren oder liegt ein wirklich längerfristiges Interesse an dem Unternehmen vor? Aber auch unvorhersehbare Gefahren wie Kriege, Naturkatastrophen oder Terror führen zu einer Einschränkung der Funktionsweise von Buy & Hold.


 


 

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