Daniel Schlingelhof: Finanzkrise
Ist die Krise überwunden?
Hamburg. Etwas mehr als neun Monate nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers (15.09.08) und folgenden Nachrichten: weitere Bankpleiten, Konjunkturprogrammen – auch die USA wracken jetzt ab – und einem weltweiten fulminanten Börsenanstieg um nahezu 40% fragen sich die Anleger: Ist die Krise überwunden?

Daniel Schlingelhof arbeitet als Anlageexperte und selbstständiger Partner von Cortal Consors BNP PARIBAS.
Zu Fragestellungen rund um Vorsorge, Finanzierung sowie Vermögensaufbau steht er Interessierten als persönlicher Ansprechpartner in der Geschäftsstelle Hamburg zur Seite.
Das Bankensterben in den USA geht weiter. So wurde erst vor einigen Wochen bekannt, dass 3 weitere Banken Insolvenz anmelden mussten, das bedeutet somit insgesamt 40 Banken seit Beginn der Krise. Gleichzeitig befreien sich die ersten Banken aus dem Einfluss der Regierung indem Sie über 68 Milliarden mit einem Schlag zurückzahlen. In Deutschland dagegen werden weitere Milliarden notwendig um die Banken, voran die Landesbanken zu stützen oder der Staat steigt ganz ein, wie im Fall von „Hypo Real Estate“ geschehen.
Weitere Hiobsbotschaften erreichten uns, wie u.a. „GM“ der größte Autobauer der USA ist pleite. In Deutschland musste u.a. „ARCANDOR“ Insolvenz anmelden und der Ausgang bei „Porsche“, welches sich beim Einstieg von „VW“ verhoben hat, ist völlig ungewiss. Eine weitere Schlagzeile von vielen: Die „HHLA“ entlässt erst 600 und nun bis 2000 Mitarbeiter in die Kurzarbeit.
Neben den negativen Nachrichten gibt es auch positive Nachrichten. So sahen wir die rasanteste Rallye an den Börsen seit 70 Jahren. Der DAX stieg auf über 5100 (+40%) Punkte. Zwischenzeitlich ist wieder Ernüchterung eingekehrt und man hört wieder auf fundamentale Daten, aktuell der DAX 4.770. Die neueste Schlagzeile: „Kaupthing“ beginnt an deutsche Anleger noch diese Woche die Einlagen auszuzahlen.
Da fragt sich der Anleger zu Recht, ist die Krise überwunden? Welche Lehren haben wir aus der Krise gezogen?
Hierzu hilft immer ein Blick auf das Stimmungsbarometer des IFO Instituts. Das dritte Mal in Folge ist der IFO-Geschäftsklima-Index der befragten Unternehmen gestiegen. Dennoch zweifeln die Experten an einer Trendwende, denn dazu müsste sich auch die Geschäftslage nachhaltig verbessern und davon ist noch nicht die Rede. Eher wird zur zweiten Jahreshälfte mit einer weiteren Konsolidierung gerechnet.
Wirkliche Änderungen in den Finanzmarktregeln haben sich nach G20 Gipfel noch nicht durchgesetzt. In den Staaten wurde ein erster Entwurf zu deutlich mehr Bürokratie im Bankaufsichtswesen vorgestellt. In Europa hält man sich noch bedeckt. Einzige Neuerung ist der verbesserte Einlagenschutz gültig ab Anfang Juli: so steigt dieser von 20.000 EUR auf 50.000 EUR auf alle Einlagen wie Giro-, Tages-, Festgeld sowie Sparbücher und Sparbriefe. Dabei entfällt auch der 10% Selbstbehalt des Anlegers, d.h. es gibt einen 100 % Schutz.
Fazit: Die Krise ist noch nicht überwunden, vielmehr ist es anscheinend gelungen schlimmeres abzuwenden. Weiterhin ist abzuwarten ob nachhaltig ein Wirtschaftswachstum erreicht werden kann. Für den langfristig orientierten Anleger ergibt sich dabei die Chance bei günstigen Einstiegspunkten zu investieren oder alternative Investments ins Auge zu fassen. Der kurzfristige und sicherheitsorientierte Anleger erhält mit Wandelanleihen eine attraktive Alternative. Er kann hierbei die Sicherheit einer Anleihe und die Chance einer Aktie durch das Umwandlungsrecht nutzen.
(Daniel Schlingelhof)
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