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Datenreport 2013

Reiches Land, armes Land – Mehr Beschäftigte, aber auch mehr Armut in Deutschland

Deutschland erlebt seit Jahren einen Beschäftigungsboom. 2012 gab es mit 41,5 Millionen so viele Erwerbstätige wie nie. Trotzdem sind heute mehr Menschen von Armut bedroht und mehr Menschen dauerhaft arm. Das geht aus dem „Datenreport 2013. Ein Sozialbericht für Deutschland“ hervor, der am 26. November in Berlin vorgestellt wurde.

Bereits zum 14. Mal haben Statistiker und Sozialforscher aktuelle Zahlen zu Gesellschaft und empirische Ergebnisse zu subjektiven Erwartungen und Einstellungen der Menschen zusammengetragen. Die Herausgeber des Reports sind die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb, das Statistischen Bundesamt, das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und das Sozio-oekonomische Panel am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, für das seit 1984 mehr als 12.000 gleichbleibende Privathaushalte in Deutschland im jährlichen Rhythmus befragt werden.

Beschäftigungsrekord mit Makeln

2012 verzeichnet Deutschland mit 41,5 Millionen einen Beschäftigungsrekord. Gleichzeitig war das Arbeitsvolumen niedriger als 1991. Die Zahl der Arbeitsstunden, die jeder Erwerbstätige durchschnittlich leistet, hat in den vergangenen 20 Jahren kontinuierlich abgenommen. Ein Grund: Immer mehr Menschen arbeiten gewollt oder unfreiwillig in Teilzeit. Zugenommen hat auch die atypische Beschäftigung: 2012 war gut jeder fünfte Kernerwerbstätige (22 Prozent) atypisch beschäftigt – besonders betroffen sind Frauen (33 Prozent), junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren (33 Prozent) und Menschen ohne Berufsabschluss (37 Prozent).

Trotz wachsender Beschäftigtenzahl sind heute mehr Menschen von Armut bedroht als in den Vorjahren. 2011 lag der Anteil armutsgefährdeter Personen bei 16,1 Prozent (2007: 15,2 Prozent). Als arm galt 2011, wer weniger als 980 Euro im Monat zur Verfügung hatte.

Stärkeres Risiko in Armut abzurutschen

Das Risiko, in Armut abzurutschen, hat für einige Gruppen zugenommen. So trifft Frauen Armut häufiger als Männer. Deutlich gestiegen ist das Armutsrisiko der 55- bis 64-Jährigen, von 17,7 Prozent im Jahr 2007 auf 20,5 Prozent im Jahr 2011. Unter den jungen Erwachsenen (18 bis 24 Jahre) gilt jeder fünfte als armutsgefährdet. Gleichzeitig hat die dauerhafte Armut zugenommen. Von den im Jahr 2011 armutsgefährdeten Personen waren 40 Prozent bereits in den vergangenen fünf Jahren arm. 2000 betrug der Anteil der dauerhaft Armen 27 Prozent.

Weniger Teilhabe an politischen Prozessen

Die Experten vermuten, dass mit zunehmendem Armutsrisiko die gesellschaftliche Teilnahme und die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozessen sinkt. „Mitgestaltungsmöglichkeiten müssen unabhängig vom Einkommen, von zeitlichen Ressourcen oder vom Bildungsniveau bestehen“, so Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb. Daher müsse in Zeiten stetigen Wandels das Ziel der politischen Bildung sein, immer wieder neue kreative Ansätze zu entwickeln, um den Menschen die Welt, in der sie leben zu erklären und um sie zur Mitgestaltung zu motivieren.

Armut hat Auswirkungen auf die Lebenserwartung

Auch haben sozial bedingte Unterschiede bei der Gesundheit in den vergangenen 20 Jahren zugenommen. Ein Beispiel: Mehr Frauen und Männer aus der niedrigsten Einkommensgruppe beurteilen heute ihren Gesundheitszustand als „weniger gut“ oder „schlecht“. Bei Frauen und Männern, die sehr gut verdienen, ist eine gegenläufige Entwicklung zu sehen. Armut wirkt sich auch unmittelbar auf die Lebenserwartung aus. Die mittlere Lebenserwartung von Männern der niedrigsten Einkommensgruppe liegt bei der Geburt fast elf Jahre unter der von Männern der hohen Einkommensgruppe. Bei Frauen beträgt der Unterschied acht Jahre. Das zeigen Daten des Sozio-oekonomischen Panels.

Der Datenreport steht als PDF-Version beim Statistischen Bundesamt kostenfrei zum Download bereit. Die Buchausgabe bietet die Bundeszentrale für politische Bildung gegen eine Bereitstellungspauschale von 4,50 Euro.

(Redaktion)


 


 

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