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Der Brexit und seine Folgen

Luther erhebt Auswirkungen auf Unternehmen in Brexit-Studie

Welche Auswirkungen der Brexit auf Unternehmen haben wird, ist aktuell noch schwer absehbar und hängt wesentlich vom Inhalt und Ausgang der noch laufenden Austrittsverhandlungen ab. Wie Unternehmer in Deutschland und Großbritannien sich bereits jetzt vorbereiten und welchen Herausforderungen sie sich gegenübersehen, untersucht die Luther Rechtsanwaltsgesellschaft in einer Brexit-Studie. Die Rechtsanwälte Volker Steimle und York-Alexander von Massenbach erklären im Interview mit DIE WIRTSCHAFT die Hintergründe der Studie.

DIE WIRTSCHAFT: Herr von Massenbach, welche Unternehmen sind vom Brexit betroffen?

York-Alexander von Massenbach: In erster Linie sind vom Brexit natürlich alle Unternehmen betroffen, die in größerem Umfang Geschäfte mit Großbritannien tätigen oder vice versa. Daneben werden auch internationale Unternehmen mit einer europäischen Niederlassung im Vereinigten Königreich Auswirkungen zu spüren bekommen. Allerdings ist nicht jeder Sektor im gleichen Umfang betroffen. Deutliche Auswirkungen erwarten wir unter anderem in allen Sektoren, die einer starken Regulierung unterworfen sind. Dazu gehören die Finanzindustrie, Chemie und Pharmaindustrie, Luftfahrtindustrie wie auch die Energiebranche. Vor allem der Wegfall des europäischen Finanzausweises wird schwerwiegende Folgen für die Finanzindustrie auf der Insel haben. Durch den potenziellen Wegfall europäischer Harmonisierungsbestimmungen können sich beispielsweise Schwierigkeiten bei der Zulassung von Produkten ergeben. Aus deutscher Sicht werden insbesondere Automobilhersteller und ihre Lieferketten stark betroffen sein, sollte die britische Regierung an ihrem Plan festhalten, die Mitgliedschaft Großbritanniens in der Zollunion zu beenden. Dies würde auch mittelständische Unternehmen auf beiden Seiten des Kanals stark treffen, sollten sie bislang ihre Produkte nur innerhalb der EU vertreiben. Sie müssten sich daher auf eine völlig neue Situation einstellen.

DIE WIRTSCHAFT: Was ist das Ziel der Brexit-Studie von Luther?

Volker Steimle: Mit der Studie möchten wir das aktuelle Stimmungsbild der betroffenen oder möglicherweise betroffenen Unternehmen einfangen und ihre Vorbereitungen und Erwartungen analysieren. Als unabhängige deutsche Kanzlei mit Standort in London hat Luther die Studie initiiert. Wir erhoffen uns von den Umfrageergebnissen, sowohl die deutsche als auch die britische Perspektive abbilden zu können und die Herausforderungen der unterschiedlichen Branchen besser zu verstehen. Ziel ist es maßgeblich, durch eine analytische Aufbereitung der gewonnenen Ergebnisse interessierten Unternehmen branchenspezifische Problemfelder aufzuzeigen und schlussendlich die Entwicklung maßgeschneiderter Lösungen zu erleichtern. Denn gerade im Bereich des operativen Geschäfts der Unternehmen, die wir beraten, erwarten wir durch den Brexit schon ganz erhebliche Auswirkungen.

DIE WIRTSCHAFT: Was passiert mit den Ergebnissen der Studie?

York-Alexander von Massenbach: Die Ergebnisse werten wir anonymisiert aus und stellen sie zunächst den teilnehmenden Unternehmen exklusiv zur Verfügung. Später werden sie auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht – zum Beispiel im Brexit-Bereich unserer Website: https://www.luther-lawfirm.com. Dort gibt es übrigens bereits jetzt Einschätzungen, in welchen Rechtsgebieten sich nach dem endgültigen Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU Veränderungen ergeben könnten und welche Schritte auf beiden Seiten als Nächstes zu erwarten sind.

DIE WIRTSCHAFT: Können Unternehmen noch an der Studie teilnehmen?

York-Alexander von Massenbach: Auf jeden Fall. Bereits jetzt haben sich zahlreiche Unternehmen an unserer Studie beteiligt und Interesse an ihren Ergebnissen angemeldet. Wir freuen uns aber, wenn sich möglichst viele Unternehmen noch bis zum 13. Juli an der Erhebung beteiligen – entweder über das beigelegte Umfrageformular oder direkt über die Luther-Website.

DIE WIRTSCHAFT: Wie werden Unternehmen die Ergebnisse der Studie für sich nutzen können?

Volker Steimle: Der Brexit ist ein komplexes wirtschaftspolitisches Phänomen, das die betroffenen Unternehmen vor ganz neue Herausforderungen stellt, sei es in der grenzüberschreitenden Supply Chain, sei es bei regulatorischen Fragen wie der Zulassung ihrer Produkte, oder sei es schlicht bei der Frage, wie in bestehenden Vertragsbeziehungen mit neuen Zöllen oder logistischen Hürden umzugehen ist. Aber auch der gerade erst europaweit durchgerüttelte Bereich des Datenschutzes muss sich nach dem Brexit im Verhältnis zum Vereinigten Königreich nochmals neu sortieren. Die Ergebnisse der Studie sollen diesen Unternehmen unter anderem bei den anstehenden Entscheidungen im Zuge des Brexits helfen.

DIE WIRTSCHAFT: Haben Sie bereits einen ersten Eindruck gewinnen können, wie Unternehmen auf beiden Seiten sich vorbereiten?

York-Alexander von Massenbach: Hier ist die ganze Bandbreite vertreten, von dem Aufsetzen interner Gremien, die sich ausschließlich mit dem Brexit beschäftigen, bis hin zur kompletten Aufschiebung von Entscheidungen bis zum Abschluss der Verhandlungen. Wir konnten grundsätzlich beobachten, dass deutsche Unternehmen länger als britische Unternehmen an ein zweites Brexit-Votum geglaubt haben. Das führte natürlich dazu, dass deutsche Unternehmen länger mit dem Aufsetzen von Vorkehrungen gewartet haben. Dennoch haben die meisten Unternehmen mittlerweile mehrere Szenarien durchgespielt, wie sie im Falle eines weichen wie auch eines harten Brexits eine erfolgreiche Unternehmensfortführung sicherstellen können. Nicht zuletzt wird die konkrete Umsetzung der Vorbereitungen aber auch vom zukünftigen Engagement auf beiden Seiten des Kanals, der Unternehmensgröße und der betroffenen Branche abhängen.

DIE WIRTSCHAFT: Was raten Sie Unternehmen, die sich bislang erst wenig mit dem Thema Brexit auseinandergesetzt haben?

Volker Steimle: Natürlich ist es schwer, allgemeine Ratschläge zu erteilen, da es stark auf die individuellen Bedürfnisse des jeweils betroffenen Unternehmens ankommt. Generell würden wir jedem Unternehmen erst mal zu einer intensiven Risikoanalyse raten, bevor aufwendigere Maßnahmen bis hin zu einer möglichen Standortverlagerung in Betracht gezogen werden sollten. Durch unsere Studie hoffen wir, neue Denkanstöße zu geben und ein möglichst umfassendes Bild der Problemfelder aufzeigen zu können. Natürlich werden wir Unternehmen bei allen Fragen bestmöglich mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Der Artikel erschien in der Ausgabe 03.18 von DIE WIRTSCHAFT.

(Die Wirtschaft)


 


 

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