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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Ausverkauf der deutschen Sprache – VW macht in Englisch

VW führt jetzt das Englisch als Konzernsprache ein. Die deutschen Medien blicken ein wenig irritiert nach Wolfsburg und unser Kolumnist sorgt sich, dass die deutsche Sprache bald gar nicht mehr gebraucht wird.

Man sollte ja meinen, dass Deutschlands Pleiten-Pech-und-Pannen-Autohersteller VW alles vermeidet, um nach dem Diesel-Skandal in neue Riesenfettnäpfchen zu treten. Doch weit gefehlt: Ein neuer Skandal bahnt sich an, seit das Unternehmen vor einigen Tagen verkündete in Zukunft für die Mitarbeiter die deutsche Sprache abzuschaffen und nur noch englisch zu sprechen.

„Englisch wird künftig Konzernsprache sein", sagte der Personalvorstand der Volkswagen Aktiengesellschaft, Dr. Karlheinz Blessing: „Das verbessert Zugang und Zusammenarbeit von internationalen Spitzenkräften im Top-Management. Als global aufgestellter Konzern brauchen wir die weltweit besten Leute."

Feingeister munkeln ja, dass VW das nur macht, um sich beim kommenden US-Präsidenten Donald Trump einzuschmeicheln, damit die gewaltigen Milliarden-Strafzahlungen für die Verletzung der US-Abgasnormen bei den Diesel-Autos nicht noch höher ausfallen als befürchtet.

Für Trump steht ja jetzt Amerika über alles; da kann man sich gut vorstellen, dass er es als einen freundlichen Akt verbucht, wenn VWs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jetzt weltweit amerikanisch, also Oxford-Englisch im Kauderwelsch-Styling, sprechen.

VW betont zwar, dass deutsche Fließbandarbeiter, wenn sie unter sich sind, auch weiterhin deutsch sprechen dürfen, aber was sollen die machen, wenn ihre Kollegen Roboter zukünftig nur englisch verstehen?!

Eigentlich konnte man die Entwicklung im Wolfsburger Unternehmen VW ja schon ahnen. Man musste sich nur die Namen der Produkte ansehen. Was heißt Polo auf englisch? Polo! Was heißt Golf auf englisch? Golf! Was heißt Passat auf englisch? Klar: Passat.

Alles englische Begriffe, die VW bereits heimlich in unseren Wortschatz eingeschleust hat. Sogar die deutsche Literatur blieb davon nicht verschont, denken wir nur einmal an den Beststeller „The Golf-Generation“.

Aber wir befinden uns noch nicht am Ende des Sprachkriegs gegen das Deutsche. Mir tun ja schon die VW-Fahrer leid, die demnächst alle die englische Sprache lernen müssen, weil nicht nur die Bedienungsanleitungen in Englisch verfasst sind, sondern ebenso die Autoverkäufer konsequent in englisch die Vorzüge der Fahrzeuge anpreisen werden.

Bei „Car Moll“, dem beliebten Autohändler in meinem Stadtteil Oberkassel, soll es bereits erste Sprach-Kriege geben: Ein Teil der Belegschaft will ab sofort nur noch auf Englisch mit Kunden und Kollegen kommunizieren. Eine kleine Minderheit kämpft dafür, dass man wenigstens freundliche Redewendungen wie „Prost Mahlzeit“ noch in Deutsch sagen darf.

Die „Rheinische Post“ vermutet schon richtig in einer Glosse, dass es „eine anspruchsvolle Aufgabe“ ist, ein traditionsreiches Unternehmen von niedersächsisch auf angelsächsisch zu trimmen.

Wir können nur hoffen, dass das Beispiel VW nun nicht auch in vielen anderen Unternehmen a la Aldi & Co Schule macht, zumal ja Siemens, Adidas oder Lufthansa schon auf Kurs sind: Sonst ist zu befürchten, dass in einigen Jahren ganz Deutschland nur noch englisch spricht, während ein paar Hunderttausend Flüchtlinge noch mühsam die deutsche Sprache lernen. Was sollen die denn mit diesen offensichtlich hinterwäldlerischen Kenntnissen dann noch anfangen?!

Letztendlich hat die Sprach-Reform von VW aber auch etwas Gutes: Wir können nun sicher sein, dass es im Vorstand und im Aufsichtsrat von VW keine Deutschnationalen oder Rechtsradikalen und sicherlich auch keine Anhänger der AfD gibt – die hätten den Ausverkauf der deutschen Sprache nie zugelassen.

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                                           Ihr Peter Jamin

Unser Autor arbeitet als Schriftsteller und Publizist sowie als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation er in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren aufmerksam macht. Mehr unter www.jamin.de

(Peter Jamin)


 


 

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