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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Vater singt für vermisste Malina – Reaktion auf Focus-online-Interview

Unser Kolumnist Peter Jamin ist nicht nur ein guter Autor, sondern auch der einzige Vermisst-Experte außerhalb der Polizei in Deutschland. Seit 25 Jahren berät er kostenlos Angehörige von Vermissten und hat drei Bücher zum Thema geschrieben. Jetzt wurde er von Focus-Online zum Verschwinden der Studentin Malina K. aus Regensburg befragt.

In dieser Woche wurde ich von einem Redakteur von Focus-Online interviewt. Dem Kollegen war aufgefallen, dass der Vater der vermissten Malina K. aus Regensburg wegen seiner Aktivitäten im Internet in Kommentaren angegriffen wurde.

„Auf einer eigenen Facebook-Seite bittet er um Hinweise und sammelte Spenden für die Suche. Tapfer gibt er Medien unzählige Interviews, trat sogar live im Fernsehen bei ‚Stern TV’ auf. Nun hat er auf YouTube sogar einen Song für Malina veröffentlicht“, berichtete Focus-Autor Joseph Hausner, „dass der Vater in einer solchen Situation derart die Öffentlichkeit sucht, verstehen nicht alle.

‚Wenn mein Kind verschwunden wäre, wäre es das Letzte, an was ich denken könnte’, lautete ein Kommentar auf der Facebook-Seite ‚Malina Klaar gesucht’. Der Vater sei ein ‚Selbstdarsteller par excellence’, kritisierte eine Userin den 46-Jährigen.“

Ich ärgere mich, dass es überhaupt jemand wagt, an diesem Vater Kritik zu üben. Das ist beschämend und verwerflich, sagte ich zu Focus-Online.

Ich weiß, wovon ich spreche, denn seit mittlerweile 25 Jahren berate ich Angehörige von Vermissten ehrenamtlich.

Diese Art der Öffentlichkeitsarbeit ist die einzige Chance, die vermisste Person zu erreichen oder Hinweise auf ihren Verbleib zu bekommen, wenn man davon ausgeht, dass diese noch am Leben ist.

Wenn ein Mensch verschwindet, geraten die Angehörigen in eine extreme Konfliktsituation.

Auf der einen Seite empfinden sie große seelische Qualen, Ratlosigkeit und wissen nicht, wie sie mit dem Ereignis umgehen sollen, zitierte mich Focus-online, auf der anderen Seite müssen sie viele organisatorische Dinge erledigen, wenn sie bei der Suche mithelfen wollen.

Als das Interview mit mir veröffentlicht wurde, gab es auch auf meine Stellungnahme hin ebenfalls etliche schräge Kommentare. Hier der Link dorthin.

Zu meiner Zufriedenheit konnten aber die meisten Schreiberinnen und Schreiber nachvollziehen, dass sich der Vater von Malina bei der Suche nach der Studentin so stark engagiert. Dass er dabei selbst ins Blickfeld der medialen Öffentlichkeit gerät, bleibt natürlich nicht aus.

Negativ fiel mir vor allem dieser Leser-Kommentare eines „Bernd Paul“ auf. Seine ironische Bemerkung: „Völlig klar. Wenn meine Tochter verschwindet, dann schreibe und träller ich ein Liedchen, weil das ja auf der Hand liegt. Natürlich möchte ich dann auch von Peter Jamin dafür beglückwünscht werden... sag mal drehen jetzt alle durch? Was ist denn nur los?“

Der Schreiber kann sich vermutlich nicht vorstellen, wie wenig Möglichkeiten Eltern haben, wenn sie eine vermisste Tochter suchen – da ist Phantasie und vielerart Engagement gefragt.

Aber wie geschrieben, die positiven Reaktionen überwiegen. So lobte „aaliyah kassim“ den „tapferen Vater“. Originalton: „Was der Vater macht ist hochachtungsvoll und es schmerzt der Gedanke allein, dass es jemanden selbst auch treffen könnte. Wie er sich wohl fühlt muss schlimmer als schlimm sein! ich finde es so beeindruckend welche Mühen er sich gibt und solche Internet Trolls haben wegen alles zu meckern selbst wenn ein selbstloser Vater seine Tochter mit aller Mühe finden will. Ich hoffe wirklich dass seine Tochter heil zurückkehrt doch sinkt die Hoffnung als aussenstehende Tag für Tag. Es gibt zu viele Menschen die kein Herz haben und ohne die Augen zu zwinkern anderen Leid anfügen können. Ich wünsche der Familie weiterhin Kraft.“

Ein „Georg Meyer“ schrieb: „Trauer und Konfliktbewältigung soll jeder für sich selbst klären...“ Und „Carsten Busch“ meinte: „Niemand hat das Recht in welcher Form auch immer Kritik an dem Verhalten von Eltern in solchen Situationen zu äußern...“

Ich hoffe, dass die Bemühungen des Vaters und der Polizei letztlich auch zu einem positiven Ende führen.

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                   Ihr Peter Jamin

Unser Autor arbeitet als Schriftsteller und Publizist sowie als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation er in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren aufmerksam macht. Mehr unter www.jamin.de

(Peter Jamin)


 


 

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