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Wirtschaftsordnung: Nachfolgekonzept der Sozialen Marktwirtschaft ist möglich und nötig

Die digitale Disruption stellt die Art und Weise des Wirtschaftens auf den Kopf. Die alten Leitplanken, mit denen die Soziale Marktwirtschaft die wohlstandsmehrenden Kräfte schützte, passen heute nicht mehr. Sie brauchen ein Update. Die Ökonomen Achim Wambach und Hans Christian Müller zeigen in ihrem Buch „Digitaler Wohlstand für alle“, dass auch die Internetwirtschaft zum Vorteil vieler arbeiten kann, wenn man die nötigen Grenzen setzt.

Das Konzept der Sozialen Marktwirtschaft ist untrennbar mit dem „Wirtschaftswunder“ in Deutschland verknüpft. Ludwig Erhard, der erste Wirtschaftsminister der damals jungen Bundesrepublik vertraute zwar der Kraft und der Selbstregulation freier Märkte. Er wusste aber um die Gefahren, die sich aus einem „Zuviel“ dieser Freiheit ergeben kann, etwa dann, wenn sich Monopole und Kartelle bilden. Das Konzept der Sozialen Marktwirtschaft schuf die Leitplanken, die etwa verhinderten, dass sich Vormachtstellungen herausbilden.

Die Digitalisierung stellt vieles in Frage

Wir alle werden aktuell Zeugen von der ungeheuren Kraft der Digitalisierung, die unser Leben einmal kräftig durchmischt. Der Wandel des Alltags der Menschen durch die globale Vernetzung und die Nutzung von Apps auf dem Smartphone sind die sichtbarsten Anzeichen. Die Digitalisierung verändert wie wir arbeiten, wie wir einkaufen, ja selbst wie wir wohnen.

Optimisten sehen in ihrem Kern enorme Potenziale für mehr Wohlstand. Pessimisten erkennen darin eine Bedrohung für die Art des Wirtschaftens, die Deutschland nicht nur Wohlstand brachte, sondern sozialen Frieden. Es besteht die Gefahr, dass die soziale Marktwirtschaft nicht in die neue Zeit gerettet werden kann.

Wirtschaft im digitalen Zeitalter funktioniert anders

Monopole und Kartelle haben einen ausgesprochen negativen Einfluss auf die Wirtschaft. Monopolisten diktieren nicht nur die Preise und drangsalieren damit die anderen Marktteilnehmer. Da Kartellen und Monopolisten der Wettbewerb fehlt, besteht für die Unternehmen keine Notwendigkeit mehr, die eigenen Produkte im gleichen Maße zu verbessern, wie es erforderlich wäre, um gegenüber einem Konkurrenten zu bestehen. Monopole verhindern somit Innovationen.

Die moderne Wirtschaft fördert indes die Bildung von Monopolen. Denn viele digitale Produkte sind umso attraktiver und nützlicher, je mehr Menschen sie verwenden.

Wie muss Ordnungspolitik vor diesem Hintergrund aussehen? Dazu stellen die Autoren die aus ihrer Sicht wichtigsten vier Grundprinzipien der digitalisierten Wirtschaft vor.

  • Monopole statt Wettbewerb
  • Daten statt Preis
  • Clickworker statt Sozialpartnerschaft
  • Sharing statt Eigentum.

Jedem dieser Prinzipien ist ein Kapitel gewidmet. Darin beschreiben die Autoren zunächst die Erscheinungsform und die Mechanismen in der Digitalisierung. Danach bringen sie Ideen ein, wie Kartelle, Monopole und Ausbeutung von Menschen verhindert werden können. Damit dürften sie auf Widerspruch unter denen stoßen, die einer ungeregelten Wirtschaft und der permanenten Disruption die Rede führen. Die Ideen und Ansätze sind aber klug und nachvollziehbar. Und sie erscheinen geeignet, zum wirtschaftlichen und sozialen Frieden in der Zukunft beizutragen.

Management-Journal-Fazit: Achim Wambach und Hans Cristian Müller legen ein wichtiges Buch vor. Denn es besteht wohl kaum ein Zweifel daran, dass die Ordnungspolitik des Staates im Rahmen der Digitalisierung zu häufig an ihre Grenzen stößt. Man denke nur etwa an die Schwierigkeiten der Besteuerung. Um zu verhindern, dass weite Teile der Bevölkerung von den Früchten der wirtschaftlichen Umwälzung ausgeschlossen werden, muss eine neue soziale Marktwirtschaft her. Wie sie aussehen könnte, verrät dieses Buch, dem deshalb viele Leser zu wünschen sind.

Das Buch: Achim Wambach/Hans Cristian Müller, „Digitaler Wohlstand für alle. Ein Update der Sozialen Marktwirtschaft ist möglich“, Campus Verlag GmbH, ISBN 3593509296

(Stephan Lamprecht / www.management-journal.de)


 


 

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