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DiNo-Konjunkturstudie 2015

Unternehmensnahe Dienstleistungen: mehr Umsatz, mehr Jobs als erwartet

Herausforderung Fachkräftemangel

Laut der Studie suchen derzeit etwa 40 Prozent der Dienstleister Fachkräfte. Besonders schwierig gestaltet sich demnach die Lage in der Informationstechnologie. Dort sei mit 53 Prozent mehr als die Hälfte aller Unternehmen auf der Suche. In der Logistik liege diese Quote bei 43 Prozent. Die Suche nach geeignetem Personal dauere im Schnitt rund 11,4 Wochen. Die Branchenexperten gehen davon aus, dass sich die Probleme angesichts des demografischen Wandels verstärken werden, das heißt, dass die Unternehmen auf immer weniger geeignete Bewerberinnen und Bewerber für offene Stellen treffen.

Aktuell liege die Zahl der Beschäftigten über 50 Jahren in den Betrieben bei 30,3 Prozent. Gemäß den Prognosen soll sie 2020 bei 36 Prozent stehen und weiter steigen. Dagegen liege die Quote der 20- bis 30-Jährigen derzeit bei knapp 13 Prozent. Tendenz fallend, allein bis 2020 auf 11 Prozent. „Es ist an der Zeit, sich den Herausforderungen dieser Entwicklung zu stellen. Unser Bildungssystem muss auf die Bedürfnisse der Wirtschaft angepasst werden. Dazu gehört es auch, dass mehr junge Menschen in die duale Ausbildung gehen. Es kann nicht sein, dass es immer noch Politiker gibt, die einen universitären Abschluss als das einzig heilbringende verkünden“, sagte von der Decken. Dennoch zeigten die Zahlen, dass in den kommenden Jahren die Universitätsabschlüsse im Dienstleistungssektor ansteigen von heute 14,5 Prozent auf 15,2 Prozent im Jahr 2020. Ein ähnliches Bild ergebe sich bei den Fach- und Fachhochschulabschlüssen. Die Schätzungen gehen hier von einer Steigerung von aktuell 17,3 auf 19 Prozent im Jahr 2020 aus.

Mit Ausbildungsplätzen dem Fachkräftemangel begegnen

Ein Verlust von Fachkräften erwartet die Branche für den Bereich der Ausbildung: Jetzt liege der Anteil derer, die im eigenen oder einem anderen Unternehmen ihre Ausbildung abschließen, bei 63,5 Prozent. Diese Quote werde sich auf 62,7 Prozent im Jahr 2020 verringern. Allerdings soll auch der Anteil der Menschen, die ohne Ausbildung bei einem Dienstleister arbeiten, von aktuell 4,7 auf 3,1 Prozent sinken. Das hätte zur Folge, dass Menschen ohne abgeschlossene Ausbildung keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt haben werden.

Von der Decken sprach sich für die Ausbildung im eigenen Unternehmen aus. Azubis seien ein wesentlicher Teil der Zukunft. Sie auszubilden bedeute, dem Fachkräftemangel aktiv entgegenzuwirken. Woher die Auszubildenden auch stammten, sie müssten sich den Gegebenheiten der Unternehmen anpassen. „Bei der Creditreform Hamburg haben rund 25 Prozent der Mitarbeiter einen Migrationshintergrund. Ohne sie könnte ich mir unseren Betrieb nicht vorstellen, denn sie sind eine maßgebliche Stütze unseres Unternehmens“, so von der Decken.

Herausforderung betriebliche Integration

„Flüchtlingszahlen wie im Jahr 2015 bringen die Gesellschaft, die Politik und auch die Wirtschaft an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Vor dieser Realität dürfen wir die Augen nicht verschließen, sondern sachorientiert nach Lösungen suchen“, betonte Dr. Kruse. „Was wir jetzt benötigen, ist ein handlungsfähiger und starker Staat. Wir brauchen eine effiziente staatliche Integrationspolitik im Inneren und eine nachhaltige Entwicklungspolitik im Äußeren. Ein Zeichen wäre ein Bundesministerium für Integration und Entwicklung“, sagte Kruse weiter.

Mehrheit der Dienstleister ist bereit, Flüchtlinge zu beschäftigen

Laut Umfrage haben in Norddeutschland und Hamburg fast 90 Prozent der Dienstleister auf Unternehmensebene derzeit noch keinen Kontakt zu Flüchtlingen. Die Erfahrungen mit Flüchtlingen, die 10,6 Prozent der Unternehmen gemacht haben, sind demnach sehr unterschiedlich: Viele Flüchtlinge seien integrationswillig und entwickelten sich zu einer festen Größe im Betrieb. Andere zeigten sich wenig kooperativ und man habe sich wieder getrennt. Insgesamt sei der Wunsch, Flüchtlinge in die Arbeitswelt zu integrieren, hoch, so Kruse.

Rund 68 Prozent der unternehmensnahen Dienstleister in Norddeutschland (beziehungsweise 74 Prozent in Hamburg) können sich vorstellen, Flüchtlinge in ihrem Unternehmen aufzunehmen – ob als Praktikanten (das gaben 40 Prozent an), Auszubildende (45 Prozent) oder Festangestellte (39 Prozent). Aber es bestehe auch der Einstellungswunsch nach Auszubildenden, die von der Agentur für Arbeit unterstützt werden – rund 29 Prozent könnten sich solch ein Anstellungsverhältnis vorstellen. Hospitanten und nicht geförderte Auszubildende liegen am Ende der Liste.


 


 

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