Sie sind hier: Startseite Hamburg Recht & Steuern
Weitere Artikel
E-Commerce-Wirtschaft

Neue Finanzamtspraxis führt zu Steuernachforderungen bei Onlinehändlern

Eine neue Prüfpraxis von Finanzämtern bezüglich Onlinemarketingmaßnahmen kann zu überraschenden Steuernachforderungen bei Onlinehändlern führen, teilt der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. mit und fordert ein Einschreiten des Bundesfinanzministeriums.

Bei einzelnen Finanzämtern, so etwa in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, lässt sich laut dem Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh) neuerdings eine veränderte Vollzugspraxis beobachten: Onlinemarketing unter Einschaltung von nicht in Deutschland ansässigen Unternehmen wird nicht mehr als Dienstleistung, sondern als „Nutzungsüberlassung von Rechten und ähnlichen Erfahrungen“ im Sinne von § 49 Abs. 1 Nr. 9 Einkommensteuergesetz (EStG) deklariert. Einkünfte daraus wären dann mit einem Steuersatz von 15 Prozent quellensteuerpflichtig im Sinne des § 50a EStG.

Die neue Prüfpraxis der Finanzverwaltung sei sachfremd und ein schwerer Schlag gegen den deutschen Mittelstand, warnt der bevh. Schon heute führe die abwegige Neuinterpretation eines seit Jahren bestehenden Gesetzes zu massiver Verunsicherung innerhalb der deutschen E-Commerce-Wirtschaft. Betroffene Unternehmen sähen sich völlig überraschend erheblichen Nachforderungen für mehrere Jahre ausgesetzt. Da diese nicht vorhersehbar waren, wurden auch keine Rücklagen gebildet.

Nachforderungen können existenzgefährdend sein

bevh-Hauptgeschäftsführer Christoph Wenk-Fischer fordert daher: „Dieser existenzbedrohenden neuen Verwaltungspraxis muss umgehend durch eine Klarstellung des Bundesfinanzministeriums Einhalt geboten werden. Steuern für das Gemeinwesen hereinzuholen ist absolut in Ordnung, aber fair, planbar und ohne rückwirkende Überraschungen muss es sein.“

Mit Schreiben vom Oktober 2017 hatte das Bundesfinanzministerium bereits Stellung zu vergleichbaren Regelungen hinsichtlich Computersoftware und Datenbanken bezogen. Mit einer entsprechenden Ergänzung und Klarstellung könnte das Ministerium der deutschen E-Commerce-Branche schnell nötige Rechtssicherheit und Verlässlichkeit zurückgeben.

„Sonst bleibt den Unternehmen nur der jahrelange Klageweg vor den Finanzgerichten bis hin zum Bundesfinanzhof“, so Wenk-Fischer weiter. „Damit würde dem aktiven Bemühen der Bundesregierung zugunsten einer weiteren Digitalisierung der Wirtschaft ein Bärendienst erwiesen.“

(Redaktion)


 


 

bevh
Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V.
Onlinehändler
Onlinemarketing
E-Commerce-Branche
E-Commerce-Wirtschaft
E-Commerce
Nutzungsüberlassung von Rechten und ähnlichen Erfahrungen
Einkommensteuergesetz

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "bevh" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: