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Blohm+Voss Repair

Ein Schiff kommt auf die „Streckbank“

Ende November 2007 ging die 187 Meter lange „Norwegian Crown“ ins Dock von Blohm+Voss Repair. Rund sechs Wochen später lief sie um 30 Meter gewachsen als „Balmoral“ wieder aus. Eine perfekte „Schönheits-Operation“

Anfang November 2007 machte sich die „Norwegian Crown“ von New York aus auf den Weg nach Hamburg. Nur rund 100 Passagiere befanden sich an Bord, aber die waren nicht zum Vergnügen gekommen. Sie hatten während der Fahrt über den Atlantik eine ungewöhnliche Aufgabe zu erledigen. Gleich nach der Ankunft im Hamburger Hafen sollte das Schiff in zwei Teile zerlegt und verlängert werden, und dafür sollten die Spezialisten von Blohm+Voss Repair schon vorher an Bord die Vorbereitungen treffen.

187 Meter lang, über 28 Meter breit und 15 Meter hoch ist das Kreuzfahrtschiff, viel Arbeit also für das Team und wenig Zeit, um Seeluft zu schnuppern, denn rund 2000 Kabel und Leitungen mussten für die Teilung der neun Decks gekappt, 40 Rohrsysteme getrennt werden. Das erforderte eine präzise Vorarbeit, bei der nichts dem Zufall überlassen werden durfte. Am 16. November traf das Schiff in Hamburg ein und wurde gleich in „Elbe 17“ bei Blohm+Voss eingedockt.

Hier wartete schon ein 30 Meter langes und 28 Meter breites „Filetstück“, der neue Mittelpunkt des Schiffes. 1800 Tonnen Stahl, mit dem Innenleben sogar 3500 Tonnen schwer, sollten hier innerhalb von nur sechs Wochen nahtlos in das Schiff integriert werden. Auf der Schichau Seebeckwerft in Bremerhaven war es am 6. Oktober vom Stapel gelaufen. In drei Monaten Bauzeit war hier an der Weser auch die neue Mitschiffssektion entstanden und ausgerüstet worden. Auf dem Seeweg wurde sie auf eigenem Kiel nach Hamburg geschleppt.

250 Mitarbeiter von Blohm+Voss Repair, mit den Zuliefererfirmen mitunter sogar bis zu 1000, machten sich an die Arbeit, um aus der „Norwegian Crown“ eine moderne, gestreckte „Balmoral“ zu fertigen. So sollte das neue Schiff heißen, das die Fred. Olsen Cruise Lines 2006 von der Norwegian Cruise Line gekauft und bis Oktober 2007 zurück gechartert hatte. Künftig sollte es unter der Flagge von Fred. Olsen fahren.

1500 Meter Stahl hatten die Werftarbeiter mit Kreissägen und Brenngeräten Deck für Deck zu trennen, bevor das 9000 Tonnen schwere Vorschiff am 21. November vom Achterschiff abgezogen werden konnte. Nur zwei Tage später wurde die Mitschiffssektion präzise zwischen die beiden Schiffsteile eingepasst. Schon drei Tage später konnte das Vorschiff wieder zurückgezogen werden. Eine logistische Meisterleistung, die nur deshalb funktionierte, weil alle beteiligten Bereiche wie Konstruktion, Einkauf und Fertigung Hand in Hand arbeiteten.

Die alte „Norwegian Crown“ war nun von 187,71 auf 217,91 Meter „gewachsen“. Mit der neuen Sektion wurden 186 weitere Kabinen für die Passagiere und 56 für die Besatzung geschaffen, außerdem 60 neue Balkone installiert und diverse öffentliche Bereiche neu gebaut. 160 Kilometer Kabel haben die Arbeiter verlegt. Am 18. Januar 2008 waren die Arbeiten soweit beendet, dass die „Balmoral“ auf Probefahrt gehen konnte. Vier Tage später wurde der Kreuzfahrer in Dover offiziell abgeliefert. Weniger als zwölf Wochen hatten die Verlängerung und die Schönheitskur gedauert. Am 30. Januar konnten die ersten Passagiere an Bord gehen und ihre Kreuzfahrt zu den Kanarischen Inseln genießen. Danach ging es über den Atlantik nach Florida.

Schon als das Schiff den Hamburger Hafen verließ, erinnerte nichts mehr an die alte Silhouette des Kreuzfahrtschiffes. Das Teilstück ist perfekt eingepasst und macht das Schiff noch eleganter. Auch innen merken die Passagiere nicht, dass ihr Schiff gestreckt wurde.Die professionelle Verlängerung der „Balmoral“ war so erfolgreich, dass die Fred. Olsen Cruise Lines auch das Schwesterschiff „Braemar“ in Hamburg verlängern ließ. Von Mitte Mai bis Anfang Juli 2008 wurde eine 31,20 Meter lange Sektion eingefügt. Sie wuchs damit von 163,80 auf 195 Meter.

Seit 1877 steht der Name Blohm+Voss für Qualität im Schiff- und Maschinenbau. Die traditionsreiche Hamburger Werft, die zum Verbund Thyssen Krupp Marine Systems gehört, stellt auf höchstem Niveau Produkte für den Weltmarkt her. Blohm+Voss Repair sind die Spezialisten für Umbau und Reparatur. Dank technischen Know-hows, exzellenter Ingenieursleistungen, modernster Fertigungstechniken und innovativer Technologien nimmt das Unternehmen eine herausragende Stellung auf dem Weltmarkt ein. Schon vor mehreren Jahren wurden auf der Werft die Kreuzfahrtschiffe „Black Watch“ und „Boudicca“ erfolgreich erneuert.

Für die „Balmoral“ begann nach dem Umbau eine neue Ära. Gebaut wurde sie 1988 auf der Papenburger Meyer Werft für die Reederei Royal Cruise Line. Unter dem Namen „Crown Odyssey“ kreuzte sie acht Jahre lang in der Karibik, allerdings bereits seit 1989 für einen neuen Eigentümer, die Norwegian Cruise Line (NCL). Sie taufte den Kreuzfahrer 1996 in „Norwegian Crown“ um. Im April 2000 erwarb NCL die Reederei Orient Lines und gab das Schiff, das nun wieder seinen Ursprungsnamen annahm, in deren Dienste. Nach einem Umbau 2003 war sie bis Ende Oktober 2007 erneut als „Norwegian Crown“ für NCL auf den Weltmeeren unterwegs.

Michael Bellmann, Text aus "Cruise Liner in Hamburg"

(Redaktion)


 


 

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