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  • 17.01.2020, 08:27 Uhr
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  • Hamburg
Erneuerbare Energien

HWWI: Europa kann Standard für den Rückbau von Offshore-Windkraftanlagen setzen

Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut HWWI sieht gerade für Norddeutschland und Hamburg gute Chancen, sich bei der Entwicklung innovativer Konzepte für den Rückbau veralteter Windkraftanlagen an Land zu profilieren.

Das Forschungsinstitut HWWI hat im Rahmen des Interreg-Nordseeprojekts „Decom Tools“ eine Marktanalyse verfasst, die sich mit Offshore-Windenergie und -Rückbau im Nordseeraum beschäftigt. „Offshore” bedeutet sowohl an Land als auch vor der Küste.

In einer Pressemitteilung dazu heißt es, angesichts dessen, dass Offshore-Windenergie weiterhin ein hohes Wachstumspotenzial besitze, habe Europa die Chance, beim Rückbau veralteter Anlagen den weltweiten Standard zu setzen. „Gerade für Norddeutschland ergeben sich hier große Chancen – wenn die entsprechenden Herausforderungen zeitnah gelöst werden.”

Die meisten Offshore-Windkraftanlagen sind laut Information auf eine Lebensdauer von 20 bis 25 Jahren ausgelegt. Im Anschluss werde jede Anlage entweder durch neue Komponenten ersetzt oder in Gänze zurückgebaut, wobei auf eine sorgfältige Entsorgung der einzelnen Bauteile zu achten sei.

Windkraftanlagen werden zunehmen

Der HWWI-Marktanalyse zufolge wird die Anzahl infrage kommender Windkraftanlagen ab 2020 stetig zunehmen. „Obwohl die Offshore-Windenergie eine junge Industrie ist, ist die Zahl der betroffenen Anlagen unerwartet groß“, sagt Mirko Kruse, Ökonom und Projektmitarbeiter am HWWI. Denn die Marktanalyse zeige, dass 22 Offshore-Windturbinen im Jahr 2020, 80 Turbinen 2022 und 123 Turbinen 2023 ausgewechselt oder zurückgebaut werden müssen.

Europa als Pionier der Offshore-Windenergie besitzt die ältesten Anlagen. Laut HWWI bestehe die Möglichkeit, den globalen Standard zum Rückbau dieser Anlagen zu setzen. Voraussetzung für eine erfolgreiche Abwicklung sei neben abgestimmten logistischen Prozessen und neuartigen Recycling-Verfahren für Verbundmaterialien in den Flügeln auch eine entsprechende Infrastruktur.

Seehäfen als Standortvorteil

„Insbesondere Norddeutschland kann mit seinen Seehäfen wichtige Anlaufstellen für zukünftige Aktivitäten in diesem Bereich schaffen und mit den nachgelagerten Verarbeitungsstufen einen signifikanten Teil der Wertschöpfungskette anziehen“, sagt Isabel Sünner, Projektverantwortliche und Leiterin Internationale Kooperation am HWWI. „Neben infrastrukturellen Engpässen fehlt es allerdings absehbar an qualifiziertem Personal, um den Rückbauprozess zu begleiten. Wenn sich jedoch die Häfen und nachgelagerten Industrien jetzt zeitnah auf die kommenden Herausforderungen einstellen, ergibt sich ein neues Betätigungsfeld für die norddeutschen Standorte“, so Sünner.

Im Projekt „Decom Tools“ arbeiten Partner aus Deutschland, Dänemark, Belgien, den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich und Norwegen über vier Jahre zusammen. Das Projekt wird durch das Interreg-Nordseeregion-Programm der Europäischen Union gefördert. Das Gesamtbudget liegt nach HWWI-Angaben bei rund 4,7 Millionen Euro.

(Redaktion)


 


 

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