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Nord-Länder verabschieden „Norddeutsche Wasserstoffstrategie”

Die fünf Küstenländer Norddeutschlands wollen bis 2035 eine gemeinsame Wasserstoffwirtschaft aufbauen. Dabei hoffen sie auf Rückenwind aus dem Bund.

Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein setzen auf den Aufbau einer gemeinsamen norddeutschen Wasserstoffwirtschaft als Säule der Energie- und Verkehrswende. Bei ihrem Treffen am 7. November 2019 in Lübeck haben die Wirtschafts- und Verkehrsminister der fünf Küstenländer eine gemeinsame „Norddeutsche Wasserstoffstrategie” beschlossen. Zugleich forderten die Ressortchefs die Bundesregierung auf, ihren Vorstoß zu unterstützen und in die vom Bund für Ende des Jahres angekündigte nationale Wasserstoffstrategie einfließen zu lassen.

„Mit unserer Strategie zeigen wir einen Weg auf, wie die Wasserstoffpotenziale insbesondere im Bereich der Industrie und der Mobilität gehoben werden können”, sagte der schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz. „Gerade unsere windreichen Küstenländer sind hervorragend für dieses industriepolitische Projekt geeignet, mit dem gleichzeitig Klimaschutzziele realisiert werden können.” Ein erster wichtiger Schritt sei der Aufbau ausreichender Kapazitäten für Elektrolyse. Mit diesem technischen Verfahren kann Strom in Wasserstoff verwandelt werden.

Wasserstoff-Tankstellennetz erforderlich

Die Strategie sieht vor, bis zum Jahr 2025 mindestens 500 Megawatt und bis zum Jahr 2030 mindestens fünf Gigawatt Elektrolyse-Leistung in Norddeutschland zu realisieren. Rechnerisch ließen sich nach den Worten von Bernd Buchholz allein mit 500 Megawatt grünen Stroms aus Windparks an Land rund 151.000 Pkw mit grünem Wasserstoff versorgen. Darüber hinaus sei parallel zum derzeitigen Aufbau von E-Ladesäulen der Aufbau eines Wasserstoff-Tankstellennetzes nötig. Hierfür erachten die Ressortchefs laut Mitteilung eine Größenordnung von rund 250 Tankstellen in Norddeutschland für nötig.

Hamburgs Wirtschafts- und Verkehrssenator Michael Westhagemann betonte: „Mir ist Wasserstoff ein Herzensanliegen, und ich denke, die Zeit ist endlich reif, dass wir uns gemeinsam auf den Weg machen – nicht mehr nur mit allgemeinen Entschließungen, sondern ganz praktisch und Hand in Hand. Die Norddeutsche Wasserstoffstrategie soll hierfür unser politisches Bekenntnis ausdrücken und die Leitplanken setzen. Darauf warten die Akteure aus der Wirtschaft, denn sie stehen bereit, um ihren Beitrag zu leisten.”

Den notwendigen Rückenwind für den gemeinsamen Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft müsse nach den Worten Michael Westhagemanns der Bund beisteuern. „Deshalb werden wir mit diesem Strategiepapier zeitnah auf die Bundesregierung zugehen, unsere Entschlossenheit hier in Norddeutschland verdeutlichen und den Bund auffordern, zügig die Weichen in Richtung Zukunft – in Richtung Wasserstoff zu stellen.“

Norddeutsche Standortvorteile auf einen Blick

Im Einzelnen verwiesen die Minister und Senatoren auf folgende Standortvorteile des Nordens beim Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft:

  • hohe Erzeugungskapazitäten für On- und Offshore-Windstrom (auf dem Festland bzw. auf hoher See, Anm. Redaktion) mit weiterem Ausbaupotenzial,
  • unterirdische Formationen zur Speicherung von Wasserstoff,
  • Seehäfen, die künftig eine wesentliche Rolle bei Import und Verteilung von grünem Wasserstoff und synthetischen Energieträgern sowie bei der Nutzung von Wasserstoff und dem Export von Wasserstofftechnologien und -komponenten spielen werden,
  • maritime Unternehmen und wissenschaftliche Expertise sowie
  • Industriezweige mit erheblichen Erfahrungen im Umgang mit Wasserstoff,
  • zusätzliches Know-how wird in den sechs norddeutschen „Reallaboren der Energiewende“ aufgebaut.

„ Schlüsselenergieträger der Energiewende”

Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsstaatssekretär Dr. Stefan Rudolph machte deutlich, dass die Energiewende nur mit einer umfassenden Sektorenkopplung gelingen könne: „Der Aufbau einer grünen Wasserstoffwirtschaft ist eine wirtschafts- und strukturpolitische Chance für die Küstenbundesländer. Denn: Grüner Wasserstoff ist ein Schlüsselenergieträger der Energiewende. Entscheidend ist es dabei, das der Onshore- und Offshore-produzierte Strom aus nachhaltigen Energiequellen gespeichert werden kann und ihn für andere Bereiche – wie beispielsweise Industrie und Verkehr – nutzbar zu machen. Hier liegt Potenzial für mehr Wertschöpfung und auch für zukunftsfähige Arbeitsplätze. Deshalb müssen wir gemeinsam die Wasserstoffstrategie zügig vorantreiben und umsetzen.“

Friederike C. Kühn, Vorsitzende der IHK Nord und Präses der IHK zu Lübeck, sagte in einer Stellungnahme zur Verabschiedung der Norddeutschen Wasserstoffstrategie, damit sei Norddeutschland Vorreiter im Bundesgebiet, was die Bedeutung des Nordens für die Energiewende insgesamt unterstreiche. Die IHK Nord setze darauf, dass diese Strategie „nun auch ihren Widerhall in der nationalen Strategie findet”. Die zwölf Mitgliedskammern der IHK Nord unterstützen ihre jeweiligen Landesregierungen nach den Worten Kühns „gern bei der Konkretisierung und Umsetzung der dargelegten Aspekte”.

Die Norddeutsche Wasserstoffstrategie vom 7. November 2019 ist hier im pdf nachzulesen:
www.hamburg.de/contentblob/13179812/f553df70f865564198412ee42fc8ee4b/data/wasserstoff-strategie.pdf

(Redaktion)


 


 

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