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Start-up will mit Smartphone-App Geldtransfer nach Afrika erleichtern

Das Start-up „re:new“ an der Universität Hohenheim will Migranten durch innovative Nutzung von Kryptowährungen helfen, die Kosten für Überweisungen nach Afrika zu senken. Das Bundeswirtschaftsministerium unterstützt das Projekt mit einem Gründerstipendium.

Finanzielle Unterstützung in Afrika leisten nicht nur Entwicklungshilfegeber oder internationale Investoren: Der mit Abstand größte Finanzstrom geht laut Mitteilung der Universität Hohenheim in Stuttgart von afrikanisch-stämmigen Migranten aus, die in Industrienationen leben. Demnach überwiesen sie 2017 einen Rekordbetrag von 69 Milliarden Euro an Angehörige oder Bekannte in ihren Herkunftsländern.

UN-Ziel: Gebühren unter drei Prozent

Das Problem: Die Gebühren für diese Überweisungen liegen bei durchschnittlich 8,7 Prozent der Transfersumme. Die Vereinten Nationen (UN) fordern, die Kosten für Überweisungen in Entwicklungs- und Schwellenländer auf unter drei Prozent zu senken.

Ein dreiköpfiges Gründerteam an der Universität Hohenheim will diese Herausforderung jetzt mithilfe einer neuartigen Nutzung von Kryptowährungen in Angriff nehmen. 2019 will das Start-up re.new eine Smartphone-App auf den Markt bringen, die einen sicheren, bequemen und schnellen Geldtransfer „zu fairen Konditionen“ zunächst nach Nigeria ermöglicht. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert die ambitionierten Jungunternehmer jetzt ein Jahr lang mit einem Exist-Gründerstipendium.

Erfahrungen aus erster Hand

Einer der drei Gründer, Ernest Eze, kennt das Problem aus eigener Anschauung: Er kam als Kind mit seinen Eltern aus Nigeria nach Deutschland. Seitdem unterstützen seine Eltern die noch dort lebenden Verwandten finanziell. „Genauso lange ärgern sie sich über die horrenden Gebühren, die bei den Überweisungen nach Nigeria anfallen und über den unvermeidlichen Gang zu einer Geldtransfer-Geschäftsstelle“, sagt Ernest Eze. Ein weiteres Problem sei die lange Überweisungsdauer: „In Notfällen, zum Beispiel, wenn es darum geht, eine Vorauszahlung für eine dringend benötigte medizinische Behandlung zu leisten, kann das wirklich kritisch sein.“

Dieses Problem hat große Dimensionen: Migranten, die in Industrienationen leben, überwiesen 2017 laut Weltbank weltweit über 600 Milliarden Euro in ihre Herkunftsländer, um Angehörige oder Bekannte zu unterstützen, so viel wie nie zuvor. Auf Afrika entfielen davon rund 69 Milliarden Euro. Tendenz weiter steigend. „Der Betrag übertrifft sowohl Entwicklungshilfezahlungen als auch ausländische Investitionen bei Weitem und hat für die Volkswirtschaft vieler afrikanischer Länder eine entscheidende Bedeutung“, so die Universität Hohenheim.

„Wenige große Konzerne wie Western Union oder Money Gramm nehmen in dem sogenannten Remittance Markt eine Quasi-Monopolstellung ein und geben anfallende Kosten direkt an Kunden weiter“, erklärt Start-up-Mitbegründer Julian Schulz. Onlinelösungen wie zum Beispiel Paypal könnten in der Regel nicht genutzt werden, da ihr Fokus nicht im Bereich der Rücküberweisungen nach Afrika liegt.

Start mit Nigeria

In diese Marklücke will re:new vorstoßen. Mitte des Jahres wollen sie eine Smartphone-App auf den Markt bringen, die Geldtransfer nach Afrika auf völlig neuartige Weise ermöglicht: ohne Zeitverzögerung, ohne Gang zu einer Geschäftsstelle und vor allem ohne überteuerte Gebühren. „Zunächst liegt unser Fokus ausschließlich auf Überweisungen nach Nigeria. Nach erfolgreichem Auftakt wollen wir das Angebot in Zukunft dann aber sukzessive auch auf andere Staaten ausweiten“, erläutert Schulz.

Möglich würden die günstigen Gebühren durch eine intelligente und dynamische Verknüpfung verschiedener Kryptowährungen wie Bitcoin, Ether oder Stellar. Die Kryptowährungen würden nicht zur Spekulation genutzt, sondern als Medium für den digitalen Zahlungsverkehr, heißt es in der Mitteilung. „Blockchains ermöglichen es, transnationalen Geldtransfer sicher durchzuführen, ohne dabei auf Banken als teure Vermittlungsinstitutionen zurückgreifen zu müssen. Die Nutzer gehen dabei kein Risiko ein: Denn Kursschwankungen der Kryptowährungen spielen bei diesen Transaktionen quasi keine Rolle.“ Bisherige Schwachstellen des Zahlungsverkehrs mit Kryptowährungen sollen unter anderem durch einen neuartigen Algorithmus behoben werden.

Bisher nutzt vor allem eine kleine digitale Avantgarde Kryptowährungen als Überweisungsmedium. Mit einer einfach zu bedienenden, nutzerfreundlichen App wollen Ernest Eze, Julian Schulz und der Dritte im Bunde, der Blockchain-Spezialist Martin Lowinski aus Berlin, die Technologie nun auch einem breiteren Nutzerkreis zugänglich machen.

(Redaktion / Universität Hohenheim)


 


 

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