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  • 06.03.2020, 08:50 Uhr
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Wirtschaftsauskunftei

Firmeninsolvenzen 2019: Hamburg legt gegenüber Vorjahr am stärksten zu

Mit bundesweit 19.005 Unternehmen ist die Anzahl der gemeldeten Insolvenzen im letzten Jahr zum neunten Mal in Folge gesunken. Das ergab die Auswertung einer Studie der Wirtschaftsauskunftei Crifbürgel. In diesem Szenario verzeichnet Hamburg 2019 gegenüber 2018 prozentual gesehen den stärksten Anstieg an Firmeninsolvenzen. Woran liegt das? Business-on.de fragte Ingrid Riehl, Geschäftsführerin der Crif Bürgel GmbH.

Business-on.de: Frau Riehl, wie steht Hamburg bei Firmeninsolvenzen im bundesweiten Vergleich da?

Ingrid Riehl: In absoluten Zahlen gesehen, liegt Hamburg im bundesweiten Vergleich mit 80 Firmeninsolvenzen je 10.000 Unternehmen auf Platz 4 der Bundesländer. Die Hansestadt liegt hinter dem Spitzenreiter Berlin mit 90 Unternehmen, dem Saarland mit 85 Unternehmen und Nordrhein-Westfalen mit 82 Unternehmen je 10.000 Unternehmen.

Verglichen mit 2018 sind die Firmeninsolvenzen 2019 etwa in Thüringen zweistellig gesunken. In Hamburg gab es mit 673 Insolvenzen im Jahr 2018 und 748 Insolvenzen im Jahr 2019 einen Anstieg um 11,1 Prozent - der stärkste von allen Bundesländern.

Business-on.de: Welche bekannteren Unternehmen sind in Hamburg in Schieflage geraten?

Ingrid Riehl: Der Windturbinen-Hersteller Senvion hat im letzten Jahr Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen gehört 2019, was auf jeden Fall die Anzahl der Mitarbeiter betrifft, zu den Top-Ten-Insolvenzen in Hamburg. Bekannt in der Hansestadt sind sicherlich das Autohaus Willy Tiedtke und der Taschenhersteller Bree. eBlocker ist ein Beispiel für ein Start-up, das im letzten Jahr in die Insolvenz gegangen ist.

Wichtig in diesem Zusammenhang: Insolvenzanmeldung muss nicht unbedingt das Ende der Geschäftstätigkeit bedeuten. Manche Firmen kommen mit einem Investor an ihrer Seite wieder zurück, bzw. gründen sich neu.

Business-on.de: Hamburg ist neben Berlin ein Hotspot für Start-ups. Macht sich das in der Insolvenzstatistik bemerkbar?

Ingrid Riehl: Wo viel gegründet wird, gibt es viele Unternehmen, die früher scheitern. Dies belegen auch unsere Zahlen. Im Jahr 2019 mussten in Hamburg 167 Unternehmen Insolvenz anmelden, die nicht länger als zwei Jahre am Markt waren. Dies entspricht einem Anteil von 22,3 Prozent. Knapp jede vierte Insolvenz geht auf das Konto eines Start-ups. In Deutschland beträgt der Anteil nur 13,7 Prozent.

Gerade Neugründungen von Jungunternehmern müssen erst am Markt Fuß fassen. Das gelingt nicht immer. Nicht fertige Geschäftsideen mit unausgewogenen Vorstellungen über die künftige Kundengruppe, unausgereifte Produkte und überhöhte Umsatzerwartungen sind häufig die Ursachen, dass Unternehmensgründungen nicht wie geplant zustande kommen oder die entsprechenden Firmen schon früh scheitern.

Business-on.de: Welche Größenordnung hatten die Insolvenzen in Hamburg?

Ingrid Riehl: In Hamburg waren die Schadensfälle pro Insolvenz überdurchschnittlich hoch. Insgesamt lagen die durch Insolvenzen verursachten Schäden bei 4,4 Milliarden Euro. Das entspricht im Durchschnitt 5,8 Millionen Euro pro Schadensfall. Im Durchschnitt entstanden in Deutschland für die Gläubiger Forderungsausfälle von knapp 1,3 Millionen Euro pro Insolvenz. Große Insolvenzen forcieren den Dominoeffekt auf viele Unternehmen der folgenden Lieferkette.

Business-on.de: Gab es Sondereffekte?

Ingrid Riehl: Ein dritter Grund ist rein statistischer Natur. 2018 sind die Insolvenzen in Hamburg mit 9,4 Prozent überdurchschnittlich stark gesunken. Da ist es klar, dass es im Folgejahr, also 2019, zu leichten Aufholeffekten kommen kann.

Business-on.de: Vielen Dank für das Interview, Frau Riehl.

(Redaktion)


 


 

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