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Forschungsprojekt

„Genschalter“ für gesundes Altern entdeckt

In einem gemeinsamen Forschungsprojekt der niederländischen Stadt Groningen und der Hansestadt Hamburg entwickeln Wissenschaftler neue Therapien für bessere Fitness im Alter. Das zunächst auf ein Jahr beschränkte Projekt wird von beiden Städten mit jeweils 55.000 Euro gefördert.

Der Fraunhofer IME ScreeningPort Hamburg und das Europäische Forschungsinstitut für die Biologie des Alterns ERIBA (Universitätsklinikum Groningen/Niederlande) haben am Anfang November ein gemeinsames Projekt zur Altersforschung gestartet. Dafür unterzeichneten die Zweite Bürgermeisterin und Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung, Katharina Fegebank, und der Vizebürgermeister Groningens, Joost van Keulen, eine entsprechende Vereinbarung. Ziel der strategischen Zusammenarbeit sei es laut Mitteilung, neue Wirkstoffe zu entwickeln, die durch Beeinflussung des Stoffwechsels ein gesünderes Altern fördern und gegen Krebs eingesetzt werden können.

Katharina Fegebank wies aus diesem Anlass darauf hin, dass die Alterungsforschung für die immer älter werdende Gesellschaft eine entscheidende Rolle spiele: „Mit den Ergebnissen des Forschungsprojekts können neue Therapie- und Präventionsansätze in der Alterungsmedizin entwickelt werden, wovon nicht nur die Menschen in der Metropolregion Hamburg profitieren.“

Ansatz: reduzierte Kalorienzufuhr verbessert Gesundheit

Das erste gemeinsame Projekt zwischen dem Fraunhofer IME ScreeningPort und ERIBA zielt auf die Identifizierung von kleinen Molekülverbindungen ab, die in ihrer Wirkung mit der einer verringerten Kalorienzufuhr vergleichbar sind. Das Projekt basiert auf der Entdeckung eines genetischen Schalters durch ein ERIBA-Team. Bei einer reduzierten Kalorienzufuhr werde dieser abgeschaltet, was zu gesundheitlichen Verbesserungen führe. Der Fraunhofer IME ScreeningPort habe zusammen mit ERIBA ein leistungsstarkes Screeningsystem entwickelt, um Medikamente zu finden, die auf diesen Mechanismus abzielen.

Dr. Ole Pless, Projektleiter Fraunhofer IME ScreeningPort, erklärte, die strategische Allianz ermögliche es den Forschern, „die bekannte Kluft zwischen Grundlagenforschung und deren Übersetzung in die pharmakologische Anwendung zu überbrücken, insbesondere für altersbedingte Krankheiten“.

Prof. Dr. Cornelis Calkhoven, Projektleiter ERIBA: „Unser Ansatz ist von enormen Interesse für die breite Öffentlichkeit, da der altersbedingte Verfall der Gesundheit und altersbedingte Krankheiten einschließlich Krebs eine zunehmende Belastung für unsere Gesellschaften darstellen werden. Es ist unser Ziel, dem Auftreten altersbedingter Erkrankungen entgegenzuwirken und diese so weit wie möglich zum Lebensende hin zu verlagern.“

Wissenschaftliche Studien belegen, dass eine Verringerung der Kalorienzufuhr die Gesundheit verbessern und die Lebensdauer verlängern kann. Eine Beschränkung der Kalorienzufuhr zeigt ähnlich positive Effekte in Modellorganismen wie Mäusen, Fliegen und Würmern. Außerdem könnte eine verringerte Kalorienzufuhr das Krebsrisiko verringern. Diese Ergebnisse geben Anlass zu der Hoffnung, dass auch die menschliche Gesundheit und Lebensdauer verbessert werden kann. Dazu hat sich bereits ein neuer stark wachsender Produkt-Markt entwickelt. Allerdings gibt es eine Vielzahl von oft gegensätzlichen Ratschlägen, wie Ernährungsstrategien gesundes Altern ermöglichen sollen.

Entwicklung von Medikamenten mit Potenzial für Krebsbekämpfung

Bisher ist jedoch nicht umfassend geklärt, wie biologische Mechanismen genutzt werden können, um wissenschaftlich fundierte Strategien gegen altersbedingten körperlichen Verfall und damit einhergehende Krankheiten zu entwickeln. Ziel der strategischen Allianz Hamburg-Groningen ist es daher, mögliche zelluläre Angriffspunkte der verringerten Kalorienzufuhr zu entdecken und gezielt Medikamente zu entwickeln, die wie eine Kalorienreduzierung wirken und so das Potenzial zur Krebsbekämpfung haben.

ERIBA ist ein Forschungsinstitut, das sich der Grundlagenforschung der Biologie des Alterns und der Ursachen altersbedingter Krankheiten widmet. Gegenwärtig forschen am ERIBA 13 unabhängige Forschungsgruppen, die sich auf eine Vielfalt von Forschungsthemen konzentrieren und eine Vielzahl von Modellsystemen und aktuelle Technologieplattformen nutzen.

Das Fraunhofer IME betreibt Forschung auf dem Gebiet der angewandten Lebenswissenschaften von der molekularen Ebene bis zu ganzen Ökosystemen in den Bereichen Pharmazie, Medizin, Chemie, Landwirtschaft sowie Umwelt- und Verbraucherschutz. Die Aufgabe ist die Entwicklung und Anwendung neuartiger Technologien zur Diagnose und Therapie von Mensch- und Tierkrankheiten sowie zum Schutz von Kulturpflanzen und Nahrungsquellen. Seit 2014 ist der IME ScreeningPort mit seinen Laboren in Hamburg, Deutschland, Teil des Fraunhofer IME mit rund 650 in seinen weltweiten Laboratorien.

(Brigitte Muschiol)


 


 

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