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Freiwillige Feuerwehr

Immer mehr Arbeitgeber verbieten Beschäftigten Einsätze bei der Freiwilligen Feuerwehr

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Arbeitgeber in Norddeutschland verbieten immer häufiger Einsätze ihrer Beschäftigten bei den Freiwilligen Feuerwehren. Sie bringen mit diesem Verhalten die Brandschützer in große Personalnot und gefährden die Bevölkerung. Dies haben Recherchen der Sendung "Menschen und Schlagzeilen" ergeben.

"Es gibt zunehmend Schwierigkeiten bei der Freistellung von Feuerwehrkräften im Einsatz. Die Situation hat sich in Deutschland verschärft", so der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, Hans-Peter Kröger, in der Sendung "Menschen und Schlagzeilen". Einzelne Wehren seien tagsüber nur bedingt oder sogar überhaupt nicht mehr einsatzbereit. Dies führe dazu, dass bei Unfällen oder Bränden mittlerweile Feuerwehren aus drei oder vier Orten gleichzeitig alarmiert werden, um überhaupt genügend Helfer zusammenzubekommen.

Den Unmut der Chefs bekommen Feuerwehrleute oft schon im Vorstellungsgespräch zu spüren. "Da wurde gleich gesagt: Also während der Arbeitszeit losfahren, das würde überhaupt nicht funktionieren", sagte ein Feuerwehrmann in "Menschen und Schlagzeilen". Wer dennoch zum Einsatz ausrücke, würde in den Betrieben schikaniert und von den Chefs massiv unter Druck gesetzt - so der Bericht eines Wehrführers.

Aus Angst um ihren Arbeitsplatz nehmen offenbar viele Feuerwehrleute dies hin. Einige gaben an, sogar ihren Alarmpieper zu Hause zu lassen, um keinen Ärger im Betrieb zu bekommen. Oder sie ignorieren die Alarmierung trotz großer Gewissensbisse einfach ganz: "Man weiß, man wird benötigt, es geht los. Und man liest dann vielleicht: Verkehrsunfall und Person in Gefahr. Und man darf halt nicht los, weil der Arbeitgeber nein sagt", sagte ein Feuerwehrmann in "Menschen und Schlagzeilen", der aus Angst vor seinem Arbeitgeber unerkannt bleiben möchte.

Dabei sind Arbeitgeber durch das Brandschutzgesetz verpflichtet, Wehrleute für die Dauer des Einsatzes freizustellen. Und sie haben sogar die Möglichkeit, sich den Ausfall des Mitarbeiters von den Gemeinden erstatten zu lassen - inklusive der Sozialversicherungsleistungen.

Auch Wirtschaftsverbände sind auf das Problem aufmerksam geworden. So appellierte der Präsident der Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein, Christoph Andreas Leicht, die Betriebe sollten das Brandschutzgesetz einhalten. Im Interview mit dem NDR Fernsehen räumte er jedoch ein: "Wir haben relativ wenig Möglichkeiten, außer der Aufklärung natürlich, dort aktiv zu werden." Er setze aber auf die Erkenntnis und Einsichtsfähigkeit der Arbeitgeber, so Leicht weiter.

Die Feuerwehrleute sind indes skeptisch, dass sich an ihrer Situation in absehbarer Zeit etwas ändert. "Erst wenn es quasi gebrannt hat, weiß es jeder zu schätzen", sagte ein Wehrführer bei Menschen und Schlagzeilen.

(ots / NDR )



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Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Siegfried Fries/ pixelio.de


 

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