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Führungskultur

Umfrage bestätigt Nachholbedarf in Vielfalt und Geschlechterquote

Mehr als 70 Prozent der Vorgesetzten in hiesigen Unternehmen sind männlich. Allerdings lassen Frauen die Männer in Sachen Führungskompetenz hinter sich. Mehr als die Hälfte der Deutschen fühlt sich von ihren Vorgesetzten wertgeschätzt. Das sind Kernergebnisse einer Umfrage des beruflichen Netzwerks Xing zu Führungskultur.

Wie bewerten die Mitarbeitenden ihre Chefs und was erwarten sie in Zeiten von Arbeit 4.0 eigentlich von ihren Führungskräften? Dominieren die männlichen Alphatiere trotz Geschlechterquote an der Spitze weiterhin die Ebenen der deutschen Wirtschaft? Mit einer repräsentativen Online-Befragung unter, nach eigenen Angaben, mehr als 1.800 deutschen Arbeitnehmenden im Oktober 2016 ist das berufliche Netzwerk diesen und weiteren Fragen zur Führungskultur nachgegangen.

Das Ergebnis der Befragung fasst Xing zusammen: Der Kulturwandel in deutschen Unternehmen hin zu flachen Hierarchien und mehr Eigenverantwortung zeichne sich ab, aber die Führung in deutschen Unternehmen sei nach wie vor stark männlich geprägt. Gerade in Großunternehmen und Konzernen würden die Chefs den neuen selbstbewussten Anforderungen der Angestellten nur mit Einschränkungen gerecht.

Männlich dominierte Arbeitswelt

Führungspositionen auf allen Ebenen der Unternehmen bleiben laut der Umfrage eine Männerdomäne. 70,1 Prozent der befragten Beschäftigten haben einen männlichen Vorgesetzten. Nur 29,9 Prozent der Befragten arbeiten unter der Führung einer Frau. Damit entspreche die Verteilung nahezu exakt der seit 2016 geltenden Geschlechterquote für Aufsichtsräte von Großunternehmen, die vom Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend vorgeschlagen wurde. Damit sei die Verteilung über alle Führungsebenen zwar paritätischer als an der Spitze von Konzernen (27,2 Prozent), allerdings hätte der Unterschied aufgrund des gemischten Karrierelevels der Befragten (gefragt wurde nach dem direkten Vorgesetzten) durchaus größer ausfallen können.

Weniger Chefinnen in Hamburg und Schleswig-Holstein

Regional werde die Geschlechterquote sogar häufig im Schnitt über alle Führungsrollen unterschritten. In Hamburg und Schleswig-Holstein sind mehr als Dreiviertel (77,3 Prozent) aller Vorgesetzten männlichen Geschlechts – nirgendwo sonst sei der Anteil höher – knapp gefolgt von Baden-Württemberg mit 76,3 Prozent sowie Rheinland-Pfalz und das Saarland mit 72,6 Prozent. Aber es gebe auch Ausreißer nach oben: Deutlich durchmischter und vielfältiger zeigten sich viele Unternehmen in den neuen Bundesländern. Führend in Sachen Frauenanteil sind laut der Umfrage Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, wo vier von zehn (39,6 Prozent) der Chefs weiblich sind, gefolgt von 38,5 Prozent in Thüringen. In der Bundeshauptstadt Berlin werden 37,2 Prozent der Chefsessel von Frauen belegt.

Zufrieden: Mehr als die Hälfte der Deutschen fühlt sich vom Vorgesetzten wertgeschätzt

Worauf kommt es Angestellten vor allen Dingen bei ihren Personalverantwortlichen an? Die Antwort sei in der Umfrage eindeutig, heißt es. Rund jeder zweite Beschäftigte (49,1 Prozent) wünscht sich demnach zu aller erst Wertschätzung vom Chef. Unter die „Top 3“ schaffen es auch Führungskompetenz (39,0 Prozent) und die Fähigkeit, die Mitarbeitenden zu motivieren und mitzunehmen (30,0 Prozent). Gefragt nach der tatsächlich erfahrenen Wertschätzung durch den direkten Vorgesetzten bescheinigen mehr als die Hälfte (56,1 Prozent) der Befragten, dass sie eine entsprechende Aufmerksamkeit und Würdigung ihrer Person und Leistung erfahren.

Das sei eine positive Entwicklung. Denn dieser Wert sei im Laufe des vergangenen Jahres im Vergleich zur letzten repräsentativen Erhebung des beruflichen Netzwerkes aus dem April 2015 um fast vier Prozent von 52,3 Prozent angestiegen. Auch in Sachen offener Kommunikation, Authentizität und Loyalität stellten die Befragten den Chefs mehrheitlich ein gutes Zeugnis aus. Allerdings nehme die positive Bewertung mit der Größe des Unternehmens drastisch ab. Bei Konzernen mit mehr als 50.000 Mitarbeitern vergebe nicht einmal mehr jeder fünfte Befragte (18,3 Prozent) die Bestnote für Wertschätzung an ihren jeweiligen Personalverantwortlichen. Weibliche Vorgesetzte ließen ihren Mitarbeitenden laut den Umfrageergebnissen eine höhere Wertschätzung zu Teil werden. 25,6 Prozent der weiblichen Chefs erhalten die Bestnote in dieser Kategorie, während nur 22,6 Prozent der männlichen Chefs diese erreichen.

Fast Dreiviertel der deutschen Vorgesetzten geben sich kollegial

Mit dem Versprechen der flachen Hierarchie schmücken sich viele Unternehmen gerne. Doch wie schaut es hinter den Kulissen aus? Sieben von zehn Befragten (72,4 Prozent) geben zu Protokoll, dass ihnen die direkten Vorgesetzten kollegial auf Augenhöhe begegnen. Mehr als jeder vierte befragte Angestellte (27,6 Prozent) gab hingegen an, dass der Chef Wert auf einen deutlichen Abstand zu seinen Mitarbeitenden setze. Weibliche Vorgesetzte zeigten sich dabei nahbarer als ihre männlichen Pendants. Ihnen werde von fast Dreiviertel (74,0 Prozent) der Arbeitnehmenden ein kollegiales Auftreten bescheinigt, während nur 71,7 Prozent der männlichen Chefs auf ihre Mitarbeitenden zugehen. Dabei legen viele Angestellte Wert auf flache Hierarchien, da sie mehr Einflussmöglichkeiten für den Einzelnen ermöglichten. So bevorzugten nahezu Zweidrittel (64,9 Prozent) der Befragten diese Organisationsform in ihrem Arbeitsalltag. Mehr als jeder vierte Angestellte (27,6 Prozent) gehe gar einen Schritt weiter und plädiere für eine vollständig basisdemokratische Philosophie, in der sämtliche Entscheidungen im Team gefällt werden. Nur 7,4 Prozent der Angestellten wünschten sich deutliche Hierarchien zurück.

Frauen punkten in Sachen Führungskompetenz

Was ist in Deutschland wichtiger für den Aufstieg – Fachexpertise oder Führungskompetenz? An dieser Frage scheiden sich häufig die Geister. Die Ergebnisse der Umfrage ließen, so Xing, den Schluss zu, dass es stärker auf die fachliche Qualifikation ankomme. Im direkten Vergleich bewerteten die Befragten die Fachkenntnis ihrer Vorgesetzten auf jeden Fall weitaus besser als die Führungsqualitäten. Während 29,0 Prozent der Chefs Bestnoten für ihr Spezialwissen erhielten, könnten nur 22,2 Prozent mit ihrer Führungskompetenz auf ganzer Linie überzeugen. Das gelte sowohl für Frauen als auch für Männer. Allerdings klaffe bei weiblichen Chefs nicht eine so deutliche Lücke zwischen der Bewertung für Fachkenntnis (männlich: 29,9 weiblich 26,9 Prozent) und Führungskompetenz (männlich: 21,4, weiblich 24,1 Prozent).

Privater Kontakt zum Chef unerwünscht

Lassen neue flache Organisationsformen das Verhältnis zum Chef auch persönlicher und privater werden? Nicht unbedingt: Nur 30,5 Prozent der deutschen Angestellten haben auch außerhalb des Büros Kontakt zu ihren Vorgesetzen, während immerhin 71,5 Prozent der Beschäftigten im Kollegenkreis privaten Austausch pflegen. Dabei spreche die Wahl der Kommunikationswege bereits eine deutliche Sprache über den jeweiligen Grad der Distanz. Während mit dem Chef bevorzugt verhältnismäßig förmlich über Telefon (73,2 Prozent) und E-Mail (52,3 Prozent) kommuniziert werde, nutzten die Befragten unter Kollegen bereits verbreitet Messaging-Dienste (48,6 Prozent) und soziale Netzwerke (21,9 Prozent). Der Kontakt mit dem Chef bliebe dabei über als privat empfundene Kanäle für die große Mehrheit ein heikles Thema. Nur 21,6 Prozent der Mitarbeitenden hießen ihren Vorgesetzten etwa in der Messaging-Gruppe des Teams willkommen.

Nur rund ein Fünftel der Angestellten möchten den Job ihres Chefs machen

Müssen sich die Chefs bei all den Umwälzungen in der Arbeitswelt denn Sorgen machen, dass sie bald überflüssig sind oder gar abgelöst werden? Offenbar sind sich viele Beschäftigte den Herausforderungen von Führungsaufgaben bewusst oder streben sie nicht an. Lediglich eine kleine Minderheit von 18,1 Prozent der Befragten möchte nach ihren Ambitionen gefragt in die Rolle des eigenen Chefs schlüpfen. Bemerkenswert dabei: Frauen (11,1 Prozent) und ältere Mitarbeiter über 50 Jahre (12,3 Prozent) zeigten im Schnitt weniger Interesse als der durchschnittliche Arbeitnehmer, den Job vom Chef zu übernehmen.

(Redaktion)


 


 

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