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KNIGGE II

Ein Fettnapf kommt selten allein

Sie sind zu einer Geschäftseröffnung eingeladen. Sind Sie sich der Fettnäpchen bewusst, die bei solch einer Veranstaltung lauern?

Einladung zu einer Geschäftseröffnung

Eine große Firma eines kleinen Landes eröffnet eine Geschäftsstelle in London. Büroräume, natürlich in bester Lage, werden präsentiert, eine Pressekonferenz wird abgehalten, das übliche Pipapo. Mittags sind die Spitzen der britischen Wirtschaft zu einem festlichen Essen in einem bekannten Fünf-Sterne-Hotel eingeladen, bei dem der Repräsentant vorgestellt werden soll.

Dieser betritt den Festsaal in letzter Sekunde in der Hand einen Blumenstrauß.

Am Eingang des Saales hält ein Ober ein Blatt Papier mit der Sitzordnung in Händen, um die Gäste über den für sie vorgesehenen Platz zu informieren. Hektisch reißt der Repräsentant dem Ober die Sitzordnung aus der Hand, weil er meint, es wären noch kleine Änderungen notwendig. Die ersten Gäste treffen ein, der Repräsentant schleicht um die Tische und wechselt Kärtchen aus, in der Hand den Blumenstrauß.

Der Blumenstrauß ist für die Frau des Botschafters gedacht. Denn diese Dame kennt und verehrt er, außerdem weiß er, dass sie Blumen sehr schätzt. Da der Botschafter äußerst behilflich bei der Kontaktaufnahme zu britischen Persönlichkeiten war, ist ein Dank für die Gemahlin der Exzellenz doch angebracht, meint er.

Der Repräsentant erblickt die Gemahlin der Exzellenz und beglückt sie mit den Blumen. Die Dame, etwas irritiert überlässt das Gebinde dem daneben stehenden Ober.

Die Gäste nehmen Platz: Das heißt, sie bemühen sich redlich, denn durch das Umwechseln der Kärtchen stimmt die Tischordnung nicht mehr mit dem Aushang überein: Der Rest ist Chaos. Ein hochrangiges Mitglied der Geschäftsleitung sitzt neben dem Botschafter. Stolz erzählt er diesem von sei- nem neuesten Buch, und wie der Zufall es will, hat er gerade eines dabei. Seine Aktentasche steht unter dem Tisch, daraus zaubert er das Werk und prä- sentiert es dem Botschafter Dieser bedankt sich für das vermeintliche Geschenk. Das Mitglied der Geschäftsleitung hingegen bedauert und beteuert, dass es sich um das einzige Exemplar handle, das er in London mit habe, und es daher noch gebraucht wird; er wird aber gerne eines nachsenden. Flugs wird das Buch wieder eingezogen und verschwindet in der Aktentasche unter dem Tisch.

Das Essen ist zu Ende; die Gäste würden gerne wieder in ihre Büros eilen. Der Repräsen- tant hingegen hat noch ziemlich lange Zeit bis zum nächsten Termin. Unter Hinweis auf diese Tatsache schlägt er dem Botschafter vor, auch noch ein wenig zu bleiben.

- Auszug: „Knigge, Kleider und Karriere“, Brigitte Nagiller

Wie oft ist der Gastgeber in dieser Geschichte in den Fettnapf getreten?

Auflösung:

1. Ein Gastgeber trifft niemals in letzter Sekunde ein, sondern immer rechtzeitig vor seinen Gäs- ten. Es muss genug Zeit sein, in Ruhe einen Blick auf die Tafel und die Sitzordnung zu machen.
2. In Restaurants werden keine Blumen mitgebracht. Ein Blumenstrauß kann mit einigen persön- lichen Zeilen am selben oder am nächsten Tag nach Hause gesandt werden.
3. Tischkarten dürfen vom Gastgeber nur verändert werden, wenn auch der dementsprechende Aushang verändert wurde. Änderungen in letzter Sekunde verursachen immer Chaos.
4. In Lokalen gehobener Kategorie lässt man die Aktentasche in der Garderobe.
5. Eine Tafel ist nicht der geeignete Platz, um ein Buch herzuzeigen. Eine besondere Unhöflich- keit ist es, das vermeintliche Geschenk nachher wieder einzuziehen.
6. Ein Ehrengast darf niemals genötigt werden, zu bleiben.

Hätten Sie es gewusst?

(Redaktion)


 


 

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