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Entkopplung des Schweizer Franken: Währungsturbulenzen sind vorprogrammiert

Nach der Entscheidung der Schweizer Notenbank, den Franken zu entkoppeln, nehmen die Währungsturbulenzen zu. Die Europäische Zentralbank will Anleihen aufkaufen. Polen und Ungarn geraten in Schwierigkeiten wegen der Schweizer Notenbank. Der DAX war auf neuem Allzeithoch. Öl, Gold, Silber erholen sich. Die Moskauer Börse auf Rubel-Basis ist der Top-Performer.

Die Schweizer Notenbank gab am 15. Januar 2015 überraschend die künstliche Stützung des Euros zum Schweizer Franken bei der zuvor festgezurrten Marke von 1,20 Euro/Schweizer Franken auf. Die logische Folge war ein Einbruch des Euros zum Schweizer Franken um 18 Prozent. Dadurch brach auch die Schweizer Börse ein. Der SMI-Index gab am 15. Januar von 9.200 auf 8.400 und am 16. Januar dann weiter auf 7.900 Indexpunkte nach, also um 1.300 Indexpunkte in zwei Tagen, was man schon einen Mini-Crash nennen kann. Der DAX schloss hingegen am 16. Januar auf einem neuen Allzeit-Hoch.

Währungs-Revolution in der Schweiz

Die SNB häufte zur Stützung des Euros zum Schweizer Franken (CHF) in den vergangenen Jahren 500 Milliarden in Euro. Sie wollte eine zu starke Aufwertung des Schweizer Franken vermeiden, um Arbeitsplätze vor allem bei den Exportunternehmen zu sichern. Dadurch wurde der Euro zum Schweizer Franken drei Jahre lang künstlich bei 1,20 Euro/CHF oder darüber gehalten. Nun werden nach der Währungs-Revolution die Euros wieder in den Markt gegeben.

Schon die Ankündigung der Freigabe des Schweizer Franken führte zu einer Aufwertung des Schweizer Franken am 15. Januar um 18 Prozent. Der Euro fiel zum Schweizer Franken nach der Ankündigung erst von 1,20 auf 0,85 Euro/CHF im Tief, um sich dann bei etwas über 1,00 Euro/CHF zu stabilisieren. Am 16. Januar pendelte sich dann der Eurokurs auch bei etwas unter 1,00 Euro/CHF ein, während die Aktienkurse in der Schweiz im Durchschnitt um weitere 5,96 Prozent nachgaben.

Mini-Crash an der Schweizer Börse

Der SNI-Index der Schweizer Börse brach am 15. Januar erst von 9.200 auf 8.400 und am 16. Januar noch einmal um 5,96 Prozent von 8.400 auf 7.900 Indexpunkte ein, das sind in der Summe 1.300 Indexpunkte in zwei Handelstagen. Dies war der größte Kurseinbruch seit 2008 an der Schweizer Börse.

DAX auf Allzeithoch

Damit kapitulierte die Schweizer Notenbank als wohl letztes Bollwerk gegen die Europäische Zentralbank EZB, die am 22. Januar großvolumig den Kauf von Staatsanleihen plant. Die EZB kämpft damit mit allen Mitteln gegen das Deflationsgespenst und gegen eine Stagnation in Europa an. Die Inflationsrate in Deutschland sank auf 0,2 Prozent. Das Wachstum des Bruttosozialprodukts in Deutschland betrug im vergangenen Jahr plus 1,5 Prozent, was mehr war als erwartet. Dadurch beflügelt stieg der DAX am 15. Januar wieder über die magische 10.000er-Marke und am 16. Januar sogar auf das neue Allzeithoch von 10.284 Indexpunkten. Deutsche Produkte werden jetzt für die Schweizer wesentlich billiger, Schweizer Produkte für Deutsche aber wesentlichen teurer. In Baden-Württemberg sah man nun viele Schweizer, die deutsche Produkte billig einkaufen wollten.

Notenbank-Entscheidung bringt wohlhabende Polen in Schwierigkeiten

Die überraschende Entscheidung der SNB hat schwerwiegende Folgen für die westliche Finanzwelt. Alle diejenigen, die sich in Schweizer Franken verschuldet haben, erleben jetzt ihr Waterloo. Darunter leiden werden unter anderem 700.000 wohlhabende polnische Bürger, die ihre Immobilien durch Schweizer Hypothekenkredite gekauft bzw. finanziert haben, obwohl auch in Polen die Hypothekenzinsen in den vergangenen beiden Jahren stark gesunken sind. Einige Polen und Ungarn werden wohl davon sogar in die Privatinsolvenz gehen müssen, da die Bedienung der Zinsen und Tilgungsraten sich jetzt sehr verteuert hat.

Zudem haben sich sogar einige Kommunen in Nordrhein-Westfalen verzockt, indem sie Kredite in Schweizer Franken aufgenommen haben. Auf der anderen Seite freuen sich jetzt alle ausländischen Anleger, die ihr Geld in der Schweiz angelegt oder geparkt haben, auch die noch nicht aufgefallenen Steuersünder.

Schweizer Staatsanleihen, die auch maßgeblich für die Zinsen der Baufinanzierung sind, notieren bei 0,15 Prozent. Bei den Einlagen gibt es sogar schon Negativzinsen von 0,75 Prozent in der Schweiz. Das waren drei Jahre lang paradiesische Zeiten für Immobilienbesitzer in Polen, die sich in Schweizer Franken Baukredite aufgenommen haben, denn so billig konnte man sich in Polen nicht finanzieren, obwohl auch dort die Hypotheken-Zinsen in den vergangenen Jahren stark gesunken sind. Nun muss durch die Aufwertung des Schweizer Franken viel mehr Geld zurückgezahlt werden, als zuvor eingeplant war.

Immerhin basieren 40 Prozent der Immobiliarkredite in Polen in Schweizer Franken. Der Wert beträgt insgesamt 31 Milliarden Euro. In Kroatien sind 60.000 Kreditnehmer betroffen. Den größten Schaden werden aber wie schon einmal die Ungarn haben, die sich zu hoch in Schweizer Franken verschuldet haben. Allerdings können die Ungarn seit November schon den Kredit auf Schweizer-Franken-Basis in Forint umtauschen. Dazu wird auch jetzt geraten. Der Einbruch des Kurses des Euros zum Schweizer Franken wiegt umso schwerer, zumal auch sogar der Zloty und der Forint zum Euro zur Schwäche neigen.

Einige Broker gehen Pleite

Zudem werden einige Devisenhändler und Broker in Schwierigkeiten kommen, vor allem diejenigen, die Arbitragegeschäfte gemacht haben. Die Liquidität hat sich sehr ausgedünnt und viele Brokerkunden machen hohe Verluste, wenn sie auf einen stabilen Schweizer Franken gesetzt haben. Absicherungsinstrumente waren nicht möglich, da der erste Kurs 15 Prozent unter der Marke von 1,20 Euro/CHF auf der Parität gestellt wurde. Der Handel von Schweizer Franken war derart chaotisch, dass stundenlang nach der Entscheidung der SNB gar kein Kurs gestellt werden konnte. So nutzten auch die Stopp-loss-Order bei 1,19 Euro/CHF zur Absicherung nichts. Intraday rutschte der Eurokurs im Tief sogar 30 Prozent ab. Es werden täglich etwa 275 Milliarden US-Dollar getätigt. Durch die Hebelprodukte sind die Verluste im Derivate-Bereich oft um ein Vielfaches höher.

Der kleine neuseeländische Devisenhändler Global Brokers ging schon kurz nach Bekanntgabe der SNB, den Euro nicht mehr zu stützen, in die Insolvenz. Am 16. Januar meldete dann der britische Devisenhändler Alpari Insolvenz an, dessen Logo auch die Trikots des englischen Fußballvereins West Ham United ziert. Der Kurs des größten US-Devisenbrokers FXCM brach um 88 Prozent auf 5 US-Dollar ein, weil die meisten Kunden deutliche Verluste erlitten haben. Das hat zu einem Minus von 225 Millionen US-Dollar geführt. FXCM hat im vergangen Quartal Devisenumsätze im Volumen von 1,4 Billionen US-Dollar abgewickelt. Die Aktie der britischen IG Group gab aber nur 6 Prozent nach, da es „nur“ 30 Millionen Pfund verlor. Die Broker geraten nur dann in Verlust , wenn die Kunden einen „Margin call“ bekommen und ihren Nachschusspflichten nicht nachkommen können, was nun aber vielfach der Fall war.

Auch das Euro-Korsett kann zerbrechen

Nichts ist mehr sicher. Das Machtwort der Schweizer Notenbank, das jahrelang Gültigkeit hatte, ist nun gebrochen und zählt nicht mehr. Viele Anleger, die auch an das Fortbestehen des „Machtwortes“ geglaubt haben, wurden nun geschockt. Dieses Phänomen, dass Währungen künstlich stabil gehalten werden, wird jedoch immer wieder von der Zeit eingeholt und irgendwann folgen dann starke Abwertungen oder Aufwertungen. Dies haben wir schon oft erlebt. Auch der Euro selbst ist ein Korsett für viele südeuropäische Länder und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, wann dieses Korsett gesprengt wird. Zunächst tut die EZB alles, damit dieses Korsett nicht gesprengt wird, dies aber wieder wie bei der SNB mit einer Marktmanipulation. Dies wird auf Dauer nicht gut gehen, brachte aber zunächst einmal neue Höchstkurse für den DAX.

Moskauer Börse auf Rubel-Basis Top-Performer

Der auf US-Dollar basierende russische Aktienindex RTSI (Russian Trading System Index) stieg auch am Freitag um 0,97 Prozent auf 769 Indexpunkte. Der auf Rubel basierende MICEX-Index stieg sogar um 1,81 Prozent auf 1591 Indexpunkte. Damit ist der MICEX-Index in diesem Jahr schon um 13,96 Prozent gestiegen und damit einer der Top-Performer seit Jahresbeginn unter den Weltbörsen, während der RTS-Index noch seit Jahresbeginn mit 2,64 Prozent im Minus liegt. Dies zeigt auch, wie wichtig die Währungsveränderungen sind, ebenso wie jetzt in der Schweiz.

Öl-, Gold und Silber kräftig erholt

Die Moskauer Börse konnte sich am Freitag aber auch er erholen, weil sich der Brentölpreis um 3,71 Prozent auf 49,97 US-Dollar/Barrel und der WTI-Ölpreis um 4,9 Prozent erholten. In den Vortagen und Vorwochen war der Ölpreis noch im freien Fall. Jetzt gab es eine erste kräftige Gegenbewegung, wobei dies noch keine Trendwende ist und der Bärmarkt noch anhält. Aber auch der Goldpreis konnte sich um 1 Prozent auf 1.275 US-Dollar/Unze und der Silberpreis sogar um 4,51 Prozent auf 17,71 US-Dollar/Unze erhöhen.

(Redaktion)


 


 

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