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Geldpolitik

Expansive Notenbankpolitik absorbiert alle Konflikte und Krisen

Das erste Quartal 2015 war für die Anleger sehr erfolgreich. Viele Aktienindizes aus Europa erreichten neue Jahres-Höchstkurse. Zudem zählen sechs Börsen aus Osteuropa zu den Top-Performern der Welt. Dabei haben die geopolitischen Risiken und Krisenherde der Welt eher zu- als abgenommen. Aber die expansive Geldpolitik und Nullzinspolitik der Notenbanken machen Anlagen in Aktien im Moment so gut wie alternativlos. Über die Risiken und Nebenwirkungen der außergewöhnlichen Geldruckmaschinen der Notenbanken muss jedoch weiterhin nachgedacht werden.

Wenn deutsche Aktienanleger Anfang April auf ihr Depot schauen, werden sich die meisten freuen, denn die Aktienkurse sind europaweit im ersten Quartal stark angestiegen. So sprang der deutsche Aktienindex DAX um über 20 Prozent in der Spitze auf über 12.000 Indexpunkte, was ein neues Allzeit-Hoch bedeutete. Am 3. April gab er nur leicht um 0,44 Prozent auf 11.985 Indexpunkte nach. Unterstützt wird hier die Aktienhausse auch durch robuste Konjunkturdaten und gute Unternehmensentwicklungen. Beherrscht wird der DAX aber weiterhin von ausländischen Investoren. So befindet sich über die Hälfte der Aktien von deutschen DAX-Unternehmen in der Hand ausländischer Investoren wie Blackrock als einer der größten Anteilseigner.

Aktien aus Osteuropa als Outperformer

Nicht nur die Aktien aus Deutschland stiegen stark an, sondern auch die Aktien aus osteuropäischen Ländern. So konnten auch die Aktien in Ungarn um über 20 Prozent zulegen gefolgt von Aktien aus Russland (plus 17 Prozent), Estland (plus 15 Prozent), Ukraine (plus 9 Prozent), Litauen (plus 9 Prozent) und Tschechien (plus 8 Prozent).

EZB will Deflation bekämpfen

Unterstützt wurde diese Aktienhausse auch in Osteuropa durch die Nullzinspolitik der europäischen Notenbank (EZB) und vor allem den Anleihenaufkaufprogramm im Volumen von 60 Milliarden Euro monatlich, das im März gestartet wurde. Über die Risiken und Nebenwirkungen sind sich die Experten uneins. Zunächst will die EZB damit die Deflation bekämpfen. Sie hat ein Inflationsziel von 2 Prozent aufgerufen, das sie auch erreichen möchte. Nicht nur im Euroraum, sondern auch in einigen Ländern in Osteuropa gab es im Januar noch negative Inflationsraten wie im Baltikum oder in Polen mit minus 1 Prozent. Sowas gab es in der Nachkriegszeit noch nie. Wir befinden uns also in einem Ausnahmezustand, von dem kaum einer was mitbekommt, weil die Notenbank es schon irgendwie richten wird.

Gute und schlechte Deflation sind ein Unterschied

Dennoch sollte die EZB unterscheiden zwischen „guter Deflation“ und „schlechter Deflation“. Eine gute Deflation kommt durch neue Technologien (wie das Internet), vermehrten Wettbewerb (auch aus dem Ausland), Skalierungseffekte, Kosteneinsparungen der Unternehmen und auch durch fallende Rohstoffpreise zustande. So wirkt die Halbierung des Ölpreises wie ein Sonderkonjunkturproramm, da immer mehr Geld für den Konsum zur Verfügung steht.

Eine schlechte und gefährliche Deflation käme dann zustande, wenn immer mehr gespart wird, die Investitionen zurückgehalten werden, weniger eingestellt wird, die Kapazitäten der Unternehmen immer weniger ausgelastet werden, die Insolvenzen sich erhöhen und die Unternehmensgewinne stark abnehmen. Dies ist aber in Deutschland und vielen anderen europäische Länden nicht der Fall. Im Gegenteil: In Deutschland wurde im März die niedrigste Arbeitslosenquote mit 6,8 Prozent und erstmals seit Jahren unter 3 Millionen Arbeitslosen erreicht und auch der Konsum brummt.

In vielen südeuropäischen Ländern sieht es freilich am Arbeitsmarkt und auch beim Konsum noch sehr schlecht aus. Man kann von einem Nord-Süd-Gefälle in Europa sprechen, was EZB-Präsident Mario Draghi durch Gelddrucken und einem schwachen Euro wieder ausbalancieren will. Draghi will damit vor allem den Banken in Südeuropa helfen. Die großen wirtschaftlichen Unterschiede in Europa könnten auch den Euro sprengen, der die Länder noch währungspolitisch künstlich wie ein Korsett zusammenhält.

Der Euro erholte sich in den vergangenen beiden Wochen aber schon leicht von 1,05 auf 1,10 Euro/US-Dollar, nachdem er zuvor seit einem Jahr im freien Fall war und zwar von 1,40 auf 1,05 Euro/US-Dollar im Tief einbrach. Dies hilft auch den südeuropäischen Ländern jetzt im Export, da sie ihre Waren billiger anbieten können.

Manipulierte Aktien- und Anleihenmärkte durch die EZB

Es ist zweifelhaft, ob durch die Geldruckmaschine der EZB eine vermehrte Kreditvergabe und Ankurbelung der Konjunktur im Euroraum erreicht werden kann. Wahrscheinlicher ist, dass die Banken im Eigenhandel mehr auf Aktien setzen und damit auch die europäischen Aktienindizes künstlich nach oben bringen. Immerhin stimmen die Konjunkturerwartungen auch von einigen Problemländern jetzt optimistischer, etwa in Spanien. Selbst für Portugal wird eine Steigerung des Bruttosozialprodukts (BSP) von 1,5 Prozent erwartet.

Die Banken sollen dabei auch weiter Staatsanleihen aufkaufen, denn sonst bricht das Finanzsystem ein. Auf der anderen Seite wird kritisiert, dass durch die EZB-Drogenpolitik notwendige Strukturreformen in einigen südeuropäischen Ländern nicht erfolgen oder verzögert werden. Die EZB übernimmt zum Teil die Fiskalpolitik der Länder, indem sie marode Anleihen aufkauft. Es handelt sich damit um hochgradig manipulierte Anleihen- und Aktienmärkte durch die EZB. Die EZB wird zudem zum „Schrottplatz von Europa“.

Verrückte Welt: Italienische Anleihen rentieren niedriger als amerikanische Anleihen!

Die Drogenpolitik der Notenbank führt schon jetzt erkennbar zu einer Asset-Inflation,  also einer starken Steigerung der Aktienkurse und der Immobilien in Großstädten. Dabei werden Risiken immer mehr ignoriert wie bei südeuropäischen Anleihen. Dies führte schon dazu, dass 30-jährige italienische Anleihen mit 1,5 Prozent jetzt niedriger rentieren als 10-jährige amerikanische Staatsanleihen mit über 2 Prozent. Auch sowas gab es noch nie! Wann und ob die amerikanische Notenbank die Zinsen in diesem Jahr erhöhen wird, steht nach den schwachen Konjunkturdaten im ersten Quartal in den USA in den Sternen. In den USA stagnierten die Gewinne im ersten Quartal 2015 aufgrund des harten Winters, obwohl im Oktober 2014 noch von einer Gewinnsteigerung von 3 Prozent ausgegangen wurde. Dies wird aber auch dazu führen, dass die geplante Zinserhöhung der amerikanischen Notenbank FED auf die lange Bank geschoben wird, was die US-Aktienmärkte künstlich oben hält. Aber auch an den europäischen Aktienmärkten werden erkennbare und deutlich zunehmende Risiken ignoriert, weil man glaubt, die EZB wird es schon richten.

In Griechenland droht der Staatsbankrott und „Grexit“

So droht im April/Mai der Staatsbankrott in Griechenland und damit der „Grexit“, also der Austritt aus dem Euro, den einige Experten schon willkommen heißen. Und auch die Ukraine ist ein Fass ohne Boden. Es ist hier sehr bedeutsam, dass das Abkommen Minsk II funktionieren wird, dass es also zu einem politischen Prozess in der Ost-Ukraine kommt, sonst droht sogar ein dritter Weltkrieg. Russlands Präsident Wladimir Putin drohte unlängst mit der Atombombe. Auch die Konflikte und Kriege in Jemen, wo es in einem weiteren Stellvertreterkrieg Iran gegen Saudi-Arabien um die Vorherrschaft im arabischen Raum geht, sowie die vielen Toten in Nigeria und Kenia aus fanatisch-religiösen Gründen, aber auch weiterhin in Syrien und Irak werden von den Börsen nicht ernst genommen, auch nicht die Gefahren, die durch den IS-Krieg mittelfristig durch Terroranschläge im Westen heraufbeschworen werden.

Konflikt USA und China in spe

Einen weiteren Konflikt gibt es schon lange zwischen Japan und China, was mittelbar auch ein Konflikt zwischen USA und China ist. Dieser Konflikt könnte sich auch einmal wieder zuspitzen, wobei es dort um die Vormachtstellung im pazifischen Raum geht. China wird weniger wachsen als zuvor, aber immer noch mehr als die USA, erst recht als Japan. Irgendwann wird sich auch Nord-Korea wieder einmal als Atommacht melden, auch wenn es im Moment ruhig ist. Ruhe vor dem Sturm?

Durchbruch beim Iran-Atomstreit?

Immerhin scheint sich beim Iran-Atomstreit jetzt eine Lösung anzubahnen, wobei das endgültige Abkommen erst Ende Juni 2015 gemacht werden soll. Es wurden jetzt wichtige Weichenstellungen vorgenommen und Eckpunkte benannt, damit die Sanktionen gegen Iran mittelfristig abgebaut werden können. Wenn es aber zwischenzeitlich zu Störungen bei Kontrollen der Atomanlagen kommt, droht auch hier ein Krieg. Israel lehnt die Vereinbarungen ohnehin ab und warnt vor der iranischen Atombombe ebenso wie die Republikaner in den USA. Es wird durch die Drogenpolitik der Notenbanken der Eindruck erweckt, dass alles bestens in der Welt läuft. Das Gegenteil ist der Fall und der Bumerang wird uns irgendwann treffen. Was überhaupt noch nicht abgebaut wurde, ist die viel zu hohe internationale Verschuldung. Auch in Argentinien und Venezuela drohen Staatsbankrotte. Die jeweiligen Währungen werden immer weiter abgewertet.

Österreich schafft stattliche Einlagengarantie ab

Österreich macht den Anfang und schließt die staatliche Einlagensicherung aus, was als erstes Warnzeichen wahrgenommen werden sollte. Zuvor waren Einlagen bis zu einem Volumen von 100.000 Euro auch zur Hälfte durch den Staat garantiert. Jetzt wird die Haftung voll auf die Banken abgewälzt, die einen eigenen Garantiefonds bis 2018 auf 1,5 Milliarden auffüllen sollen. Wenn zwischenzeitlich aber eine Großbank Pleite geht, ist es zweifelhaft, ob genug Mittel zur Verfügung stehen. Wehret den Anfängen! In Australien sollen Spareinlagen sogar zwangsweise besteuert werden. Eine Altersversorgung durch Ansparprozesse ist nicht mehr möglich. Der Sparer wird faktisch enteignet. Es ist klar, dass dann auch das Problem der Altersarmut immer größer wird. Es ist eigenartig, dass hier der Aufschrei der Bevölkerung nicht viel größer ist.

Anlagenotstand bei institutionellen Anlegern im Anleihenbereich

Auch Pensionskassen, Lebensversicherungen und Bausparkassen werden in Zukunft bei dauerhaft japanischen Verhältnissen große Probleme bekommen, da sie immer höhere Risiken auf sich nehmen müssen, um überhaupt noch eine Rendite zu erzählen. Bei – vordergründig – risikolosen Anlagen müssen sie im Moment sogar draufzahlen.

Noch aber profitieren vor allem die Aktienmärkte durch die Drogenpolitik der Notenbanken. Jeder Anleger, der die Chancen am Aktienmarkt genutzt hat – und das ist bei weitem die Minderheit –, sollte ein Dankschreiben an Draghi für die vielen Ostergeschenke versenden, denn es ist nicht klar, wie lange diese paradiesischen Verhältnisse noch anhalten.

Der RTS-Index schwankt mit dem Ölpreis

Der russische Russian Trading Index, kurz: RTS Index, stieg auf 930 Indexpunkte (im Hoch 940 Indexpunkt) was ein Plus von 17,64 Prozent und damit ein neues Jahres-Hoch bedeutete. Da jetzt mit dem Iran ein neuer Player auf den Ölmarkt kommt, der in der Lage ist 1 Million Barrel am Tag zu exportieren, dürften die Ölpreise weiter nachgeben – so wie schon am Freitag, nachdem ein Durchbruch bei den Verhandlungen mit dem Iran verkündet wurde. Dennoch bleiben russische Aktien chancenreich.

Besonders stark stieg die Ölaktie Surgutneftegas Vorzüge um über 6 Prozent nach guten Zahlen, was ein neues 5-Jahres-Hoch bedeutete. Seit Ende vergangenen Jahres hat sich der Kurs auf über 7 Euro schon verdoppelt, was die großen Trading-Chancen am russischen Aktienmarkt trotz der Ukraine-Krise aufzeigt.

Trotz der erwarteten kräftigen Korrektur der vergangenen Woche bleibt die Moskauer Börse eine attraktive und stark unterbewertete Trading-Börse. Die preiswertesten Aktienmärkte kommen aus Osteuropa. Die Aktienmärkte aus Serbien und Slowenien zählten im vergangenen Jahr mit einem Plus von jeweils 18 Prozent zu den Top-Performern auf der Welt. Nun ist die Börse Budapest (Ungarn) der Top-Performer mit einem Plus von über 20 Prozent aufgrund sehr guter Konjunkturdaten. Aber auch die baltischen Börsen stiegen schon über 15 Prozent.

(Redaktion)


 


 

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