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Gesundheit am Arbeitsplatz

Mehr Schutz vor psychischer Belastung bei der Arbeit

Hamburg bringt zusammen mit Brandenburg, Bremen und Nordrhein-Westfalen eine bundesweite Verordnung zum Arbeitsschutzgesetz auf den Weg. Hamburgs Senatorin für Gesundheit und Verbraucherschutz, Cornelia Prüfer-Storks, hat die Verordnung vorgestellt.

Psychische Belastungen in der Arbeitswelt zählen heutzutage zu den hauptsächlichen Ursachen für die Gefährdung der Gesundheit und sind der Grund für Fehlzeiten und Frühverrentungen. Jedoch verfolgen derzeit nur wenige Unternehmen eine Strategie, um ihre Beschäftigten vor solchen Gefährdungen zu schützen. Der Umgang mit arbeitsbedingter psychischer Belastung ist im Arbeitsschutz bislang unzureichend gesetzlich geregelt. Hamburg hat deshalb gemeinsam mit Brandenburg, Bremen und Nordrhein-Westfalen den Entwurf einer bundesweiten Verordnung mit verbindlichen Anforderungen an Unternehmen erarbeitet. Das Arbeitsschutzgesetz soll zukünftig durch diese Verordnung konkretisiert werden. Einen entsprechenden Antrag bringen die Länder im Mai in den Bundesrat ein.„Nach 16 Jahren Arbeitsschutzgesetz gibt es für viele Arbeitsbelastungen konkretisierende Rechtsverordnungen, wie beispielsweise zur Gestaltung von Computerarbeitsplätzen oder zum Schutz vor Lärm und Schadstoffen. Aber für den Umgang mit psychischer Belastung fehlen sie. Da wir den betrieblichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts nicht mit den Arbeitsschutz-Instrumenten des 20. Jahrhunderts begegnen können, sind wir gemeinsam mit anderen Ländern mit einer Bundesratsinitiative aktiv geworden“, so Cornelia Prüfer-Storcks, Hamburgs Senatorin für Gesundheit und Verbraucherschutz. „Unsere Verordnung soll das Arbeitsschutzgesetz konkretisieren und Leitlinien geben, wie Betriebe die arbeitsbedingte psychische Belastung ermitteln und welche Schutzmaßnahmen sie ergreifen können. Durch die Verordnung wollen wir ein konkretes und wirkungsvolles Instrument zur gesundheitlichen Prävention am Arbeitsplatz schaffen.“

Das Ziel der Verordnung ist es, dass Betriebe ihre Arbeitsbedingungen systematisch prüfen – dazu gehören etwa die Arbeitsaufgabe, -mittel, -organisation sowie auch soziale Bedingungen – und so gestalten, dass Gefährdungen durch psychische Belastung vermieden werden. Die Verordnung beschreibt dafür prinzipielle Gestaltungsmaßnahmen, die sich nicht nur auf den Abbau von Belastungen konzentrieren, sondern sich auch auf die Erweiterung arbeitsplatzbezogener Ressourcen richten wie beispielsweise ein angemessener Handlungs- und Entscheidungsspielraum zur Erfüllung der jeweiligen Arbeitsaufgabe.

Senatorin Prüfer-Storcks: „Letztlich geht es bei der Arbeitsgestaltung immer wieder um eine ausgewogene Balance zwischen den betrieblich gestellten Anforderungen und den personellen und sachlichen Ressourcen, die den Beschäftigten zur Verfügung stehen. Betriebe sollten gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den großen Gestaltungsspielraum nutzen, damit die betrieblichen Anforderungen gesundheitsgerecht erfüllt werden können.“ Ob die Gestaltung von Rufbereitschaft, störungsfreie Arbeitszeiten, die Erreichbarkeit via Handy oder die Arbeit in Großraumbüros – Unternehmen haben im Austausch mit ihren Beschäftigten viele Möglichkeiten Arbeit gesund zu gestalten.

„Die Beschäftigten sind die besten Experten in eigener Sache und wissen meist genau, was sie belastet und welche unnötigen Belastungen oft mit recht einfachen Mittel abzustellen sind. Befragungen zeigen uns: Spitzenreiter unter den betrieblichen Störfaktoren sind Vorgesetzte ohne Führungskompetenz. Mangelnde Organisation, negatives Vorgesetztenverhalten und geringe Wertschätzung belasten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer deutlich mehr als viel Arbeit. Eingeschränkte Arbeitsfähigkeit, Fehltage und Frühverrentungen aufgrund psychischer Störungen bedeuten einen immensen Schaden für die Betroffenen, aber auch für die Wirtschaft und die Sozialversicherungen“, ergänzt Senatorin Prüfer-Storcks. „Es ist im Sinne der Betriebe, die Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass Gesundheitsgefährdungen möglichst erst gar nicht entstehen. So werden negative Auswirkungen auf die Gesundheit, die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vermieden oder zumindest begrenzt. Diese Auswirkungen würden letztendlich für jeden einzelnen Betrieb teuer werden.“ Auch sei es im Hinblick auf den drohenden Fachkräftemangel für Betriebe unumgänglich, schonend mit der Gesundheit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umzugehen.

Kritik der Handelskammer Hamburg

Kritik zur neuen Verordnung kommt seitens des Hauptgeschäftsführers der Handelskammer Prof. Hans-Jörg Schmidt-Trenz: „Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz ist eminent wichtig, aber sie kann nicht gesetzlich verordnet, geschweige denn durch neue bürokratische Auflagen für die Betriebe herbeigeführt werden. Statt praktische Handlungsanleitungen zu geben und gute Beispiele herauszustellen und deren Nachahmung zu fördern, werden die Betriebe mit standardisierten Unterweisungs-, Berichts- und Kontrollpflichten befrachtet. Was dies der psychischen Gesundheit nutzen soll, bleibt im Dunkeln. Gerade kleine und mittlere Unternehmen brauchen nicht mehr zeitliche Belastung durch mehr Bürokratie, sondern mehr Zeit für die Zuwendung im Team und gegenüber den Kunden.“

Daten und Fakten zu gesundheitlichen  Belastungen am Arbeitsplatz

Der jüngst veröffentlichte Stressreport 2012 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin belegt das betriebliches Handlungs- und Umsetzungsdefizit: Zu den zentralen Belastungsfaktoren gehören mangelnde Führungskompetenz der Vorgesetzten, so genanntes Multitasking (die gleichzeitige Betreuung unterschiedlicher Aufgaben), starker Termin- und Leistungsdruck, Monotonie (sich ständig wiederholende Arbeitsvorgänge) sowie Störungen und Unterbrechungen bei der Arbeit.

Wie die DAK in ihrem Gesundheitsreport 2013 für Hamburg veröffentlicht hat, waren psychische Krankheiten im vergangenen Jahr in Hamburg erstmals die Hauptursache für Fehltage im Job. Laut des Reports lagen seelische Erkrankungen mit einem Anteil von 20,4 Prozent an allen Ausfalltagen vor Muskel-Skelett-Erkrankungen (19,7 Prozent) und Atemwegsinfekten (15,5 Prozent). Bundesweit liegen die psychischen Erkrankungen bei den Fehltagen noch auf Platz 2. Von 1997 bis 2012 haben die Fehltage durch psychische Erkrankungen außerdem um 165 Prozent zugenommen. Insgesamt haben 2011 psychische Erkrankungen 53 Millionen Fehltage verursacht. 44 Prozent der Frühverrentungen erfolgten wegen psychischer Erkrankungen. Diese Frührentnerinnen und -rentner waren zu diesem Zeitpunkt mit durchschnittlich 48 Jahren besonders jung.

(Redaktion)


 


 

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