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Gesundheits- und Sozialwesen

Mit Tablet-PC im Alter: Länger selbstständig und selbstbestimmt leben

Das Pilotprojekt NetzWerk LebenPlus unter Federführung der Techniker Krankenkasse ist Mitte Januar 2017 an den Start gegangen. Es will die Chancen der Digitalisierung nutzen, um älteren Menschen in ihrer Wohnung möglichst lange ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

NetzWerk LebenPlus (NWLP) will die medizinische Versorgung von älteren Menschen in Hamburg verbessern. Das Pilotprojekt verbindet koordinierte Versorgung mit telemedizinischen Angeboten in der Betreuung und Therapie. Es ist für 1.000 teilnehmende Versicherte der Techniker Krankenkasse (TK) im Bezirk Eimsbüttel angelegt. Im Zentrum des NWLP steht eine koordinierende Stelle, angesiedelt im Albertinen-Haus – Zentrum für Geriatrie und Gerontologie in Hamburg-Schnelsen. Außerdem erhalten alle Teilnehmenden einen Tablet-PC mit einer speziellen Software, um den Einsatz von technischen Assistenzsystemen zu erproben. Es ist geplant, dass sich die ersten Versicherten ab Juli 2017 in das Versorgungsmodell einschreiben können.

Herausforderungen der Bevölkerungsentwicklung begegnen

„Demografie ist in Hamburg ein großes Thema. Mit unserem Projekt möchten wir Antworten auf die damit verbundenen Herausforderungen liefern“, sagt Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg. Das Durchschnittsalter in der Hansestadt liege zwar insgesamt unter dem Bundesdurchschnitt, doch man müsse sich frühzeitig auf die Veränderungen einstellen. Besonders für ältere Menschen sei eine wohnortnahe Versorgung wichtig, nur so könnten sie bis ins hohe Alter selbstständig leben. In vielen Quartieren bestünden gute Versorgungsstrukturen, so Puttfarcken. „Häufig fehlt es aber an einer Vernetzung, oder die Menschen kennen die Angebote gar nicht. Daher möchten wir die bestehenden Versorgungsstrukturen, Angebote und Akteure im Gesundheits-, Pflege-, Sozial-, Wohn- und Gemeinwesen besser miteinander verknüpfen. Wir sehen die Digitalisierung als eine Möglichkeit, auch ältere Menschen zu unterstützen.“ Daher bekomme jeder NWLP-Teilnehmende einen Tablet-PC als Basisausstattung.

Bereichsübergreifendes Hilfs- und Betreuungsnetzwerk

Neben den regionalen Quartiersangeboten kombiniert das NWLP neue und bewährte Versorgungsbausteine. Erste Anlaufstelle für die Teilnehmenden ist die koordinierende Stelle. „Wir beschäftigen uns im Albertinen-Haus seit Langem mit moderner Versorgung älterer Menschen, mit dem NetzWerk LebenPlus erproben wir nun eine weitere Möglichkeit", so Ralf Zastrau, Geschäftsführer des Albertinen-Hauses. „Zuerst durchlaufen alle Teilnehmer umfangreiche Untersuchungen und strukturierte Tests in der koordinierenden Stelle, um die individuellen Bedürfnisse zu erfassen. Die Ergebnisse bilden die Basis für die Erstellung eines individuellen Unterstützungsplans.“

Die Unterstützung in der eigenen Häuslichkeit wird durch ein technisches Assistenzsystem ergänzt, das, laut des Projektpartners, auf die Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnitten ist. Die Teilnehmenden können Online-Videosprechstunden mit den Ärzten der koordinierenden Stelle durchführen, ihren Medikationsplan einsehen oder im Notfall einen Notruf an die Johanniter-Unfall-Hilfe absetzen.

Kooperierende Partner

Konsortialpartner des Projekts sind neben dem Albertinen-Haus als Träger der Koordinierungsstelle auch CIBEKT echnology + Trading GmbH, die Barmer, die DAK-Gesundheit, die Knappschaft, die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., die Universität Bielefeld sowie die Albertinen-Haus-Forschungsabteilung für Klinische Geriatrie, wissenschaftliche Einrichtung an der Universität Hamburg.

Förderung durch den Innovationsfonds

Das Projekt erhält eine Förderung in Höhe von bis zu 8,9 Millionen Euro über vier Jahre aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA).

Auswertung der Ergebnisse

Alle Projekte, die eine Förderung durch den Innovationsfonds erhalten, müssen evaluiert werden. Die AG Gesundheitsökonomie und Gesundheitsmanagement der Universität Bielefeld und die Forschungsabteilung für Klinische Geriatrie am Albertinen-Haus übernehmen die wissenschaftliche Begleitung von NetzWerk LebenPlus.

(Brigitte Muschiol)


 


 

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