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HafenCity

Gedenkort an Deportationen von Hamburger Juden, Roma und Sinti eingeweiht

Die neue Gedenkstätte denk.mal Hannoverscher Bahnhof im Lohsepark in der Hamburger HafenCity erinnert an die mehr als 8.000 Menschen, die von dort zwischen 1940 und 1945 deportiert worden waren.

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz hat den Gedenkort denk.mal Hannoverscher Bahnhof am 10. Mai 2017 im Beisein von Überlebenden, Zeitzeugen, Angehörigen und Vertretern der Opferverbände eingeweiht. Mit der Gedenkstätte erinnere Hamburg an die Deportationen von über 8.000 Juden, Roma und Sinti, „die in den Jahren 1940 bis 1945 über den ehemaligen Hannoverschen Bahnhof von den Nationalsozialisten unter Mithilfe der Hamburger Behörden in die Konzentrations- und Vernichtungslager Mittel- und Osteuropas verschleppt wurden“, heißt es in einer Mitteilung. Für die meisten Menschen habe die Deportation den Tod bedeutet.

Der zentrale Gedenkort denk.mal Hannoverscher Bahnhof im Lohsepark in der HafenCity besteht einerseits aus dem historischen Bahnsteig 2, von dem 20 Deportationszüge zwischen 1940 und 1945 abfuhren sowie den historischen Gleisverläufen entlang des Bahnsteigs, und andererseits aus einem Gedenktisch und 20 Tafeln, auf denen die Namen der mit den 20 Zügen transportierten Opfer aufgeführt sind, soweit diese historisch ermittelt werden konnten.

Mitwirkung der Opferverbände

Vertreterinnen und Vertreter der Opferverbände wirkten von Anfang an am Entwicklungsprozess des Gedenkorts mit. Das Konzept wurde von der Behörde für Kultur und Medien und der HafenCity Hamburg GmbH im Rahmen eines Freiraumwettbewerbs entwickelt.

Erster Bürgermeister Olaf Scholz: „Der Hannoversche Bahnhof ist ein Symbol für ein dunkles Kapitel der Hamburger Geschichte. An dieser Stelle ist nun ein würdiger Ort des Gedenkens entstanden. Im Lohsepark in der HafenCity spielen Kinder, flanieren Erwachsene und verbringen Angehörige unterschiedlichster Kulturen und Religionen ihre Freizeit. An diesem Ort finden jetzt Erinnerung und Gegenwart zusammen. So kann mit dem Denkmal die lange in den Hintergrund gedrängte Geschichte des Hannoverschen Bahnhofs in das Gedächtnis der Stadt aufgenommen werden.“

Bezüge zur Gegenwart

Mark Dainow, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland betonte: „Dass wir diesen Gedenkort heute einweihen, ist auch ein notwendiges Zeichen, in einer Zeit, in der populistische Parolen, agitatorische Reden und das Schüren von irrationalen Ängsten sowie demokratiefeindliche Stimmung wieder in Deutschland zu beobachten sind. Antisemitismus und Antiziganismus sind reale Zustände im Deutschland des Jahres 2017 – leider! Nicht umsonst nennt man dieses Denkmal: denk.mal! – Darum soll und muss es gehen: Das Denken oder vielmehr das Mitdenken. Menschenverachtender und plumper Stimmungsmache zu widerstehen, sie in Frage zu stellen, und ihr nicht einfach zu folgen. Denk! Mal!“

„Historisches Erinnern bedeutet immer auch gelebte Verantwortung für die Gegenwart. Dafür steht dieser neue Gedenkort im Herzen der HafenCity in Hamburg. Gemeinsam müssen wir dafür einstehen, dass wir eine Gesellschaft mit menschlichem Gesicht bleiben“, sagt Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats der Deutschen Sinti und Roma.

Gedenkort mit drei Elementen

Der Gedenkort denk.mal Hannoverscher Bahnhof besteht aus drei Elementen. Die Fuge führt vom ehemaligen Bahnhofsvorplatz quer durch den Park bis zum historischen Bahnsteig 2 und zeichnet den einstigen Gleisverlauf nach. Die Fuge ist im Sommer 2016 zusammen mit dem gesamten Lohsepark eröffnet worden. In die Gestaltung des Parks wurden die historischen Relikte der Bahnsteigkante 2 sowie die Gleisverläufe des 1955 gesprengten Hannoverschen Bahnhofs, die in unmittelbarem Zusammenhang mit den Deportationen stehen, integriert.

Einweiht wurde jetzt der zentrale historische Gedenkort am unter Denkmalschutz stehenden Bahnsteigrelikt. Namenstafeln erinnern an die mehr als 8.000 von hier aus deportierten Juden, Sinti und Roma.

Komplettiert wird das denk.mal Hannoverscher Bahnhof schließlich mit einem Dokumentationszentrum, das in visueller Beziehung zum historischen Gedenkort in das Erdgeschoss eines entstehenden Bürogebäudes einziehen wird.

(Redaktion)


 


 

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