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Hamburger Kunsthalle

Giacometti. Die Spielfelder

Zeit wird zum Raum

Später verließ Giacometti das Objekthafte des Surrealismus. Er war auf der Suche nach einer Darstellungsmöglichkeit der Realität. Er behielt die Strukturen aus seiner surrealistischen Phase bei, entwickelte jedoch die Formensprache weiter. Durch Stilisierung versuchte er der Realität nahe zu kommen. Nicht mehr die Motive standen im Vordergrund, sondern die eigene Wahrnehmung des Gegenübers.

Anfang der 1940er-Jahren fertigte Giacometti sehr kleine Figuren und Köpfe, die eine Distanz zum Betrachter aufbauen und doch durch große Sockel in der Realität verankert zu sein scheinen.

Das Verhältnis von Distanz und Dimension wurde zentraler Punkt seines Agierens. Zeit wird zum Raum, das Empfinden findet nicht chronologisch statt. Die horizontale, begehbare Skulptur macht eine Verortung von Zeit möglich, bei der persönliche Erlebnisse und die Beziehung von Personen auf neutralen, leeren Plätzen vernetzt sind.

Einige Jahre später gewannen seine Plastiken an Größe. Giacometti entwickelte seinen markanten Stil der überlangen, dünnen Figuren und legte den Fokus auf die Vertikale.Die Elemente seiner Werke verloren an äußerer Beweglichkeit. Stattdessen kam Bewegung in die Figuren hinein. Er sei weiterhin auf der Suche nach der Verortung in Zeit und Raum, beschreibt Annabelle Görgen-Lammers, Kuratorin der Ausstellung, diese Phase und fügt hinzu, dass es unter diesem Aspekt wenige Brüche in Giacomettis Werken gebe.

Es entstanden die bewegungslose und frontal aufragende Frau und später als Gegenentwurf der schreitende Mann. In Kombination mit dem Männerkopf entwickelte Giacometti kontinuierlich diese drei Figurationen weiter. Sie bildeten 1958 die Grundlage für eine Auftragsarbeit zur Gestaltung des Vorplatzes der Chase Manhattan Bank in New York, die nie umgesetzt wurde.

Das Atelier als Spielfeld des Künstlers

In seinem „Loch“, wie Giacometti sein 18 Quadratmeter großes Atelier genannt haben soll, inszenierte er die Beziehungen von Kunst und Leben. Er lebte und arbeitete dort 40 Jahre. Der Atelierraum war seine Spielfläche. Die Ausstellung zeigt Atelierzeichnungen des Künstlers und die Besucher erleben in einem der Ateliergröße entsprechenden Raum Ansichten verschiedener dort entstandener Werke.

Die Chase Manhattan Plaza

Die überlebensgroßen Originale der „Chase Manhattan“-Figurengruppe sind als Höhepunkt in der Ausstellung zu sehen. Die „Große Stehende II“, der „Schreitende Mann II“, und der „Große Kopf“ finden sich einander zugewandt in der lebendigen Realität des nachgeahmten großen Platzes.

Die Besonderheiten abseits Giacomettis künstlerischer Leistung: Die Große Stehende II“ wird nach Auskunft der Kuratorin nicht mehr häufig auf Reisen gehen und der „Schreitende Mann II“ gilt als eines der weltweit teuersten Kunstwerke. Vor wenigen Jahren wechselte er für über 70 Millionen Euro den Besitzer.

Thematisch zeigen die variabel aufstellbaren Figuren das Spannungsfeld und Beziehungspiel zwischen Menschen. Der Schreitende als Inbegriff des strebenden Lebens, der Große Kopf als beobachtendes Bewusstsein und die Stehende als Kultbild des Menschen symbolisieren Leben, Liebe und Tod.

„Giacometti. Die Spielfelder“
Hamburger Kunsthalle (Galerie der Gegenwart)
bis 19. Mai 2013, Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr, donnerstags 10 bis 20 Uhr. Weitere Informationen: www.hamburger-kunsthalle.de

Ergänzende Ausstellung:

„Alberto Giacometti. Begegnungen“
Bucerius Kunst Forum
bis 20. Mai 2013, Öffnungszeiten: täglich 11 bis 19 Uhr, donnerstags 11 bis 20 Uhr. Weitere Informationen: www.buceriuskunstform.de

Lesen Sie mehr über beide Ausstellungen:
Doppelnd bereichernd: Zwei Hamburger Giacometti-Ausstellungen und
Bucerius Kunst Forum: „Alberto Giacometti. Begegnungen“

(Tanja Königshagen)


 


 

Alberto Giacometti
Hamburger Kunsthalle
Schreitender Mann
Großer Kopf
Große Stehende

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