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Hamburger Unternehmerinnentag 2017

Wirtschaft 4.0: „Netzwerk schlägt Hierarchie“

Wie Frauen in der digitalen Wirtschaftswelt erfolgreich kooperieren, ist Thema des Hamburger Unternehmerinnentages 2017. Eine der Mitveranstalterinnen sind die Digital Media Women Hamburg. business-on.de sprach mit Christiane Brandes-Visbeck, Hamburger Quartiersleiterin des Vereins, über Frauen und Digitalisierung.

business-on.de: Wenn es um Affinität zu neuen digitalen Technologien und um Digital-Kompetenz geht, stoßen Frauen häufig auf Vorurteile. IT und Digitalisierung sind oft noch eine Männerdomäne. Ihr Verein möchte dem entgegentreten. Welche Ziele verfolgt Digital Media Women e.V.?

Christiane Brandes-Visbeck: Wir erhöhen bundesweit die Sichtbarkeit von Frauen auf allen Bühnen: auf Konferenzen und Messen, an neun #DMW-Standorten – in Berlin, München, Köln, Rhein-Main, Stuttgart, Freiburg, Leipzig, Schleswig-Holstein – und im Netz. Wir unterstützen und vernetzten Frauen, die den digitalen Wandel vorantreiben. Unsere Vision von einer Welt, in der Vielfalt herrscht und Frauen gleichberechtigt teilhaben und sichtbar Einfluss nehmen, haben wir in unserem Leitbild festgeschrieben. Wir sehen im digitalen Wandel die größte Chance, diese Vision zu verwirklichen.

Die Digital Media Women e.V. haben Carolin Neumann, Inken Arntzen, Sanja Stankovic und anderen Frauen aus der Digitalbranche 2010 in Hamburg gegründet, weil damals auf einer bekannten Digitalkonferenz keine einzige Frau gesprochen hat.

business-on.de: Einsteigerinnen in die digitale Welt oder IT-Profis: An wen richtet sich Ihr Angebot?

Christiane Brandes-Visbeck: Wir sind Frauen, die in der Medien- und Kommunikationsbranche oder im Marketing arbeiten und entweder schon sehr digital affin sind oder es werden möchten. Hinzu kommen zunehmend mehr Digital- und Innovationsberaterinnen und -managerinnen, aber auch Lehrerinnen oder Gründerinnen, die sich in der digitalen Welt besser auskennen möchten. An IT-Profis richten wir uns eher nicht, dafür gibt es andere tolle Organisationen.

business-on.de: Sie sind erstmalig Mitveranstalter des Hamburger Unternehmerinnentages. Was versprechen Sie sich davon und wie bringen Sie sich ein?

Christiane Brandes-Visbeck: Die Handelskammer Hamburg kann und wird wichtige Impulse für UnternehmerInnen geben, wie sie dem digitalen Wandel begegnen können. Nach dem Social-Media-Motto „sharing is caring“ bringen wir auf dem Unternehmerinnentag unsere Expertise ein, zum Beispiel in Workshops und einer Talkrunde. Gleichzeitig freuen wir uns über die Vernetzung mit anderen engagierten und tollen Unternehmerinnen in der Hansestadt.

business-on.de: Das Motto der Veranstaltung lautet „Erfolgreich kooperieren: strategisch – intuitiv – digital“. Was steckt für Sie hinter diesem Motto?

Christiane Brandes-Visbeck: Wir freuen uns riesig darüber, dass der Unternehmerinnentag 2017 dieses Motto gewählt hat. Es spricht uns aus dem Herzen, denn als Digital Media Women ist uns sehr bewusst, wie sehr sie zunehmende Digitalisierung unser Leben und Arbeiten verändert. Sie ermöglicht neue und schnelle Formen der Kommunikation, Wissensarbeiter können rein technisch betrachtet außerhalb ihres Büros arbeiten und es ist leichter, ein Unternehmen zu gründen.

Um die Chancen der zunehmenden Digitalisierung zu nutzen und den Risiken professionell begegnen zu können, brauchen UnternehmerInnen zeitgemäße Strategien. In der Selbstführung: Wie gehe ich mit den Veränderungen um? Mit welcher Rolle und mit welcher Haltung führe mein Unternehmen? Welche Werte sind mit wichtig? Und in der Führung von Menschen: Wollen wir auf Augenhöhe kommunizieren? Wie erreichen wir unsere gemeinsamen Ziele? Wie gehen wir mit Fehlern um? Gerade für zeitgemäßes Führen oder die Fähigkeit, Entscheidungen in unsicheren Zeiten zu treffen, sind das alles Faktoren von Leadership 4.0 oder Digital Leadership.

Nur wer digitales Denken mit seiner oder ihrer Intuition verknüpft, also beide Hemisphären des Gehirns einsetzt, wird im digitalen Wandel erfolgreich sein und die eigene Zukunft gestalten können.

business-on.de: Warum ist es gerade für kleinere und mittlere Unternehmen so wichtig, die Chancen der Digitalisierung zu erkennen und gezielt zu nutzen?

Christiane Brandes-Visbeck: Es gibt Statistiken, die sagen, dass von den heute aktiven Unternehmen nur rund 10 Prozent in 100 Jahren existieren werden. Für diese Aussage sprechen viele Faktoren, die nichts mit der Digitalisierung zu tun haben. Aber in der heutigen Zeit werden nur die Unternehmen überleben, die die Auswirkungen der Digitalisierung auf ihre Geschäftstätigkeit verstehen und mit Lösungen experimentieren.

Gerade inhabergeführte KMU können viel flexibler auf Veränderungen reagieren als große Konzerne. Wir kennen viele kleine Unternehmen und Soloselbständige, die ihre Reputation über Social Media aufbauen, eine wichtige Voraussetzung für Kundenaufträge. Die mit modernen Apps und Kommunikationstools arbeiten, um die internen Abstimmungsprozesse und Entscheidungswege zu beschleunigen und die ihren Kundenservice über Twitter oder Facebook optimieren. Dazu gehört natürlich Mut. Aber sind Mut und Entscheidungsfreude nicht die wichtigsten Eigenschaften für unternehmerischen Erfolg?

business-on.de: Welche Vorteile ergeben sich für KMU und auch für Soloselbstständige durch die Nutzung digitaler Technologien? Können Sie uns einige Beispiele nennen?

Christiane Brandes-Visbeck: Die sogenannte Hypervernetzung, die die zunehmende Digitalisierung mit sich bringt, ermöglichst es Menschen von fast jedem Ort mit anderen Menschen zu kommunizieren und Geschäfte zu machen. Damit fällt die Notwendigkeit, Mitarbeiter zu beschäftigten auch dann, wenn die Auftragslage mal nicht so toll ist, weg. „Netzwerk schlägt Hierarchie“ – ist aus unserer Sicht die wichtigste Auswirkung der Digitalisierung auf modernes Arbeiten. Heute können Mütter, Mompreneure, als Solopreneurinnen vom Wohnzimmer aus einen Onlineshop betreiben oder als freie Social-Media-Redakteurinnen arbeiten. Menschen, die gern unter Menschen arbeiten, aber nicht angestellt sein möchten, mieten sich als Solopreneure in sogenannte Coworking Spaces ein. Hier kann man sich über Geschäftliches austauschen, aber auch über neue Tools oder Geschäftsmodelle diskutieren oder kurzfristig ProjektpartnerInnen für neue Aufträge finden.

Wir #DMW erleben das digitale Arbeiten als eine ganz wunderbare Chance, sich mit Menschen zu vernetzen und durch den gegenseitigen Austausch erfolgreicher zu sein.

business-on.de: Inwiefern stehen Sie Ihren Mitgliedern bei der Digitalisierung zur Seite?

Christiane Brandes-Visbeck: Wir sind kein Serviceverein, sondern ein Netzwerk von Macherinnen in der Digitalbranche, die sich gegenseitig inspirieren und unterstützen. Viele von uns sind auf einem digitalen Feld Expertin und in anderen Feldern dankbar für Unterstützung. Da sich unsere Arbeit im Netz durch Neuentwicklungen fast täglich verändert, sind wir alle Lernende. Um schnellstmöglich auf dem Laufenden zu sein, betreiben wir eine Facebook-Community mit über 11.000 Männern und Frauen, die sich über alle Fragen der Digitalisierung und ihre Auswirkung auf unsere Lebens- und Arbeitswelt austauschen. Dort werden Jobs gepostet, neue Tools vorgestellt, Probleme diskutiert, die durch die ewigen Veränderungen bei Facebook aufkommen, aber auch Fragen erörtert, wann man nach einer Schwangerschaft am besten in den Beruf zurückkehrt, wie wir die Aktion #metoo finden, oder wie man mit übergriffigen Chefs umgeht.

Als Sheryl Sandberg, Geschäftsführerin von Facebook in den USA, kürzlich nach Europa reiste und einige NGOs und Frauengruppen kennenlernen wollte, die ihre Arbeit über Facebook organisieren, hat sie sich auch mit den Digital Media Women getroffen.

Wer fachlich dazu lernen möchte, kann auf das Angebot unserer #DWM-Academy zugreifen, das unregelmäßig stattfindet, dann aber für jeden offensteht. Fördermitglieder haben natürlich Vorrang.

Übrigens, die Digitalkonferenz mit den all-male-Panels 2010 hatte in diesem Jahr einen Speakerinnen-Anteil von fast 50 Prozent. Das haben wir richtig gefeiert.

Wer mehr über die Digital Media Women in Hamburg erfahren will, findet Infos zu unseren Veranstaltungen auf unserer Website, auf Twitter und in unserer Facebook-Gruppe der #DMW Hamburg.

business-on.de: Und wir freuen uns, Sie auf dem Hamburger Unternehmerinnentag in der Handelskammer zu treffen. Vielen Dank für das Interview!

(Redaktion)


 


 

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