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Hamburger Unternehmerinnentag 2015

„Frauen netzwerken anders“

Netzwerken ist ein Businessthema, das durch die sozialen Medien noch mehr in den Blickpunkt gerückt ist. So steht auch der Unternehmerinnentag 2015 der Handelskammer Hamburg am 26. September unter dem Motto „Netzwerken als Erfolgsmotor. Kontakte knüpfen – Vertrauen aufbauen – ins Geschäft kommen“. Tanja Königshagen und Brigitte Muschiol von Business-on.de haben Corinna Nienstedt, Geschäftsführerin der Handelskammer, zur Veranstaltung befragt.

business-on.de: Frau Nienstedt, die Handelskammer Hamburg veranstaltet 2015 bereits zum achten Mal den Unternehmerinnentag für Frauen in der Wirtschaft, der turnusgemäß alle zwei Jahre stattfindet. Hat sich das Netzwerken über die Jahre verändert?

Corinna Nienstedt: Eindeutig Ja. Es gab große Veränderungen in den letzten Jahren, vor allem durch die sozialen Medien. Sie haben neue Formen des Netzwerkens geschaffen. Ich bin aber überzeugt, dass häufig unterschätzt wird, wie wichtig gerade in der Geschäftswelt der persönliche Austausch ist. Deshalb behalten die traditionellen Netzwerke auch künftig ihre Bedeutung. Davon auszugehen, dass die virtuellen Plattformen die persönlichen Kontakte ersetzen können, wäre der falsche Weg. Sie können sie aber natürlich gut ergänzen.

Erwartet werden mehr als 150 Teilnehmerinnen

business-on.de: Welche Bedeutung hat der Unternehmerinnentag, der sich ja ausschließlich an Frauen wendet, für die Handelskammer Hamburg?

Corinna Nienstedt: Der Unternehmerinnentag hat für unser Haus eine große Bedeutung. Etwa ein Drittel unserer Mitglieder sind von Frauen geführte Unternehmen, die wir mit diesem Tag gezielt ansprechen. Diese Frauen schätzen es, wenn wir ihnen die Gelegenheit bieten, sich einen ganzen Tag im professionellen Umfeld der Handelskammer mit anderen Unternehmerinnen auszutauschen. Denn Frauen in der Wirtschaft haben Themen, über die sie untereinander offener sprechen können, als das in gemischten oder männlich dominierten Netzwerken möglich ist.

Die Handelskammer unterstützt den Unternehmerinnentag sehr stark, der dieses Mal eine besonders große Bandbreite von Themen, Aspekten und Formaten anbietet. Insgesamt rechnen wir mit mehr als 150 Teilnehmerinnen aus den unterschiedlichsten Branchen.

business-on.de: Die Zielgruppe der Veranstaltung sind ausschließlich Unternehmerinnen?

Corinna Nienstedt: Es können sich tatsächlich nur Unternehmerinnen anmelden. Dazu zählen wir auch Gewerbetreibende und Freiberuflerinnen. Aber auch Geschäftsführerinnen von Nonprofit-Unternehmen können dabei sein. Angestellte Frauen gehören in diesem Fall nicht zu unserer Zielgruppe. Das unterscheidet uns auch von anderen Frauenveranstaltungen. So stellen wir sicher, dass der Austausch unter den Teilnehmerinnen auf Augenhöhe abläuft.

Business-Themen aus weiblicher Perspektive

business-on.de: Gibt es Inhalte, die besonders auf Frauen zugeschnitten sind?

Corinna Nienstedt: Unser Programm bietet auch Themen an, die man bei einem Unternehmertag für Männer und Frauen in dieser Art nicht finden würde. Zum Beispiel „Wie punktet man auf dem Businessparkett?“ Das ist schon sehr weiblich.

business-on.de: Brauchen Männer in der Wirtschaft das nicht?

Corinna Nienstedt: Männer brauchen das auch, das stimmt. Aber dieser Workshop geht schon in die Richtung: Wie punkte ich als Frau auf dem Parkett? Nach dem Motto: Wie trete ich auf? Wie komme ich auch in eine Gruppe von Männern, die sich unterhält? Wie bringe ich mich in männlich geprägte Gesprächsthemen ein? Solche Aspekte würden Sie auf einem Unternehmertag für Männer und Frauen nicht anbieten. Das heißt, wir haben spezielle Themen, bei denen es um das Unternehmerinsein bzw. Frausein in der Wirtschaft geht.

business-on.de: Warum ist so ein Thema wie „auf dem Businessparkett erfolgreich aufzutreten“ gerade für Frauen von Bedeutung?

Corinna Nienstedt: Für Frauen ist es immer noch schwierig, in die Gesprächsrunden der Männer reinzukommen. Das gilt für offizielle wie für informelle Netzwerke und Runden. Es wird sie wahrscheinlich nie ein Mann auf einer Veranstaltung fragen: „Willst du mitkommen? Wir trinken noch ein Bier.“ So etwas machen Männer unter sich aus.

Das heißt, man muss sich als Frau selber bewegen und sich einfach dazustellen – auch wenn einen Themen wie Fußball überhaupt nicht interessieren. Wenn man über einem Thema nicht wirklich viel weiß, kann man Fragen stellen oder versuchen, einen Kommentar abzugeben.

Das mag Überwindung kosten, ist aber wichtig. Denn in solchen Runden werden Absprachen getroffen. Wer abends zu früh ins Bett geht, hat am nächsten Morgen vielleicht das Wichtigste verpasst. Natürlich darf man sich nicht verbiegen. Aber man sollte es versuchen.

business-on.de: Gibt es neben „weiblichen Themen“ auch Unterschiede beim Ablauf dieses Unternehmerinnentags im Vergleich zu gemischten Veranstaltungen?

Corinna Nienstedt: Ja, und das ist interessant: Wir führen auch viele Veranstaltungen durch, die eher von Männern besucht werden und da laufen Veranstaltungen schon anders ab.

Bei Frauenveranstaltungen machen wir es häufig so, dass wir eine Pinnwand aufhängen und dort die Frage stellen „Was erwarten Sie von diesem Tag?“ Oder einfach „Ich biete an“. Die Teilnehmerinnen heften dort ihre Visitenkarten bzw. Flyer an oder sie schreiben etwas dazu. Frauen sind unheimlich offen für diese Art von Formaten. Männer machen das in der Regel eher nicht so gern.

Sind Frauen zusammen mit Männern in einem Raum, dann halten sich die Frauen eher im Hintergrund. Wenn aber Frauen unter sich sind, ist sofort Interaktion. Sie kommen schnell untereinander in Kontakt. Wir finden es offensichtlich immer noch besonders vertrauenserweckend, erst einmal mit einer anderen Frau Kontakt aufzunehmen.

business-on.de: Sie bewegen sich seit mehr als 25 Jahren in einem eher männlich geprägten Arbeitsumfeld. Welchen Einfluss hat das auf Ihre Art zu netzwerken?

Corinna Nienstedt: Für mich ist es wichtig, ganz bewusst auch die Netzwerke der Männer zu nutzen. Meine Erfahrung ist: Wenn man dort regelmäßig hingeht, ist man bekannt und wird akzeptiert. Aber man muss auf Veranstaltungen auch Fragen stellen und Diskussionsbeiträge einbringen. Nur da zu sein und nichts zu sagen, bringt wenig. Wenn ich dort hingehe und warte, bis ich angesprochen werde, wird nichts passieren. Das heißt, man muss sich selber einbringen und natürlich auch auf die Männer zugehen.

Der Unternehmerinnentag – gute Basis für tragfähige Kontakte

business-on.de: Der Unternehmerinnentag selbst ist aus Ihrer Vernetzung mit Unternehmerinnenverbänden und -initiativen entstanden. Welche Auswirkungen hat das für den Unternehmerinnentag?

Corinna Nienstedt: Die Veranstaltung hat immer sehr von unserer Zusammenarbeit mit dem Unternehmerinnenverband Schöne Aussichten und dem Bildungsinstitut Frau und Arbeit profitiert. Gerade durch unsere Unterschiedlichkeit gelingt es uns, ein so breit gefächertes, abwechslungsreiches Programm auf die Beine zu stellen. Und am Unternehmerinnentag selbst erlebe ich die Vielfalt unter den Teilnehmerinnen als sehr lebendig und erfrischend. Im Geschäftsalltag kommt es ja eher selten vor, dass Jungunternehmerinnen sich mit erfahrenen Unternehmerinnen austauschen und mittelständische Unternehmerinnen mit Freiberuflerinnen oder Leiterinnen von Non-Profitorganisationen diskutieren.

business-on.de: Wissen Sie denn, ob sich auf vergangenen Veranstaltungen gute Kontakte zwischen Teilnehmerinnen ergeben haben, die über den Tag hinaus gingen?

Corinna Nienstedt: Ja, solche Rückmeldungen bekommen wir immer wieder. Ein Beispiel: Beim zweiten Unternehmerinnentag hatten wir ein etwas offeneres Format, nämlich das sogenannte „Open Space“. Danach haben einige der Teilnehmerinnen ein Frühstückstreffen gegründet und sich einmal im Monat getroffen.

Manchmal erzählen uns Teilnehmerinnen auch, sie hätten beim letzten Mal eine Unternehmerin getroffen, mit der sie inzwischen ein gemeinsames Projekt bearbeitet hätten. Das können kleine Sachen sein: die gemeinsame Gestaltung eines Flyers durch eine Texterin und eine Grafikerin zum Beispiel. Man hat sich auf dem Unternehmerinnentag kennengelernt, hat sich gut verstanden, ein erstes Projekt gemeinsam durchgezogen und arbeitet dann auch weiterhin gut zusammen. Das ist ein gutes Ergebnis eines solchen Tages. Ein Anfang.

business-on.de: Das ist ja auch das, was das Motto des diesjährigen Unternehmerinnentages vermitteln will: Kontakte knüpfen – Vertrauen aufbauen – ins Geschäft kommen …

Corinna Nienstedt: Genau. Und zur Unterstützung der Vernetzung haben wir auch ein virtuelles Unternehmerinnenportal auf unserer Website. Dort können sich die Teilnehmerinnen vorstellen, und es freut uns, dass es sehr gut genutzt wird.

business-on.de: Sind Sie auch persönlich auf dem Unternehmerinnentag?

Corinna Nienstedt: (lacht) Selbstverständlich. Auf jeden Fall!

business-on.de: … Dann freuen wir uns, Sie dort zu treffen. Vielen Dank für das Interview, Frau Nienstedt!

Am 10. August 2015 folgt in Business-on.de ein Interview mit Corinna Nienstedt über ihre Erfahrungen und Tipps für erfolgreiches Netzwerken.

(Brigitte Muschiol / Tanja Königshagen )


 


 

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