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Kultur als Standortfaktor in Hamburg

Ist Hamburg eine Kulturmetropole?

In der Diskussionsrunde waren sich die Podiumsteilnehmer einig hinsichtlich des großen kulturellen Angebots in der Hansestadt. Kontrovers dagegen die Einschätzungen zur Bedeutung Hamburgs als Kulturmetropole. Das mag kaum verwundern angesichts der Tatsache, dass nicht einmal der Kultur-Begriff in Hamburger gleichermaßen definiert wird. Nicht selten wird Kultur an entscheidenden Stellen mit (ernster) Hochkultur – klassische Musik, Oper, Theater – gleichgesetzt, während beispielsweise die publikumsstarken Musical-Produktionen als „Unterhaltungskultur“ belächelt werden und kleinere Kulturprojekte jenseits des Mainstreams so gut wie gar nicht wahrgenommen werden.

Er erlebe die Hansestadt nicht als Kulturmetropole, antwortete Dr. Esser auf die Frage nach der Bedeutung der Hamburger Kultur. Zwar gebe es eine Vielzahl von Festivals, aber es fehlten Leuchtturmveranstaltungen, mit denen Hamburg eine Kulturmetropole werden könne. Für die Champions League würden der Wille und die Leidenschaft fehlen. Es gebe große Mäzene, aber die gestaltende Kraft bliebe aus. Ähnlich die Meinung Tina Heines: „In der Stadt fehlt Mut, auch bei Menschen, die in Kunst und Kultur interessiert sind. Es ist zwar eine große Bereitschaft da, aber das große Lebendige fehlt. Ich wünsche mir eine Stadt, in der sich Kunst und Kultur entfalten können. Offene Projekte sind wichtig, um Großes zu schaffen.“

Auch aus dem Publikum kam die Einschätzung, die Kulturmetropole Hamburg sei ohne Ausstrahlung. Das liege jedoch weder am Angebot, noch am Hamburger Publikum, noch am Engagement der Unternehmen, so der Redner. Der Grund sei das skandalöse Feuilleton in der Stadt. Es gebe keine Medien, die das kulturelle Interesse befeuern.

Hamburg habe es generell ein bisschen schwerer im Vergleich zu Städten wie beispielsweise Wien, erläuterte Esser. Dort sei aufgrund der Geschichte im genetischen Code verankert, dass Kultur ganz oben angesiedelt ist. Anders auch die Hochhaus-Stadt Frankfurt: Dort habe sich der damalige Bürgermeister Wallmann (Anmerkung der Redaktion: Ende der 1070er/Anfang der 1980er-Jahre) für wunderbare Museen eingesetzt und dafür tief in die Tasche gegriffen, um diese Museen zu etablieren. In Hamburg drehe sich die Diskussion dagegen immer nur um die Elbphilharmonie, dass das Museum in Altona geschlossen werden solle und dass das Geld für Kultur knapp ist. In anderen Städten werde Kultur dagegen gefeiert. Es sei wichtig aus der Diskussion „Sparen, sparen, sparen“ herauszukommen, „eine große Stadt wie Hamburg, die verzichtet in der Kultur mitzuspielen, vertut eine Chance“, so Esser.

Die (Kaufmanns-)Kultur prägt Hamburgs Identität

Die Hanseaten haben ein traditionell großes Interesse an kulturellem Engagement. Hier die Bedürfnisse aller Seiten zusammenzubringen, daran solle man arbeiten. Gleichzeitig seien viele Denkstrukturen und das Verhalten der Bürger gesetzt und daher wenige Veränderungen möglich, klang es in der Diskussionsrunde an.

Aus dem Publikum meldete sich daraufhin Dr. Lisa Kosok Direktorin des Hamburgmuseums zu Wort: „Städte mit hanseatischer Tradition hätten aufs falsche Pferd gesetzt“ sei eine gefährliche Aussage. Vielmehr habe Hamburg eine spannende Tiefe, geprägt durch Kaufmännisches, Internationales und eine gewisse Weltoffenheit. Warum also nicht die Tugend der Stadt, das Kaufmännische als Stärke sehen? Jede Stadt generiere die Kultur, die zu ihr passt. Wichtiger sei es, sich darauf zu verständigen, dass die Stadt eine Kultur braucht und das zu nutzen – die Stärken der Kultur mit den Stärken der Stadt zu einem guten Ergebnis zu verbinden.


 


 

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Dr. Rainer Esser
Elbjazz-Festivals Tina Heine
Dr. Gesa Birnkraut

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