Weitere Artikel
Interview mit Conny Graurock

"Hannes und ich sind nicht mehr nur Mutter und Sohn, sondern auch Geschäftspartner"

0
0

Das Hamburger Fernsehrestaurant „Graurocks“, das vor einigen Wochen im Rahmen der VOX-Sendung „Mein Restaurant“ gegründet wurde, avancierte in kurzer Zeit zu einem beliebten In-Lokal. Am vergangenen Mittwoch konnte es die Jury allerdings nicht überzeugen und wurde zusammen mit den Kölner Kandidaten nominiert. Die Inhaber Conny und Hannes Graurock kämpfen nun gemeinsam mit den vielen Fans gegen die Schließung ihres Restaurants. Business-on.de Hamburg sprach mit Conny Graurock über Träume, Kunst und Mutter-Sohn-Beziehung.

hamburg.business-on.de: War es schon immer Ihr Traum, ein eigenes Restaurant zu eröffnen?

Conny Graurock: Zumindest schon längere Zeit. Vor fünf Jahren ist dieser Traum entstanden. Eines Abends ist Hannes nach Hause gekommen und meinte „Mama, irgendwann möchte ich noch mal was zusammen mit Dir machen". Und als Koch, der er seit seinem 13. Lebensjahr werden wollte, war es schon immer sein größter Traum, ein eigenes Restaurant zu besitzen. Aber er wollte das nicht mit einem Freund oder Bekannten eröffnen, sondern mit mir. Das empfinde ich als eine große Auszeichnung.

hamburg.business-on.de: Wie kam es dazu, dass Sie sich bei „Mein Restaurant“ beworben haben?

Conny Graurock: Die Pläne, ein Restaurant zu eröffnen, bestanden, wie gesagt, schon länger, aber wir wollten einfach noch ein bisschen warten. Anfang des Jahres saß ich dann eines Abends mit Hannes zusammen und er meinte, eigentlich könnten wir doch bald mit unserem Restaurant beginnen und ich solle das Konzept schon einmal schreiben. Das schickte ich dann einem Bekannten zum Gegenlesen. Statt der Korrekturen erhielt ich von ihm den Castingaufruf zu „Mein Restaurant“.

hamburg.business-on.de: Gab es auch Freunde oder Bekannte, die nicht wollten, dass Sie an einem solchen Fernsehformat teilnehmen?

Conny Graurock: Ja, es gab auf jeden Fall kritische Stimmen, vor allem unsere eigenen. Ich bin seit über 20 Jahren in der Medien- und Werbebranche tätig und meinte zumindest ungefähr zu wissen, was auf uns zukommen wird. Daher haben Hannes und ich lange überlegt, ob wir bei „Mein Restaurant“ mitmachen sollen. Wir haben viel darüber gesprochen und uns klar gemacht, dass nichts mehr so sein würde wie vorher, sollten wir mit unserer Bewerbung Erfolg haben. Schließlich haben wir uns dafür entschieden, die Sendung als Möglichkeit zu nutzen, um unseren Traum zu verwirklichen.

hamburg.business-on.de: Die wechselnden Kunstausstellungen sind fester Bestandteil des „Graurocks“-Konzepts. Wie werden sie von den Gästen aufgenommen?

Conny Graurock: Unsere Gäste reden miteinander über die Bilder, die sie bei uns sehen. Sie gefallen nicht jedem, aber darum geht es auch nicht. Wir merken, dass die Kunst in unseren Räumen Gesprächsstoff bietet. Jeder sieht die Bilder anders. Nichts ist so umstritten wie die Kunst. Wir möchten mit unseren Ausstellungen nicht nur den Künstlern eine Plattform geben, sondern auch Diskussionen über Kunst anregen. Und das funktioniert sehr gut.

hamburg.business-on.de: Wie man im Online-Tagebuch vom „Graurocks“ lesen kann, war die bisherige Zeit bei „Mein Restaurant“ sehr anstrengend. Woher nehmen Sie Ihre Kraft?

Conny Graurock: Ja, die letzten Wochen waren wirklich sehr anstrengend, aber man hat ein Ziel vor Augen und das motiviert. Wir machen uns immer wieder klar, dass wir uns gerade einen Traum verwirklichen, und dann schafft man irgendwie alles. Aber wir arbeiten natürlich schon unter extremen Bedingungen und es gibt wenige Ruhephasen, aus denen man Kraft schöpfen kann.

hamburg.business-on.de: Sie sind permanenter Kritik und ständiger Beobachtung ausgesetzt. Wie ist das für Hannes und Sie? Wie gehen Sie damit um?

Conny Graurock: Es ist schon nicht einfach, mit der Kritik zurechtzukommen und auf Schritt und Tritt „verfolgt“ zu werden. Es gab plötzlich Tausende von Leuten, die mich bzw. uns in Schwarz und Weiß eingeteilt und ihre Meinung geäußert haben. Ich habe immer versucht, mich der Kritik zu stellen und darauf einzugehen. Aber wenn ich anderer Ansicht bin, dann äußere ich das auch und kann sehr direkt sein.

hamburg.business-on.de: Hat das Mutter-Sohn-Verhältnis zwischen Hannes und Ihnen seit „Mein Restaurant“ eine andere Qualität bekommen?

Conny Graurock: Wir sind weiterhin Mutter und Sohn, aber nun auch Geschäftspartner. Ich hatte am Anfang Angst, dass es uns nicht gelingt, zwischen den verschiedenen Ebenen hin- und herzuwechseln. Wenn ich an den Streit neulich in der Küche denke: das war kein Mutter-Sohn-Streit, sondern ein Service-Küchen-Streit. Aber auch wenn wir uns manchmal streiten, leidet darunter nicht das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn, denn es geht letztendlich ums Geschäft und nicht um Hannes und mich. Der familiäre Halt, davon bin ich überzeugt, ist die Basis, dass wir als Team so gut zusammenarbeiten.

hamburg.business-on.de: Viele „Graurocks“-Begeisterte unterstützen Sie tatkräftig, nicht nur indem sie die Hotline anrufen. Hätten Sie erwartet, dass so viele Menschen in dieser Zeit hinter Ihnen stehen?

Conny Graurock: Wir hätten vor allem nicht erwartet, dass die Norddeutschen, denen man ja eigentlich nachsagt, dass sie etwas zögerlich seien, sich so spontan für uns einsetzen. Aber da kommen dann die hanseatischen Kaufmannstraditionen zutage. Die Hamburger kämpfen für eine Sache und stehen füreinander ein. Aber wir haben nicht nur norddeutsche Fans, die uns unterstützen. Zwei Stuttgarterinnen haben uns besucht, um mit uns zu kochen, zu backen und uns zu unterstützen. Es ist toll zu sehen, wie viele Menschen hinter uns stehen.

hamburg.business-on.de: Wie wird Ihre Zukunft aussehen, wenn Sie das „Graurocks“ vielleicht in dieser Woche wieder schließen müssen?

Conny Graurock: Es gibt viele Ideen und Pläne, aber wir sind uns noch nicht endgültig darüber im Klaren, was wir dann machen werden. Jetzt hoffen wir erst einmal, dass wir durch die tolle Unterstützung von so vielen Menschen doch noch ins Finale einziehen.

hamburg.business-on.de: Vielen Dank, Conny, dass Sie sich die Zeit für uns genommen haben. Wir wünschen Ihnen alles Gute und viel Erfolg und drücken die Daumen, dass es in Hamburg weiterhin das „Graurocks“ geben wird.

Fragen: Beatrice Bantle

(Redaktion)



Empfehlen Sie diesen Artikel weiter!

0
0

 

Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1, 2 © hamburg.business-on.de


 

Graurocks
VOX
Mein Restaurant
Conny Graurock
Hannes Graurock
Hamburg Restaurant
Milchstraße

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Graurocks" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

2 Kommentare

von Peter
15.12.08 11:38 Uhr
Drücke alle Daumen

Hallo, eigentlich beteilige ich mich nicht an solchen Aktionen. Mit viel skepsis habe ich die ersten zwei Sendungen angeschaut. Sind doch die Produktionen der Privaten häufig gefakt und inziniert. Sehr schnell wurde mir dann bewußt, diese Staffel hat ein Konzept , ist durchdacht und ist mit den hamburgern "Conny und Hannes" herrvorragend besetzt. Sie machen ihr Ding, sind von anfang bis zum Finale sich immer treu geblieben, haben sich nie verstellt, haben einen großen Wiedererkennungswert und das Wichtigste, haben nie wie viele andere Mitbewerber(Köln/Leipzig) auf die Show gesetzt. Klar bin ich als norddeutscher und Vater einer der aktiven Kameramänner(Kim) nicht so ganz objektiv, weiß auch, daß die Münchner nicht schlecht sind. Aber Conny und Hannes sind Mutter und Sohn, Hannes mit 23 Jahren ,schon eine gestandene Persönlichkeit, Conny eine natürliche,aufrichtige und starke Frau, die zusammen , für ihren Traum sehr viel geben. Davor ziehe ich meinen nicht vorhandenen Hut, eine schöne, aber nicht alltägliche Geschäftsverbindung. Mutter und Sohn haben meine absolute Symphatie und hätten allein aus diesem Grunde, den Sieg dieser Staffel verdient. Unsere Stimmen habt ihr, meine Frau und ich haben und werden weiterhin ,uneingeschränkt für diese Beiden voten , damit der Traum wirklichkeit wird.
Liebe Grüße peter

von oli
12.08.09 22:25 Uhr
klasse

Ich finde es Spitze, wie intensiv u. trotzdem harmonisch das Verhältnis zwischen Mutter Conny und Sohn Hannes abläuft .... bewundernswert !
Daran sollten sich viele Söhne mal ein Beispiel nehmen.
Macht weiter so !
'
LG oliver