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Hochschulbildungsreport 2020

Studie fordert verstärkte Vernetzung mit Education-Start-ups

Die Hochschulen in Deutschland stagnieren bei Weiterbildung und Lehrerbildung. Wie der Hochschul-Bildungs-Report 2020 zeigt, springen Education-Start-ups und Online-Plattformen mit modernen Angeboten in diese Lücke und bieten sich als Vorbild und Partner an.

Der Hochschul-Bildungs-Report von Stifterverband und der Unternehmensberatung McKinsey zeigt seit 2013 jährlich, wie gut es um die Qualität der Ausbildung in sechs Handlungsfeldern steht. So auch im aktuellen Jahresbericht, der im August 2019 erschienen ist. „Das Ergebnis ist aktuell ernüchternd”, heißt es auf der Webseite von McKinsey zum Ergebnis der Analyse.

Demnach ist Deutschland nur im Handlungsfeld „Internationale Bildung” im Soll. Die Indikatoren für ein chancengerechtes und durchlässiges Bildungssystem liegen im Mittelfeld ebenso wie der Bereich der MINT-Bildung, also der Fächer und Berufe aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Schlusslichter bilden die Handlungsfelder Lehrer-Bildung und Weiterbildung.

Wie aus dem Hochschul-Bildungs-Report 2020 weiter hervorgeht, fehlen der deutschen Wirtschaft in den nächsten fünf Jahren etwa 700.000 Tech-Spezialisten. Zudem hat jeder vierte, Erwerbstätige aus der Wirtschaft Schulungs- oder Nachschulungsbedarf in digitalen und nicht-digitalen Schlüsselqualifikationen. In diesen Markt drängen laut Analyse aktuell Education-Start-ups und Online-Plattformen mit Angeboten, die sich durch eine hohe Anwendungsorientierung und durch innovative Lösungsmodelle auszeichnen.

Education-Start-ups mit Vorbildcharakter

Der Hochschul-Bildungs-Report untersucht erstmals genauer den Erfolg von Education-Start-ups und zeigt die Faktoren auf, die Hochschulen bei ihrer Entwicklung von neuen Weiterbildungsangeboten beachten sollten: Neben Ausbildung und Forschung sollten Hochschulen Weiterbildung als dritte Säule ihrer Aufgaben strategisch weiterentwickeln.

Dafür könne laut Studienautoren auch die verstärkte Kooperation mit Education-Start-ups sinnvoll sein. Diese punkten vor allem durch eine hohe Anwendungsorientierung und durch innovative Erlösmodelle. „Das Lernen ist projektbasiert, individualisiert und praxisnah. Die Erlösmodelle halten die monetäre Hemmschwelle meist niedrig und reichen von Freemium-Modellen – Bezahlen nur für Premium-Inhalte – über Abonnements bis hin zur Bezahlung nach Kurserfolg.”

Empfehlung: Entwicklung anschlussfähiger Plattformen

Angesichts der politischen Debatte, digitale Bildungsplattformen zu etablieren, werden im Report verschiedene Plattformszenarien analysiert. Die Autoren kommen dabei zu dem Schluss, dass einzelne private und öffentliche Online-Weiterbildungsangebote – von Unternehmen oder Bundesländern initiiert – den neuen Anforderungen der Arbeitswelt nicht gerecht werden. Vielmehr sollten anschlussfähige Plattformen für digitale Hochschulbildung, die ein Zusammenwirken aller Insellösungen ermöglichen, entwickelt werden.

Zudem habe die Politik dafür Sorge zu tragen, dass durch solche Plattformen die einzelnen fragmentierten Bildungsangebote leicht auffindbar und intelligent miteinander vernetzt sind, so die Studienautoren. In diesem Sinne sind nationale Vorhaben auch mit entsprechenden europäischen Initiativen zu verzahnen.

Hochschul-Bildungs-Index: wesentliche Ziele verfehlt

Auf seiner Skala von 0 bis 100 Punkten erreicht der Hochschul-Bildungs-Index 2017 lediglich 46 Punkte. Das ist im Jahresvergleich ein Plus von fünf Punkten. Das Ziel von 70 Punkten, das für sechs Handlungsfelder für das Jahr 2017 gesetzt wurde, wurde damit verfehlt. Diese Zahl erreicht nur ein Handlungsfeld: die internationale Bildung mit 75 Punkten.

Mit 47 beziehungsweise 40 Punkten liegen die Indikatoren für ein chancengerechtes und durchlässiges Bildungssystem im Mittelfeld. Der Bereich der MINT-Bildung konnte mit einem Plus von 6 Punkten zwar etwas überdurchschnittlich zulegen, bleibt mit 41 Punkten aber ebenfalls weit hinter der Zielsetzung von 70 Punkten zurück.

Lehrerbildung: MINT-Fächer unter Basiswert von 2010

Schlusslichter bilden die Handlungsfelder Lehrer-Bildung mit 30 Punkten und Weiterbildung/Quartäre Bildung mit 31 Punkten. Im Bereich Lehrer-Bildung lag der Anteil der Studienanfänger in den MINT-Fächern im Jahr 2017 bei 26,8 Prozent und somit unter dem Basiswert von 29 Prozent in 2010. Der geringe Anteil der Informatik-Studierenden an allen Lehramtsanfängern ist rückläufig, weitere zentrale Indikatoren stagnieren: Das Grundschullehramt bleibt weiblich, das Lehramt insgesamt ist wenig divers.

Kaum Bewegung bei der Weiterbildung

Im Bereich Weiterbildung hat sich fast kein Indikator groß bewegt. Der Anteil der Studierenden im Teilzeit-, Fern- oder Weiterbildungsstudium verharrt auf niedrigem Niveau. Der Anteil der berufsbegleitenden Masterstudiengänge hat sich seit 2013 fast verdoppelt. Dagegen ist der Anteil an weiterbildenden Masterstudiengängen rückläufig. Diese Entwicklung ist laut Studienautoren unzureichend, zumal die Nachfrage von Arbeitnehmern nach akademischen Weiterbildungsmöglichkeiten und nach Möglichkeiten, berufsbegleitend zu studieren, in den nächsten Jahren stark zunehmen werden.

Background und Methodik

Der Hochschul-Bildungs-Report liefert messbare Ziele für das Jahr 2020, die im Dialog mit Experten aus den Mitgliedsunternehmen des Stifterverbandes, Wissenschaftsorganisationen und Vertretern der Zivilgesellschaft formuliert wurden. Er gibt Empfehlungen, wie diese Ziele zu erreichen sind. Dazu wird jedes Jahr der Status quo des Hochschulsystems in sechs Handlungsfeldern – Chancengerechte Bildung, Internationalität, Beruflich-akademische Bildung, Quartäre Bildung, MINT-Bildung, Lehrer-Bildung – anhand von 70 Indikatoren analysiert.

Hier kann der Hochschul-Bildungs-Report 2020 kostenfrei heruntergeladen werden: www.hochschulbildungsreport2020.de

Die größten Education-Start-ups auf einen Blick: www.hochschulbildungsreport2020.de/education-start-ups

(Redaktion)


 


 

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