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Konjunkturbericht

Hoffnungszeichen mehren sich - Ausblick bleibt aber verhalten

In den letzten Wochen haben sich die konjunkturellen Hoffnungszeichen in Deutschland sichtlich verstärkt. Zusaetzlich zu den etwas besseren Stimmungsindikatoren senden inzwischen auch "harte" Konjunkturdaten erste Lichtblicke, etwa der Anstieg der Auftragseingaenge und der Exporte, sowie die Stabilisierung der Industrieproduktion.

Dennoch: Es bleibt noch entschieden zu frueh, das Ende des konjunkturellen Einbruchs auszurufen. Denn erstens ist das Niveau der Stimmungsindikatoren noch immer sehr niedrig und signalisiert weitere - wenn auch weniger starke - Produktionseinschränkungen. Zweitens war der Einbruch der wirtschaftlichen Leistung derart kräftig, dass selbst bei einer allmählichen konjunkturellen Erholung auch in der kommenden Zeit Produktionskapazitäten im grossen Umfang unausgelastet bleiben. Dies bedeutet mittelfristig ungünstige Perspektiven fuer die Investitionstaetigkeit.

Gegen eine rasche Erholung nach einer Bodenbildung sprechen noch andere
Aspekte:

So besteht die Gefahr, dass die expansive Wirtschaftspolitik in vielen Laendern nur ein konjunkturelles Strohfeuer entfacht. Ferner ist der strukturelle Anpassungsbedarf in der Weltwirtschaft weiterhin unbewältigt. Der Finanzsektor befindet sich zudem nach wie vor in einer schwierigen Lage, und es ist absehbar, dass Marktentwicklungen sowie - auf mittlere Sicht - regulatorische Änderungen in Zukunft wohl zu einer geringeren Kreditexpansion führen werden. 

Für die Weltwirtschaft insgesamt wird daher mit einer Abschwächung des
Wachstumspotenzials zu rechnen sein, der sich auch Deutschland nicht
entziehen kann. Die aktuelle Prognose der Bundesregierung mit einem
Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 6 % in diesem Jahr ist vor diesem
Hintergrund sehr plausibel.

Unausweichlich scheint zudem, dass sich die Lage am Arbeitsmarkt in den
kommenden Monaten weiter eintrüben wird.

Zum einen ist der Arbeitsmarkt ein typischer konjunktureller Spätindikator und reagiert erst mit einer zeitlichen Verzögerung auf die wirtschaftliche Entwicklung. Zum anderen macht der gravierende Produktionseinbruch erhebliche Überkapazitäten deutlich. Um in etwa wieder ein Beschaeftigungsvolumen wie im vergangenen Jahr zu erreichen, wären nach einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 6 % in diesem Jahr drei Jahre lang wirtschaftliche Wachstumsraten von gut 2 % erforderlich. Die Kurzarbeit ist angesichts dessen als Instrument zur flexiblen Anpassung an vorübergehende Auslastungsschwankungen überfordert. Über einen laengeren Zeitraum könnte die Situation durch flexible Arbeitszeitanpassungen bei entsprechender Lohnreduktion entschaerft werden. Die Warnung, eine solche Politik würde die
Wirtschaftskrise verstärken, läuft ins Leere, denn die Alternative wäre die Entlassung von Arbeitnehmern.

Die steigende Arbeitslosigkeit wird die Entwicklung des privaten Konsums
in Deutschland sowohl in diesem als auch im nächsten Jahr belasten.

Gleichwohl muss entschieden vor der Illusion gewarnt werden, man müsse den
privaten Konsum durch kräftige Lohnerhöhungen anregen. Dies wuerde
letztlich zu einem noch stärkeren Beschäftigungsabbau führen und somit
die Massenkaufkraft nicht stützen. 

Bundesverband deutscher Banken

(Redaktion)


 


 

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