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Greenpeace-Gruppe Hamburg

Holger Becker über die Ernennung Hamburgs zur Umwelthauptstadt 2011

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Die EU-Kommission hat Hamburg für das Jahr 2011 zur „European Green Capital“ gekürt. Für die Bewerbung musste Hamburg nachweisen, dass die Stadt in den vergangenen Jahren ebenso hohe wie vorbildliche Umweltstandards erfüllt hat und auch weiterentwickelt. hamburg.business-on.de fragte nach, wie die Umweltorganisation Greenpeace zu dem Preis steht.

hamburg.business-on.de: Herr Becker, Hamburg wird 2011 den von der EU vergebenen Titel „ Grüne Hauptstadt Europas“ tragen. Wie bewerten Sie diesen Titel?

Holger Becker: Hamburg hat sich mit dem Neubau des Klimakillers Moorburg gleich in der Hauptkategorie “Bekämpfung von Treibhausgasen und Luftverschmutzung” disqualifiziert. Dass Hamburg als zweite Stadt überhaupt den Preis bekommen soll, schwächt die Bedeutung und die Glaubwürdigkeit des Titels.

hamburg.business-on.de: Laut EU heißt es, dass die Städte mit dem Titel ermutigt werden sollen, die Lebensqualität ihrer Bürger zu verbessern, indem der Umweltschutz in die Stadtplanung systematisch einbezogen wird. Gelingt das mit der Umweltpolitik der Hansestadt?

Holger Becker: Hamburg hat die Chance zu zeigen, dass Wirtschaft und Ökologie nicht im Widerspruch stehen, sondern sich wunderbar ergänzen können. Stichpunkt Energieeffizienz: im Bereich der Gebäudesanierung liegen noch große Potenziale brach. Ebenso ließen sich durch effiziente, dezentrale Strom- und Wärmeproduktion die Luftschadstoffe deutlich reduzieren. Beides sind Bereiche, von denen der lokale Mittelstand profitieren würde. Seitens der Politik sind jedoch zu wenig Anreize zu erkennen.

hamburg.business-on.de: Was wünschen Sie sich, um die Stadt auch nach 2011 langfristig umweltfreundlicher zu gestalten. Was können Senat und Bürger tun?

Holger Becker: Es ist schon bezeichnend, dass Hamburg den Preis wieder abgeben muss, wenn Moorburg 2012 ans Netz gehen soll. Das Kohlekraftwerk wird die Entwicklung von zukunftsfähiger und sinnvoller Energieversorgung behindern und verdrängen. Aufgabe der Politik ist es dort gegenzusteuern, und durch die verstärkte Förderung von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien ein Zeichen zu setzen. Nur so kann auch die Wirtschaft zukunftsfähig gestaltet werden und Hamburg ein attraktiver Standort zum Leben und Arbeiten bleiben. Der Bürger sollte sich seiner gestalterischen Macht als Verbraucher bewusst sein, und sich beim Konsum kritische Fragen des Umwelt- und Klimaschutzes sowie der Nachhaltigkeit stellen. Gerade im Bereich Strom- und Wärmeenergie gibt es eine Menge ungenutzter Möglichkeiten wie z. B. Ökostromanbieter, die ihren Strom nicht in Großkraftwerken auf Atom- oder Kohlebasis erzeugen.

hamburg.business-on.de: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Becker. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Arbeit.

(Redaktion)



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Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Holger Becker / Greenpeace-Gruppe Hamburg


 

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