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Innovationen im Alltag

Hendrik Jonkers erfindet bakterienhaltigen, selbstheilenden Zement – Entdeckergeist und Pionierarbeit Teil 10

Risse im Beton sind teuer, hässlich und mitunter gefährlich. Ob an Brücken oder Häusern, die Sanierung von Bauwerken verursacht alleine innerhalb der EU jedes Jahr Kosten in Höhe von etwa sechs Milliarden Euro. Doch bald soll Schluss sein mit teuren Sanierungen: Der Mikrobiologe Hendrik Jonkers hat einen Beton erfunden, der das Problem mit den lästigen Rissen und Spalten ein für alle Mal beseitigt und so Milliarden sparen kann.

Das Problem bei herkömmlichem Stahlbeton: Durch Belastung entstehen nach und nach kleine Risse. Wasser dringt ein, der Stahl im Beton beginnt zu rosten und wird brüchig. Das passiert oft schon nach zwanzig bis dreißig Jahren. Der Niederländer Hendrik Jonkers sucht nach langlebigerem Beton. Dabei ließ er sich vom menschlichen Körper inspirieren. Er schaute sich an, wie Knochenbrüche durch Mineralisierung selbst heilen. Das passiert unter Mitwirkung von Osteoblasten. Jonkers beginnt für Beton eine entsprechende „Selbstheilungstechnik“ zu entwickeln.

An der Universität Delft entdeckte der Mikrobiologe nach langer Suche den besonderen Inhaltsstoff für seinen „Zauberbeton“: Natürliche Bakterien. Sie kommen normalerweise in der Nähe von Vulkanen vor und sind hitze- sowie kälteresistent. Jonkers mischt sie in den Beton – so wird der Baustoff im wahrsten Sinne des Wortes lebendig.

Seine Wunderkraft entfaltet der Bio-Beton, wenn er verbaut ist: Entstehen Risse, dringt Wasser ein. Das Wasser weckt dann die Bakterien. Sie können 200 Jahre lang im Beton schlummern. Doch bei Kontakt mit Wasser werden sie aktiv und fressen das beigemischte Futter. Dann scheiden sie Kalkstein aus, den Hauptbestandteil von Zement. Dieser schließt dann die Risse im Beton. Der Vorher-Nachher-Effekt ist deutlich zu erkennen. Drei Wochen benötigen die fleißigen Bakterien, um Risse zu verschließen. Dabei spielt die Länge der Risse keine Rolle.


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Das funktioniert auch nachträglich: Jonkers und sein Team entwickeln eine Spezial-Flüssigkeit, mit der auch Gebäude, die aus herkömmlichem Beton bestehen, bei Rissen nachbehandelt werden können. Auch diese Flüssigkeit enthält die Bakterien. Noch in diesem Jahr soll sie auf den Markt kommen. Der Bio-Beton soll 2016 folgen.

Die versteckten Helfer im Beton könnten eine Revolution auslösen und Hendrik Jonkers den begehrten Europäischen Erfinderpreis einbringen. Ob Jonkers und sein Team die renommierte Erfindertrophäe in der Kategorie „Forschung“ erhalten, entscheidet sich am 11. Juni, zum zehnten Jubiläum des Preises in Paris.

(Redaktion)


 


 

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