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Internetkriminalität

Deutschland verliert 1,6 Prozent des BIP durch Cybercrime

Die weltweiten Kosten durch Cyberkriminalität liegen geschätzt über 400 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Im Jahr 2013 wurden in Deutschland 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts durch Straftaten im Netz vernichtet. Dies sind Ergebnisse des Reports „Net Losses – Estimating the Global Cost of Cybercrime“ des Center for Strategic and International Studies (CSIS), der von den Sicherheitsspezialisten von McAfee in Auftrag gegeben wurde.

Der Sicherheitsspezialist, ein Geschäftsbereich von Intel Security und hundertprozentige Tochter der Intel Corporation, beziffert die Kosten, die Internetkriminelle verursachen, für die Weltwirtschaft auf 445 Milliarden Dollar. Die Folgen der finanziellen Schäden sieht der Sicherheitsanbieter darin, dass in der Europäischen Union 150.000, in den USA sogar 200.000 Arbeitsplätze mehr existieren könnten. Die G20-Länder erlitten demnach die größten Verluste. So verzeichneten die vier stärksten Marktwirtschaften – USA, China, Japan und Deutschland –alleine Schäden im Wert von 200 Milliarden US-Dollar. Deutschland verliert laut Report 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Cyberkriminalität wirke sich negativ auf Unternehmen und generell auf den Handel, auf Innovation, Wettbewerb und Wachstum in Volkswirtschaften aus. Die globale Internetwirtschaft zum Beispiel generierten geschätzt Umsätze zwischen zwei und drei Billionen US-Dollar. Diese wachsende Wirtschaftssparte sei besonders betroffen: Laut CSIS würden 15 bis 20 Prozent der Wertschöpfung im Netz durch Cyberkriminalität vernichtet, heißt es. Ein weiteres zentrales Thema des Reports ist der Diebstahl von geistigem Eigentum, der besonders in führenden Industrienationen ein Problem darstelle. Dementsprechend attraktiver seien diese Länder auch für Kriminelle: Hochlohnländer verlören im Durchschnitt etwa 0,9 Prozent mehr vom BIP als Niedriglohnländer. „Cyberkriminalität wirkt wie eine Abgabe auf Innovation, bremst Innovatoren und Investoren durch Umsatzverluste aus“, so Jim Lewis von der in Washington, DC ansässigen Nonprofit-Organisation CSIS. „In entwickelten Ländern hat Cybercrime zudem Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Jobs mit einer hohen Wertschöpfung gehen verloren.“

Wirtschaftliche Schäden für Unternehmen und Bürger

Im McAfee-CSIS-Report fließen vielfältige Schadensarten in die Berechnung der finanziellen Auswirkungen von Cybercrime ein: Von Wirtschaftsspionage, Finanzstraftaten und Marktmanipulation über die Opportunitäts- und „Aufräumkosten“ für Unternehmen bis hin zu den vielfältigen Vorfällen in Bezug auf persönliche Nutzerdaten. Die Aufräumkosten – im Report „Recovery Costs“, also Kosten, um die digitale Infrastruktur nach einem Angriff zu säubern und beispielsweise Image-Schäden einzudämmen – machten oft ein Vielfaches dessen aus, was Hacker eigentlich an Profit aus ihren Aktivitäten zögen. In Italien beispielsweise schätzt der Report die Schäden durch Hacker auf 875 Millionen US-Dollar, die „Aufräumkosten“ dagegen auf 8,5 Milliarden US-Dollar.

Im internationalen Vergleich erleidet Deutschland die höchsten Verluste

Mit Schäden in Höhe von etwa 1,6 Prozent des BIP trage Deutschland im internationalen Vergleich anteilig die höchsten Kosten. Die Niederlande schlössen hier mit 1,5 Prozent an, gefolgt von den USA und Norwegen mit je 0,64 Prozent und China mit 0,63 Prozent. Je besser die jeweiligen Länder Daten erfassten, desto selbstbewusster seien die Länder auch, was die gemeldete Schadenshöhe betreffe. In Deutschland werde beispielsweise im Vergleich viel erfasst – in Großbritannien weniger. Auch daraus könnten sich Unterschiede bei den BIP-Anteilen ergeben.

„Die Qualität der Daten schwankt von Land zu Land, und wir haben, wie wir auch im Report sagen, noch kein vollständiges Bild“, erklärt Hans-Peter Bauer, Vice President Central Europe bei McAfee. „Der Schaden für einzelne Länder sowie die Weltwirtschaft insgesamt könnte also in Wirklichkeit noch deutlich höher ausfallen. Ein Ziel dieses Reports ist es auch, alle Beteiligten – Unternehmen wie staatliche Institutionen – dazu anzuhalten, Cybercrime noch besser zu erfassen und noch mehr Transparenz zu schaffen.“

Von Verlusten zu wirtschaftlichen Gewinnen

Regierungen unternehmen laut dem Sicherheitsspezialisten inzwischen beträchtliche Anstrengungen, um Daten über Cyberkriminalität systematisch zu sammeln und zu veröffentlichen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik beispielsweise arbeite an Lageberichten. Mehr Transparenz solle Unternehmen und Organisationen dabei helfen, bessere Entscheidungen in Bezug auf den Umgang mit Risiken und ihre Policies treffen zu können. Eine bessere internationale Zusammenarbeit sowie Public-Private-Partnerships verbesserten die Informationslage ebenfalls. Erst vergangene Woche hätten elf Staaten in Kooperation die Aushebung eines Rings von Kriminellen bekannt gegeben, die hinter dem GameOver Zeus-Botnet standen.

„Aus dem Bericht geht besonders deutlich hervor, welche wirtschaftlichen Vorteile ein erfolgreicher Kampf gegen Cyberkriminalität mit sich bringt“, sagt Scott Montgomery, Chief Technology Officer, Public Sector bei McAfee. „Über die Jahre hat sich Cyberkriminalität zu einer professionellen Wachstumsindustrie entwickelt. Diese Entwicklung lässt sich umkehren, durch eine noch bessere Zusammenarbeit zwischen Staaten und intensivere Public-Private-Partnerships. Außerdem haben wir die technischen Möglichkeiten, um geistiges Eigentum, Finanz- und andere sensible Daten zu sichern. Wenn dies nachhaltig gelingt, schaffen wir Wachstums- und Arbeitsmarkteffekte.“

(Redaktion)


 


 

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