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ITK-Branche

Kreditvergabe an Start-ups: Banken agieren zurückhaltend

Mehr als ein Drittel der Unternehmensgründer im IT-Bereich haben trotz niedriger Zinsen Schwierigkeiten, ein Darlehen aufzunehmen. Je höher der Umsatz, desto einfacher wird es für es IT-Unternehmen, bei ihrer Bank einen Kredit zu erhalten.

Bei den derzeitigen niedrigen Kreditzinsen kann die Finanzierung für Unternehmen günstig ausfallen – wenn sie überhaupt ein Darlehen von der Bank bekommen. Während große Unternehmen bei der Kreditbeantragung derzeit kaum Probleme haben, gestaltet sich die Bankenfinanzierung für Start-ups schwierig. Das berichtet der Branchenverband Bitkom auf Basis einer Auswertung der KfW-Unternehmensbefragung 2016 für die Digitalbranche. Dafür wurden im Februar und März 2016 deutsche ITK-Unternehmen zu ihrer Finanzierungssituation und ihren Finanzierungsgewohnheiten befragt.

Demnach sagen 36 Prozent der jungen IT-Unternehmen, dass sie derzeit Schwierigkeiten haben, ein Darlehen aufzunehmen. Rund jedes vierte Start-up (27 Prozent) gibt an Probleme zu haben, überhaupt einen Kredit zu bekommen. Von den Unternehmen, die bereits länger als fünf Jahre am Markt sind, berichten 17 Prozent von schwierigen Darlehensgesprächen und nur 13 Prozent haben mit einer ablehnenden Reaktion der Banken zu kämpfen.

„Start-ups können nur sehr eingeschränkt von den günstigen Kreditkonditionen auf dem Kapitalmarkt profitieren. Oft sind sie einfach nicht in der Lage, die verlangten Sicherheiten zu liefern“, sagt Bitkom-Geschäftsleiter Niklas Veltkamp. „Es ist wichtig, dass wir in Deutschland ausreichend alternative Finanzierungsmöglichkeiten für Start-ups schaffen.“ Der Verband begrüße daher die Pläne des Bundesfinanzministeriums, einen „Tech Growth Fund“ mit einem Volumen von 10 Milliarden Euro einzuführen. Für jeden Euro an Wagniskapital, den ein Gründer erhält, soll er aus dem Fonds zusätzlich einen Euro Kredit erhalten. So kommen insgesamt 20 Milliarden Euro zusammen, die an Jungunternehmen fließen können. „Die finanziellen Mittel, die der Tech Growth Fund für schnell wachsende Start-ups bereithält, werden als Darlehen vergeben. Diese müssen die Gründer mit Zinsen zurückzahlen, sie müssen dafür aber keine Firmenanteile abtreten“, so Veltkamp. „Entscheidend ist jetzt, wie die genauen Konditionen für den Fonds aussehen – und wann er wirklich an den Start geht.“

Laut der Auswertung haben große Unternehmen weniger Schwierigkeiten, über Banken finanzielle Mittel zu erhalten. Bei den Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 1 bis 10 Millionen Euro erlebten 20 Prozent Schwierigkeiten bei der Kreditaufnahme, bei jenen mit einem Umsatz von 10 bis 50 Millionen Euro seien es nur 11 Prozent. Und Unternehmen, die mehr als 50 Millionen Euro im Jahr umsetzen, hätten aktuell überhaupt keine Probleme.

Junge Unternehmen hätten besonders mit den Anforderungen der Banken an die Dokumentation der Kreditverwendung, mit der Offenlegung von Unternehmensinformationen und mit der Forderung nach Kreditsicherheiten zu kämpfen. Rund jedes dritte Start-up (je 35 Prozent) nannte diese Anforderungen als Kredithürde. Ähnlich viele junge IT-Unternehmen erlebten gestiegene Anforderungen an die Eigenkapitalquote (31 Prozent). Bei den IT-Unternehmen, die bereits länger am Markt sind, stellten 26 Prozent gestiegene Anforderungen an die Dokumentation und 23 Prozent an die Offenlegung fest. Ähnlich viele berichteten davon, dass mehr Kreditsicherheiten (22 Prozent) und eine höhere Eigenkapitalquote (19 Prozent) gefordert werden.

Insgesamt sei die Zahl der Unternehmen mit Kreditproblemen gegenüber dem Vorjahr aber leicht zurückgegangen. Allerdings hätten auch mehr als die Hälfte (58 Prozent) der Unternehmen gar keine Bankenkredite beantragt. Auch die Kreditvoraussetzungen hätten sich im vergangenen Jahr deutlich verbessert. So konnten 45 Prozent der Unternehmen ihre Eigenkapitalquote weiter verbessern, nur bei 12 Prozent habe sie sich verschlechtert. Und 44 Prozent der Unternehmen meldeten einen Anstieg ihrer Umsatzrendite nur 15 Prozent einen Rückgang. Das Rating habe sich bei 28 Prozent der IT-Unternehmen verbessert, nur bei 2 Prozent sei eine Verschlechterung eingetreten.

Aus der Verwendung beantragter Kreditmittel zieht der Bitkom Rückschlüsse auf das Investitionsverhalten der Unternehmen: Fast die Hälfte der Digitalunternehmen, die Kredite beantragten, haben Kredite für Betriebsmittel eingesetzt (47 Prozent). Jedes fünfte Unternehmen (22 Prozent) plante Darlehen für Grundstücks- oder Gebäudeinvestitionen ein. Der Kauf von Maschinen und Anlagen (16 Prozent) und die Eingehung von Beteiligungen (14 Prozent) folgen als weitere Motive der Kreditaufnahme. Nur jedes zehnte Digitalunternehmen (10 Prozent) setzt Kreditmittel für Digitalisierungsvorhaben ein.

(Redaktion)


 


 

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