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Jahrestagung der IWF

Währungsstreit: Erst denken, dann poltern!

Zumindest ein positives Ergebnis brachte die Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF): Künftig soll der IWF stärker die Wirkung der Geldpolitik eines Landes auf andere Währungsräume untersuchen.

Hier besteht tatsächlich Forschungsbedarf. Unnötig war indes die Polterei von IWF -Chef Dominique Strauss-Kahn, der zuerst von einem "Währungskrieg" gesprochen hatte, dann diese Wortwahl als zu "militaristisch" bezeichnete und anschließend Wechselkurse als Waffen deklarierte. Offenbar will sich da jemand als Kandidat für das Amt des französischen Präsidenten positionieren.

Sicher, bei Politikern gehört Poltern zum Handwerk. Trotzdem sollten sie vorher nachdenken. Die globale Wechselkursproblematik ist zu wichtig, um für nationale Wahlkämpfe instrumentalisiert zu werden. Positiv ist, dass bei dem IWF-Mandat wohl nicht Handelsfragen wie zwischen China und den USA im Fokus stehen. So erklärte Bundesbankpräsident Axel Weber den Sinn des Mandats mit der Sorge um die Finanzstabilität. Von der Wettbewerbsfähigkeit des US-Exports sprach er nicht.

Tatsächlich kann eine rasche Währungsaufwertung infolge von kurzfristig hohen Kapitalzuflüssen in kleinen Ländern verheerend wirken, etwa, wenn die Anleger ihr Kapital plötzlich wieder abziehen. Deshalb ist es richtig, wenn der IWF befristete Kapitalverkehrskontrollen nun positiv bewertet. Natürlich besteht die Gefahr, dass diese nicht nur kurz-, sondern auch langfristig eingesetzt werden. Es gilt hier die Weisheit des Ökonomen Joseph A. Schumpeter über Staatseingriffe in den Markt. Diese können sinnvoll sein, um für einen "geordneten Vormarsch" anstelle eines wilden Einfalls zu sorgen oder um aus einer "wilden Flucht" einen "geordneten Rückzug" zu machen. Eingriffe in den Devisenmarkt sollten also keinen Trend bekämpfen, aber unter Umständen die Volatilität .

Natürlich müssen zuallererst die USA und Euroland für mehr Stabilität an den Devisenmärkten sorgen und ihre ultralockere Geldpolitik zurückfahren, um so die globale Liquiditätsflut zu drosseln. Das wäre auch deshalb angebracht, weil mittlerweile selbst die Chinesen ein Einsehen hatten und ihre Währung etwas aufwerteten. Peking muss übrigens aus eigenem Interesse diesen Weg weiter verfolgen. Nicht schockartig und wild. Aber graduell, in einem geordneten Rückzug aus der Politik des billigen Geldes.

(Stephan Balling / Börsen Zeitung)


 


 

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