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KPMG-Analyse

Jede fünfte deutsche Klinik ist wirtschaftlich gesehen ernsthaft krank

80 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland sind gut oder sehr gut aufgestellt, doch krankt jedes fünfte Haus hierzulande an mangelnder Wirtschaftlichkeit. Vor allem überdurchschnittlich viele Kliniken in öffentlicher Trägerschaft und Krankenhäuser in den alten Bundesländern müssen sich mittelfristig ernsthaft Sorgen um ihre Existenz machen. Das hat eine repräsentative KPMG-Analyse mit dem Titel "Zukunft deutsches Krankenhaus" ergeben, für die die Daten von 263 Kliniken mit jeweils mindestens 300 Betten ausgewertet wurden. Das entspricht knapp der Hälfte aller Häuser dieser Größenklasse in Deutschland.

Die Analyse macht auch deutlich: Das deutsche Durchschnittskrankenhaus gibt es nicht. Jedes hat eigene Stärken und Schwächen und muss sich je nach regionaler Lage und Trägerschaft in einer Wettbewerbsumgebung mit ganz individuellen Chancen und Risiken behaupten.

Für jedes Krankenhaus wurden Indikatoren wie Umsatzrentabilität, Bettenauslastung, Material- und Personalaufwandsquote oder Anlagenabnutzungsgrad erfasst und mit dem Branchenschnitt verglichen. Ergebnis: Rund 18 Prozent der Krankenhäuser liegen in allen Bereichen mindestens im Durchschnitt oder sogar besser als ihre Wettbewerber. Solche Häuser setzen Branchenstandards und können sich darauf konzentrieren, ihre führende Position auszubauen.

Die meisten Krankenhäuser in Deutschland (60,8 Prozent) sind zwar vergleichsweise gut aufgestellt, liegen aber bei einigen Indikatoren deutlich unter dem Durchschnitt. Prof. Dr. Volker Penter, Partner und Leiter des Bereichs Health Care bei KPMG: "Für viele Häuser besteht vor allem im Personalbereich noch Verbesserungspotenzial, Dabei geht es häufig gar nicht darum, weiter Stellen abzubauen, sondern in erster Linie, qualifiziertes Personal effizienter einzusetzen. Etwa indem man Prozesse besser organisiert, die Mitarbeiter ihrer Qualifikation entsprechend einsetzt und stärker leistungsorientiert bezahlt. Fast genauso wichtig ist aber auch ein effizienterer Materialeinsatz. Wenn es um Verbrauch von medizinischem Bedarf, Strom, Wasser oder Lebensmitteln geht, nutzen viele noch nicht alle Einsparmöglichkeiten. Aber auch durch ein professionelleres Gebäudemanagement oder durch konsequente Verhandlung von Einkaufspreisen ließe sich oft noch viel Geld sparen. Natürlich geht das alles nicht ohne Investitionen."

Jedes fünfte Krankenhaus schneidet in den meisten oder fast allen Bereichen deutlich schlechter ab als der Branchendurchschnitt und ist deshalb nicht mehr ausreichend gut im Wettbewerb positioniert oder mittelfristig ernsthaft bestandsgefährdet (21,3 Prozent). Prof. Dr. Volker Penter: "Schaffen es diese Häuser nicht, sich in den relevanten Bereichen deutlich zu verbessern, steht mittel- bis langfristig ihre Existenz auf dem Spiel."

Große Unterschiede je nach Trägerschaft, Region und Größe

Betrachtet man die analysierten Fälle nach Trägerschaft, Region und Größe, lassen sich zum Teil deutliche Unterschiede in der wirtschaftlichen Beurteilung der Häuser ausmachen. So sind fast ein Drittel der Krankenhäuser unter öffentlicher Trägerschaft mittel- oder langfristig in ihrer Existenz bedroht, wenn sie weiter wirtschaften wie bisher (29,8 Prozent). Und während in den neuen Bundesländern nur 7,5 Prozent der analysierten Krankenhäuser mittelfristig bestandsgefährdet sind, ist es in den alten Bundesländern jedes vierte (25 Prozent). Alles in allem schneiden mittelgroße Krankenhäuser (300 bis 800 Betten) in der Regel besser ab: In dieser Gruppe muss sich jedes sechste Haus Sorgen um seine Zukunft machen, bei den großen sind es deutlich mehr.

Prof. Dr. Volker Penter: "Die deutsche Krankenhauslandschaft steht vor einer gewaltigen Veränderung, denn der Wettbewerb wird sich deutlich verschärfen und der Druck zum wirtschaftlichen Handeln verstärken. In den nächsten fünf Jahren werden weitere Krankenhäuser aufgeben, fusionieren oder neue Rechtsformen eingehen. Am Ende werden diejenigen dominieren, die qualitativ und wirtschaftlich den modernen Anforderungen gerecht werden. Entscheidend ist hier die Eigeninitiative der einzelnen Häuser. Der Staat wird sich weiter zurückziehen."

KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

(Redaktion)


 


 

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