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Krankenkassen im Praxistest

Nur zwei Kassen sind gut

Fragen rund um die eigene Gesundheit dulden keinen Aufschub. Doch nicht immer bekommen gesetzlich Versicherte die richtigen Antworten. Finanztest hat Beratung, Service und Infoangebote im Internet von 21 Krankenkassen getestet, informiert ausführlich über die Testergebnisse und gibt Tipps für gesetzlich Versicherte.

Zweimal gut, 19 mal befriedigend

„Mein Anliegen wurde höflich, aber bestimmt abgelehnt. Es wurde nicht der Versuch unternommen, auch nur eine meiner Fragen zu beantworten. Ich erhielt kein Informationsmaterial.“ So fasst ein Testkunde von Finanztest das Ergebnis einer Anfrage bei seiner Kasse, der Big direkt gesund, zusammen. Diese Krankenkasse belegt im Krankenkassen-Praxistest von Finanztest den letzten Platz. Testsieger sind die AOK Plus und die Techniker Krankenkasse. Sie erhielten die Note gut. Alle anderen getesteten Kassen sind immerhin befriedigend. Finanztest untersuchte die Beratung und den Service von 21 gesetzlichen Krankenkassen sowie ihr Informationsangebot im Internet. In den 21 überprüften Kassen sind etwa 75 Prozent der Kassenpatienten versichert.

Testkunden stellten Fragen

Die AOK Plus ist die einzige Kasse, die für ihre Beratung ein Gut erhalten hat. Die schlechteste Beratung lieferte die AOK Baden-Würt­temberg ab. Sie schnitt in diesem Punkt nur ausreichend ab. Um die Beratung zu beurteilen, waren Testkunden im Auftrag von Finanztest unterwegs. Sie wandten sich telefonisch oder per E-Mail an ihre Kasse oder ließen sich persönlich in einer Geschäftsstelle beraten. Unsere Tester suchten zum Beispiel Rat zu einem Krankheitsbild wie Diabetes oder Bluthochdruck. Immerhin haben alle getesteten Kassen eine medizinische Hotline, an die sie die Ratsuchenden verweisen können. Andere Fragen bezogen sich auf angebotene Leistungen der Krankenkasse, die ebenfalls für viele Versicherte interessant sind - wie zum Beispiel Gesundheitskurse, Vorsorgeuntersuchungen oder Zahnersatz.

Erstaunliche Wissenslücken

Viele Ratsuchende erhielten umfassende und hilfreiche Auskünfte. Doch in einzelnen Fällen taten sich erstaunliche Wissenslücken auf. Es liege im Ermessen des Arztes, ob er eine Untersuchung privat oder über die Kasse abrechne, behauptete zum Beispiel eine Kasse fälschlicherweise. In anderen Beratungen erfuhren Versicherte trotz Nach­frage nicht, welche Vorsorgeuntersuchungen, zum Beispiel zur Krebsfrüherkennung, die Kasse bezahlt. Am Telefon und in der Geschäftsstelle bekamen die Testkunden ohne große Wartezeit einen Ansprechpartner. Auf Fragen, die per Mail gestellt wurden, reagierten hingegen einige Kassen nicht. Etwa jede achte E-Mail blieb unbeantwortet, zumindest kam innerhalb von sieben Tagen keine Reaktion. Die Hälfte der Kassen beantwortete per E-Mail gestellte Fragen außerdem schlechter als am Telefon oder in der Geschäftsstelle.

Weiterführende Angebote: kaum Hinweise

In einem Prüfpunkt haben alle Kassen Nachholbedarf: Für ihre Hinweise auf weiterführende Angebote bekamen alle nur die Note ausreichend oder sogar mangelhaft – selbst die Testsieger. Finanztest erwartete hier zum Beispiel, dass die Kasse Versicherten mitteilt, dass sie ein Angebot hat, das für sie interessant sein könnte - etwa eine Ernäh­rungsberatung für Zuckerkranke oder Kurse für Versicherte, die sich fit halten möchten. Nur in jeder vierten Beratung klappte das. Für Nachfragen wäre es außerdem gut, wenn Versicherte zum Beispiel die Kontaktdaten eines Ansprechpartners bekämen, an den sie sich wenden können. Auch dies gelang nur in einem Viertel der Fälle. Immerhin boten die Berater in mehr als der Hälfte der Fälle an, dass der Kunde sich jederzeit wieder melden könne. Zu vielen Themen wie Vorsorge­untersuchungen oder Zahnersatz haben etliche Kassen Broschüren, Faltblätter oder ausführliche Informationen im Internet. Doch nur in den wenigsten Fällen erfuhren die Testkunden etwas davon.

Internet von sehr gut bis ausreichend

Viermal vergab Finanztest für das Informationsangebot der Kassen im Internet ein Sehr Gut – durchweg an AOKs. Deren Internetauftritt stützt sich in weiten Teilen auf ein zentral vom AOK-Bundesverband betreutes Angebot. Die einzelnen Kassen können dies aber ausgestal­ten und erweitern. Andere Kassen tun sich gegen diese Konkurrenz schwer. Vier von ihnen sind trotzdem gut: die Techniker Krankenkasse, die Barmer-GEK, die KKH-Allianz und die DAK. Nur ein Ausreichend erhielten dagegen Deutsche BKK, BKK Gesundheit, IKK Südwest und Big direkt gesund. Allerdings: Nur weil eine Kasse einen schlechten Inter­netauftritt hat, sollte niemand gleich kündigen. Entscheidend sind die Leistungen. Ist jemand mit Service, Informationen und Leistungen seiner Kasse nicht zufrieden, kann es dagegen sinnvoll sein, sich nach einer anderen Kasse umzusehen.

Tipps

  • Anspruch. Finden Sie sich nicht mit miesem Service ab. AOK Plus und Techniker Krankenkasse zeigen, wie gute Beratung und Information der Versicherten aussehen können.
  • E-Mail. Kommunizieren Sie in erster Linie per Mail mit Ihrer Kasse? Dann riskieren Sie, nicht optimal bedient zu werden – selbst bei Kassen, die ansonsten gut beraten. Wichtige Angelegenheiten sollten Sie deshalb telefonisch oder persönlich klären.
  • Leistungen. Beratung ist nicht das einzige Kriterium für die Kassenwahl. Sind Sie aber mit Service, Informationen und Leistungen Ihrer Kasse nicht zufrieden, kann ein Wechsel sinnvoll sein. Wenn Sie einen Wechsel erwägen, vergleichen Sie Zusatzleistungen und andere Angebote der Kassen. Das geht einfach mit dem Produktfinder Gesetzliche Krankenkassen.

(Stiftung Warentest)


 


 

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