28.04.2010  11:40 Uhr

Wirtschaft in Kiel
Kiels Wirtschaft setzt die Segel

Hamburg. Mit der Kieler Woche präsentiert Schleswig-Holsteins Metropole alljährlich die größte Segelparade der Welt. Allerdings: Auch die restlichen 51 Wochen weht in der Stadt ein frischer Wind, der auch der Wirtschaft bekommt.

Nah am Wasser gebaut – muss ja nicht immer ein Nachteil sein. Wasser jedenfalls ist das Kieler Element. Gut für den florierenden Hafen, das Cruise&Ferry Center wie auch für die weltweit anerkannten Leistungen in der Meeresforschung und die hoch spezialisierte Marine.

Aus einer kleinen Regatta – erstmals ausgetragen im Jahre 1882 – entwickelte sich die Kieler Woche zu einem Sportevent der internationalen Spitzenklasse. 2000 Boote und 5000 Aktive machen sie zu „Mutter und Vater aller Regatten“, wie es der Welt-Segelverband verlauten lässt.

Dabei reicht Kiels Stadtgeschichte zurück bis 1233. Der schauenburgische Graf Adolf IV. ließ auf der Halbinsel eines Fördearmes – dem heutigen “Kleinen Kiel” – seine “Holstenstadt tom Kyle” anlegen – und erhielt schon 1242 die Stadtrechte. Der Adel machte Kiel vom 14. Jahrhundert an zu einem bedeutenden Kapitalmarkt. Mit der Einweihung der nach Herzog Christian Albrecht benannten Universität anno 1665 wurde das geistige Klima der Stadt nachhaltig positiv beeinflusst.

Kiels Stadtgebiet verfügt über eine Fläche von knapp 120 Quadratkilometern, das heißt auf jeden Quadratkilometer kommen fast 2.000 Einwohner. Um die 100.000 Sozialversicherungspflichtige Beschäftigte sind hauptsächlich in den Bereichen Handel, Gastgewerbe und Verkehr sowie im verarbeitenden Gewerbe tätig.

Die Kieler Wirtschaft ist durch die Anbindung ans Wasser von der Tradition her ein Handelsplatz. Die Stadtväter jedoch haben die Zeichen der Zeit erkannt. Ein konsequent betriebener Strukturwandel setzt auf Zukunftstechnologien wie Medizin-, Bio-, Umwelt- oder modernste Drucktechnik und forciert die Verzahnung von Wirtschaft und Wissenschaft. Immerhin rund 30.000 Menschen studieren an den drei Kieler Hochschulen. Bei einer Einwohnerzahl von 230.000 ist also jeder Zehnte Kieler ein Student. Und dafür, dass das erworbene Wissen nicht im Ostseesand versickert, stehen eine Reihe von Gründerzentren und Wissenschaftsparks. In diesen modernen Denkfabriken entstehen Innovationen am laufenden Band, die letztendlich sichere Arbeitsplätze schaffen.

Kiels Wirtschaft – ein gesunder Branchenmix

Großmotoren und Antriebswellen, Lokomotiven und Brennstoffzellen, kleine Yachten und Doppelhüllentanker, Tsunami-Frühwarnsysteme und nautische, optische und Lasergeräte: Kiel setzt die Segel, wenn es heißt, traditionelle und innovative Branchen, industrielle Produktion und moderne Dienstleistungen sowie Hochtechnologie und Handwerk zu einer überaus gesunden Mischung zusammenzuführen.

Ebenso wohlauf zeigt sich die Kieler Verkehrs-Infrastruktur mit hervorragenden und schnellen Anbindungen per Autobahn, Flughafen, ICE-Anschluss und Hafen mit dem wichtigen Nord-Ostsee-Kanal. Das Meer reicht bis in die Innenstadt, Fähranbindungen in die skandinavischen Länder machen Kiel zur wichtigsten Drehscheibe des Ostseeverkehrs. Auch hier profitiert die Wirtschaft der Region davon, dass die Stadtväter ihre Hausaufgaben gemacht haben.

In Sachen Forschung legen das Leibniz-Institut für Meereswissenschaften, die Medizinische Fakultät und das Institut für Weltwirtschaft die Latte auf allerhöchstes Niveau. Viele Unternehmen aus dem Bereich EDV- und Multimedia sind in Kiel ansässig; logische Konsequenz daraus ist, dass an den Hochschulen der Stadt unterschiedliche Multimedia-Studiengänge angeboten werden.

Die Einwohner und Gäste aus aller Welt – fast eine halbe Million Menschen erobern Kiel jedes Jahr touristisch – erfreuen sich eines breit gefächerten Kulturangebots mit Theater und Oper, Galerien und Museen sowie dem weltweit renommierten Schleswig-Holstein Musik Festivals. Die Holstenstraße ist Kiels Shoppingmeile, vielleicht nicht die größte, aber bundesweit die erste Fußgängerzone, 1957 dem Fußvolk übergeben. Noch was vergessen? Ach ja, Kiel ist auch Sitz des hoch angesehenen Instituts für Weltwirtschaft. Das erstellt regelmäßig für die Bundesregierung die Konjunkturprognosen. Für ihre Stadt können die Experten gute Gründe anführen, sich anzusiedeln: Industrie- und Gewerbeflächen sind vergleichsweise günstig wie das Lohnkostenniveau niedrig, der Wirtschaftsmix ist so ausgewogen wie vielfältig, Unternehmen rennen bei der engagierten Wirtschaftsförderung offene Türen ein. Und die Bürger genießen hohe Lebensqualität, viel Natur und Kultur in maritimen Flair.

Wirtschaft in Hamburg: Der Duft der großen weiten Welt


 

(Redaktion)

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